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„Lazyboy“ und seine „plötzlichen Ortswechsel, Translokationen usw. (u.a. nach Würzburg) – Romane von plötzlichen, merkwürdigen, ganz anderen Orten

17 Jan

Lazyboy“ (Roman von Michael Weins, mairisch verlag, 2011) ist freier Journalist (er schreibt für Szenemagazine in Hamburg), und heißt eigentlich Heiner Boie. Seit langem muss er mal wieder zum Arzt, denn ihm widerfahren merkwürdige „Blackouts“. Dabei handelt es sich um plötzliche Ortswechsel (im folgenden pOw) – in einem leibhaftigen Sinne, und ohne Einfluss von Rauschmitteln. Die pOw ähneln auf eine gewisse Weise dem Beamen, bedürfen aber keinerlei Strahlenmedium und technologischen Schnickschnacks. Man könnte auch von Translokation, Teleportation, Transmission, Transmigration usw. sprechen Der erste pOw führte, oder besser katapultierte, Heiner nach dem Aufstehen, mit dem bereiteten Frühstück in der Hand direkt in ein Möbelhaus. Sein zweiter pOw war fast schon hilfreich: vom Eingang des Supermarktes mit der Einkaufstüte direkt nach Hause. Die pOw passieren meist, wenn er im Begriff ist den Raum zu wechseln; sie schienen immer mit dem Durchschreiten einer Tür verbunden zu sein. Lazyboy tritt durch eine Tür, allerdings kommt er nicht wie gewünscht im Nebenraum an, sondern anderswo. Durch einen pOw kann er durchaus eine gewisse Distanz überbrücken (und das nur in Sekundenbruchteilen). Einmal, beim Verlassen des Gebäudes, in dem sich die Arztpraxis befindet, landet er in Würzburg:

„Jetzt aber stehe ich am Ufer eines Flusses, ein großer Fluss, graugrünes Wasser. Genauer gesagt stehe ich am Fuß einer reich verzierten Fußgängerbrücke, Barock, grauer, alter Stein, Statuetten auf den Balustraden. Am gegenüberliegenden Ufer hoch droben thront eine stattliche Burg auf einem Hügel. Auf der Flanke des Hügels stehen Weinstöcke Spalier. Es sieht irgendwie süddeutsch aus. Ich drehe mich um und stelle fest, dass sich zwei Schritte hinter mir die Tür eines Andenkenladens befindet, wie praktisch. […] – Am anderen Ende der Brücke ist ein Restaurant mit einer schönen Holzterrasse oberhalb eines alten Wehrs. Ich suche mir einen Platz in der Sonne. Ich werden von einer mittelalterlichen Frau mit weißer Schürze und einem faltigen, grauen Rock über äußerst stramm aussehenden, abgekämpften, harten Waden und Birkenstocks an den tennisbesockten Füßen bedient. […] „Entschuldigen Sie“, sage ich. „Wo sind wir?“ „Wie meinen Sie das?“, fragt sie ohne Gesichtsausdruck. „Die Stadt“, sage ich, „in der wir uns befinden, wie heißt das alles hier?“ Sie guckt mich an, nichts regt sich in ihrem Gesicht. „Würzburg“, sagt sie. Ein Lächeln geht auf meinem Gesicht auf wie Urlaubssonne, ich kann es warm und deutlich spüren. Ich meine mich zu erinnern, dass Würzburg an einer ICE-Strecke liegt. Ich kann mir also ordentlich Zeit lassen, alles anzugucken. „Toll“, sage ich. „War ich noch nie, in Würzburg. Was isst man denn hier so? Gibt es eine Spezialität?“ „Blaue Zipfel“, sagt die abgezehrte Frau ohne Begeisterung. „Toll“, sage ich, „nehme ich. Wenn ich schon mal da bin.“ Beiläufig muss ich an Schlumpfhausen denken. […] – Etwas später stellt sie die Blauen Zipfel in einem Teller Brühe vor mich hin. Diese stellen sich als in Essig gekochte Würste heraus. Na ja. – Trotzdem sitze ich mit dem zufriedensten Lächeln der Welt auf der Terrasse oberhalb des Flusses, der jetzt im Sonnenlicht tiefbraun und goldbesprenkelt vor sich hin funkelt. Ich äuge zur Burg hoch. Das Sonnenlicht gleißt auf den alten Schindeln. Still für mich formuliere ich einen erhabenen Gedanken. Innerlich fülle ich mit dem goldenen Licht der Zufriedenheit, als ich meinen schönen, gehaltvollen Gedanken denke. Ich denke: Es intensiviert den Aufenthalt an einem Ort, wenn man sich klarmacht, in jedem Augenblick auch woanders sein zu können, durch irgendeine Tür jäh aus dieser Gegenwart in die nächste gerissen zu werden, dass jegliche Anwesenheit schlagartig beendet sein kann. – Für zwei gekochte Blaue Zipfel muss ich 14 Euro bezahlen, das dämpft mein Gefühl von Erhabenheit empfindlich. – Als ich später den Prachtbau der Würzburger Residenz aus dem 18. Jahrhundert  betrete, ein weltbekanntes Fresko von Tintoretto oder so befindet sich darin, halte ich vor der ersten Tür bewusst inne, halte mich am Türrahmen fest und schaue mich noch einmal um…

Freilich bekommt Lazyboy wegen seiner nachlassenden Zuverlässigkeit, bedingt durch die häufigen, nicht planbaren pOw Schwierigkeiten mit seinen Auftraggebern und seiner Freundin Monika. Als „Raumspringer“ oder notorischer „Ortswechsler“, „Translokant“ usw. ist er, was Termine angeht, sozusagen etwas zu sprunghaft für ein geregeltes Arbeits- und Beziehungsleben.
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Lost? >>> !

2 Feb

Perhaps, being lost, one should get loster.

Saul Bellow quoted in  Peter Turchi (2004): Maps of the Imagination. The Writer as Cartographer – Trinity University Press, San Antonio, Texas, p. 99.

Kulturalistische Botanik, Bühler & Rieger’s ‚Florilegium des Wissens’, Urban Gardening, Dominik Eulberg’s ‚Herbarium’, Pflanzensoziologie, Boas’ ‚Dynamische Botanik’, ‚Poison Ivy’, Capgras-Syndrom, sowie die häufigsten Pflanzenarten Mitteleuropas

12 Dez

Es gibt eine beträchtliche Zahl sog. ‚Kulturpflanzen’: Nahrungspflanzen, Faserpflanzen, Pflanzen, die uns Baumaterial, Medizin liefern usw. Das Leben der Pflanzen hat somit eine kulturelle Dimension. Das ist gewissermaßen die Makroperspektive: die Pflanze als Rohstofflieferant. Eine spektakuläre Ausblühung dieser Makro-Sicht ist die bei manchen sicherlich Anstoß erregende oder ein abgebrühtes Grinsen hervorrufende sog. „’Stoned Ape’-Theorie der menschlichen Evolution“ des amerikanischen Anthropologen, Ethnopharmakologen, Schamanisten (usw.) Terence McKenna (1946-2000): der regelmäßige, auch hochdosierte, Verzehr von halluzinogenen Pilzen als Stimulans religiöser Erfahrungen, gesellschaftsfördernder Sexualpraktiken, selbstbewussten Denkvermögens und letztlich auch als Katalysator für die Evolution der Sprache (siehe McKenna, T.: Food of the Gods. The Search of the Original Tree of Knowledge – A Radical History of Plants, Drugs, and Human Evolution. Bantam Books, New York, – auf Deutsch erschienen 1996: ‚Die Speisen der Götter. Die Suche nach dem Baum der Erkenntnis’). Ich bezweifle, dass diese Theorie inzwischen in die Standard-Lehrbücher über die Evolution und Stammesgeschichte des Menschen eingegangen sind. Das ist in diesem Zusammenhang jetzt auch nicht wichtig.

Aber denken wir jetzt mal an die Gärten: diese komplexen, vielschichtigen Assemblages im Schnittraum von Natur und Kultur, die kulturellen Konnotationen dieses so populären Ortes, die physiologischen und psychologischen Wirkungen der Gartenarbeit oder der puren Möglichkeit kindlicher Freizeit- und Freiraumgestaltung in einem vorhanden-zugänglichen Garten. Reiner, unverfälschter Utopismus des Apfelbaumgärtchens?

Der Apfel erweist sich als Allegorie menschlicher Kultur. Ob verhandelt wird, wie sein Genuss den Menschen aus dem Garten Eden vertrieb, durch ihn der ‚wilde Westen’ zivilisiert und kultiviert wurde, er mit seinem Fall auf den Kopf des Mathematikers, Physikers und Astronoms Isaac Newton die klassische Mechanik begründete oder die an ihm erfundene Kulturtechnik der Pfropfung das Gleiten der Signifikanten oder die Entstehung von Bedeutungsüberschüssen beschreibt. Der Apfel ist der Kern von Erzählungen darüber, wie der Mensch zu einem Kulturwesen wurde und sich kulturelle Prozesse vollziehen“ (Bühler, B. & S. Rieger: Das Wuchern der Pflanzen. Ein Florilegium des Wissens. Frankfurt 2009, S. 30).

Oder wissen Sie, welche Erwartungen an ‚Urban Gardening’ bzw. ‚Urban Agriculture’, ‚Urban Farming’ geknüpft werden (siehe z.B.: http://www.urban-gardening.eu/, http://urbanacker.net/ oder http://www.urbanfarming.org): „Urban farming’s mission is to create an abundance of food for people in need by planting, supporting and encouraging the establishment of gardens in unused land and space while increasing diversity, raising awareness for health and wellness, inspiring and educating youth, adults and seniors to create an economically sustainable system to uplift communities around the globe“.

Informieren Sie sich doch mal zum Beispiel über die Bedeutung von Urban Farming in Detroit (eine der am stärksten schrumpfenden, desaströsen Städte der USA). >>> Ja, es wird wieder in den Apfel gebissen, ein neuer Zyklus beginnt: die Wiedererschließung, -aneignung und -gewinnung von (Lebens-)Raum, in diesem Fall städtischer Brachen, wenn Sie wollen ‚Wildnisse’.

Und die etwas partisanenhaftere Version des Urban Farming: Guerilla Gardening –  die Invasion der Grünen Krieger bewaffnet mit Samenbomben (inzwischen auch bei Amazon erhältlich für 4,99 Euro) (siehe: Richard Reynolds & Max Annas: „Guerilla Gardening. Ein botanisches Manifest“ – Orange Press, Freiburg 2010 sowie http://www.guerrillagardening.org/, http://www.guerillagaertner.com/)

Dann die Parkanlagen, der Wald usw.  – Pflanzen sind auch Inspirationsquelle und ein nahezu unendlicher Fundus für menschliche Artefakte, z.B. Parkplatz- und Dachbegrünungen, Vasen, Dekorationsartikel, Namen, Illustrationen etc. Welchen Antrieb hat beispielsweise der Techno-Produzent Dominik Eulberg eines seiner Releases „Herbarium“ zu nennen mit den Tracks „Kriechender Günsel (Ajuga reptans)“ und „Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi)“? Eine verborgene unter Techno-DJs verbreitete tribalistische Struktur, der Glaube an Pflanzendevas (siehe Wolf-Dieter Storl: „Pflanzendevas – Die Göttin und ihre Pflanzenengel“ AT-Verlag, Aarau, CH, 1997) oder einfach nur eine gewisse Liebe zur Natur vielleicht verbunden mit einer langjährigen Mitgliedschaft im Nabu? Eulbergs Album „Heimische Gefilde“ wurde 2007 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Die Formulierung, dass es eine Kultur der Pflanzen gibt, mag trotzdem befremdlich anmuten, denn sie sind ja, gemäß unserer dualistischen Denkweise nicht Kultur, sondern Natur. Es gibt Lehrbücher der Pflanzensoziologie (Phytozönologie), – was den Nicht-Botaniker irritieren könnte. Weiterlesen

129 Arten sich durch die Stadt zu bewegen (nach Bodo Morshäuser 1998)

17 Jun

Dort — Kaffee und Tee

5 Mrz

… Berlin

Ein Spaziergangswettbewerb von metastadt anlässlich des zweiten Geburtstages von stadtstadtstadt

14 Okt

metastadt gratuliert stadtstadtstadt zum Geburtstag mit einem Wettbewerb. Gesucht wird dein schönster Stadtspaziergang. Jeder spaziergang mit stadtrelevantem inhalt kann an dem Wettbewerb teilnehmen. Weitere Infos hier.

„Egal ob Rundgang zu Sehenswürdigkeiten, auf der Suche nach der Wildnis, einer Expedition in unbekannte Gefilde, Stadtforschung, Landschaftsbildung, themenbezogene Spaziergänge oder Rundgänge zu Gerüchen oder schönen Klängen, Reisen im eigenen Zimmer, Stadtspiel etc. Jeder Spaziergang mit stadtrelevantem Inhalt kann an dem Wettbewerb teilnehmen.

Zu gewinnen gibt es einen ersten und zwei zweite Preise. Der erste Preis ist die gemeinsame Durchführung des Spaziergangs in Absprache mit dem Gewinner. Der Spaziergang wird auf metastadt publiziert und von uns dokumentiert. Am Ende werden die Bilder, Filme, Zeichnungen und sonstigen Materialien in Form eines pdf-Magazins in die Spaziergangsdatenbank aufgenommen. Die zwei zweiten Preise sind die Aufnahme der Spaziergänge in die Datenbank und ein erweiterter Blogeintrag dazu.

metastadt freut sich auf eure Einreichungen, nach Möglichkeit als pdf-Dokument mit Betreff „spaziergangswettbewerb“ an stadtstadtstadt bei [@] web.de. Die Beschreibung kann gerne mit Bildern sein, sollte aber den Umfang von zwei DIN A4-Seiten nicht überschreiten. Einsendeschluss ist der 31.10.2010

Im Zoo

27 Mrz

Nach Baratay & Hardouin-Fugier (2002: 13) hilft ein „Gang entlang der Tierkäfige eines Zoos, die Gesellschaft zu verstehen, die diese errichtet hat“ [1].

Dieses Bonmot ist zweifellos auch für den Flaneur interessant. Der berühmte Berliner Flaneur Franz Hessel ging in den Zoo. Er tat es weniger um die Tiere zu studieren, als sich über deren eigeneartige Behausungen zu wundern. Der berühmte Fotograf, Garry Winogrand (1928-1984), ein Meister der Street-Photography machte eine Serie von Aufnahmen aus dem Zoo („Animals“). Die Vielleicht kennen Sie weiter die Fotografien von Candida Höfer oder die von Britta Jaschinski, die uns über die ontologische Frage nach den Zootieren zu kritischen Gedanken über unser Verhältnis zu Tieren provozieren.
Ich gehe auch gerne in Zoos. Ich kann dort bevorzugt über die Frage nachdenken, was Zootiere sind (einfach nur eingesperrte Wildtiere, oder Kulturfiguren, Cyborg-Wesen?) und mir Gedanken machen über unser Verhältnis zu Tieren und allgemein zur Natur.

Baratay & & Hardouin-Fugier (2002: 13) zeigen, dass die Geschichte des „Mikrokosmos“ Zoo „parallel verbunden ist mit der Geschichte des Kolonialismus, des Eurozentrismus, des Exotismus und mit Phänomenen von Gewalt einerseits und Moral andererseits, mit Prozessen der Zivilisierung des Menschen, der Entstehung von Kultur- und Gedenkstätten (z.B. Museen) sowie mit der Entwicklung der Freizeitaktivitäten“ (ebd., S. 13).
Zoologische (wie auch Botanische Gärten) bieten demnach ideale Voraussetzungen, verschiedene Aspekte des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur in seiner Komplexität, mit seinen Wechselwirkungen, Widersprüchen und Entwicklungen zu erforschen. Die Ambivalenz zwischen Ausbeutung der Natur und deren Schutz bzw. Erhaltung durch menschliche Gesellschaften kommt gerade auch in den Zoologischen Gärten zum Ausdruck.

In dem Online-Magazin einseitig.info erscheint zur Zeit in mehreren Teilen ein Interview mit mir zum Thema Zoo-Praxen: Teil 1 hier >>, Teil 2 hier >> und Teil 3 kommt in Kürze. Die Ausführungen darin gehen letztlich auf ein Forschungsprojekt zurück, welches ich vor einigen Jahren zur Förderung beantragt hatte, was aber abgelehnt wurde. Das Thema hat mich dennoch nicht mehr losgelassen.

[1] Baratay, E. & E. Hardouin-Fugier (2000): Zoo. Von der Menagerie zum Tierpark. – Wagenbach Verlag, Berlin. Die in England bei Reaktion Books erschienene Ausgabe ist deutlich besser und schöner bebildert: Zoo. A History of Zoological Gardens in the West, London 2002.

Eintracht – meine Stadt, mein Verein

21 Mrz

Drei Punkte gegen die Bayern, das ist immer was Besonderes – auch wenn dieser Ribery gefehlt hat und Schweinsteiger so aufgeregt war, weil er noch einen Termin im Aktuellen Sportstudio hatte und dieses Robben …. Eigentlich weiß ich gar nicht, wie der Sieg zustande gekommen ist, die Hauptsache gewonnen. Ich bin dann Sonntags immer überaus gut gelaunt. Nach dem Spiel wurde, wie üblich, lebhaft skandiert und disputiert, und die Bayern-Fans von einem angetrunkenen Frankfurt-Fan mit einem lauten kehligen HaHa verabschiedet.

Man könnte mir ja prinzipiell vorwerfen, ich als Pseudo-Intellektueller kokettiere durch mein Eintracht-Fantum mit anderen exotischen Milieus, aber das wäre ungerecht. Ich war schon immer Frankfurt-Fan, die Eintracht, damals hatte ich kaum mehr im Kopf als Fußball. Herrmann Hesse, Pablo Picasso usw.? – Völlig unbekannte Wesenheiten, wie von einem anderen Stern. Fußball ist jedenfalls inzwischen ausgeprägt milieuübergreifend, vor allem seit es diese neuen familienfreundlichen Stadien gibt. Eigentlich ist es ja auch eher umgekehrt; die „anderen Milieus“ kokettieren an solchen Samstagen sehr häufig mit mir, dem „Intellektuellen“. Vor allem mit meiner neuen Brille komme ich nun in dieser Richtung noch authentischer rüber. Am Bahnhof wurde ich dann auch in der Raucherinsel von einem aus einer Eintracht-Fangruppe angesprochen: „Und Alter, warst de auch im Stadion?“ – Nö, ich hab’s in der U-Bahn auf dem Info-Screen gelesen.“ – Wärst de mal im Stadion gewesen, super Spiel – so Spiele machen dich echt fertich!“ Kein Zweifel daran, dass ich nicht für die Eintracht gewesen sein könnte.
So weit ich kann, versuche ich immer bei den Heimspielen in Frankfurt zu sein, denn dann gewinnt die Eintracht immer (jedenfalls meistens). Die paar Male, die ich im Stadion war, hat die Eintracht immer gewonnen – außer einmal, das war noch in der zweiten Liga gegen MSV Duisburg.
Im ICE Richtung Bayern hat auch keiner von den Bayern-Fans Empathie von mir erwartet, ganz im Gegenteil: „Dieses Mal habt ihr Glück gehabt; Meister wird Bayern trotzdem“, keifte mir einer zu – „Warten wir’s ab“, raunte ich. Merkwürdig, dabei habe ich doch gar nicht ausgesehen, als ob ich im Stadion gewesen bin. Und ein schwarzer Pullover und eine schwarze Jacke machen doch noch keinen Frankfurt-Ultra aus mir. Eine Bierflasche hatte ich auch nicht dabei. Die Bayern-Fans im Zug hatten übrigens gar kein richtiges Bier, sondern nur diese grünen und rotbraunen Limo-Mischbiere.
Vielleicht liegt es auch an meinem Gesicht, das noch nie vom Alpenföhn gestreichelt und gewärmt wurde, sondern nur von Frankfurter U-Bahn-Tunnelluft und eisigen Hochhausklamm-Winden massiert worden ist.

Frohe Weihnachten 2009

23 Dez

SpaceFlaneur wünscht allen Freunden, Bekannten und Besuchern frohe Weihnachtstage 2009!

Autoerotik in der Vorhölle – am Strand.

8 Okt

Sol y Playa’ – das ist und bleibt das herrschende Paradigma des Massentourismus. Wenn wir eine autoerotische Dimension des Sonnenbadens bedenken, dann wird schnell klar, warum das Mitanpacken bei der Olivenernte niemals die Attraktivität des ausgedehnten Sonnenbadens am Strand verdrängen kann. Zunächst einmal die Sonne, die pure Sonne und der regungslose Körper (nicht die Sonne über der Ölbaumplantage, die auf die Landarbeiter hinabscheint) auf einem Handtuch an einem Sandstrand (mit dem Meer in unmittelbarer Nähe). Diese Sonne am Strand repräsentiert die erste, die elementare Qual. Aus dem Schutz der Gebärmutter wird der Neugeborene in das gleißende Licht verstoßen. Es beginnt die Lust und die Qual des Daseins. Sich einen ganzen Tag lang und mehrere Tage hintereinander passiv an einem Strand in der Sonne aufzuhalten ist eigentlich eine Quälerei, die von denen, die es immer wieder praktizieren, als eine wohltuende Lust empfunden wird, die masochistische Elemente hat. Die Autoerotik des Sonnenbadens hat aber auch eine seduktiv-sadistische Dimension: „Wenn ich bzw. wir das machen, den ganzen Tag einfach so in der prallen Sonne liegen, dann kannst du das auch. Komm zieh dich aus und leg dich hin; versuch nicht an die Hitze und die UV-Strahlung zu denken; am Abend wirst du dich gut fühlen – und nach dem Urlaub wird jeder deine braungebrannte Haut bewundern.“ SonnenbaderInnen freuen sich auch daran, oder fühlen sich zumindest in ihrem Tun bestätigt, wenn andere in der Sonne offensichtlich mehr leiden, als man selbst, oder gar einen kräftigen Sonnenbrand abbekommen haben. „Der macht was falsch, aber ich mach alles richtig.“ Eine exhibitionistische Komponente spielt, genauso wenig wie in der Sauna, keine Rolle (vielleicht an FKK-Stränden). Wenn es so wäre, müssten sich die meisten Sonnenanbeter schämen – wegen ihrer Figur, ihrer Statur, ihrer Fettleibigkeit, wegen ihrer schlechten Tätowierungen usw.. Man stellt sich aber nicht im Kollektiv zur Schau, sondern man teilt in der Masse seine autoerotischen Lustgefühle im quälenden Sonnenbad. Der Unterschied zur Sauna ist, dass niemand eine zwei Wochen langen Sauna-Pauschalurlaub buchen würde, ja nicht einmal einen ganzen Tag für Saunagänge veranschlagen würde.
Damit sind wir wieder bei der Sonne, die auf den Strand hinabbrennt – Helios, das Zentralgestirn unseres Sonnensystems, eine Oberflächentemperatur von 5.778 K (Spektralklasse G2, Leuchtkraftklasse V), von ihm stammen fast 100% des gesamten Energiebeitrags zum Erdklima. Ein Gelber Zwerg, der eigentlich nur aus Wasserstoff und Helium beseht, aber eine Korona hat, sog. Sonnenwinde entweichen lässt, Protuberanzen bilden kann, rotiert und sogar pulsiert. Schauen sie sich das astronomische Zeichen der Sonne an, und Sie werden verstehen können:

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SpaceFlaneurs mögen diesen Songtext sehr: „Lok auf 2 Beinen“ – Peter Fox

3 Mai

lokauf2beinen

… oder bei bonsound.de; den Song z.B. bei YouTube (Peter Fox: Lok auf 2 Beinen). Viele Grüße nach Berlin.

…nterwegs

30 Mrz

unterwegs1

Kraftwerk – Autobahn

2 Jan

Frohes Fest

24 Dez

Frohes Fest

SpaceFlaneur wünscht allen Freunden, Bekannten und Besuchern schöne Feiertage.

Ich liebe ‚elektrisches Blau‘, es ist so urban.

19 Dez

Blau ist gar keine kalte Farbe.

Wir haben es uns angewöhnt, Blau als kalt zu empfinden. Das kalte Blau ist eine kulturelle Konstruktion, ein moderner Habitus. Im Winter sind die Tage am kältesten, in denen ein blauer Himmel herrscht, das sind die Tage der Kältehochs über Skandinavien und Russland. Wir haben unzählige Fotos von den Polargebieten gesehen, in denen die blaue Farbe vorherrscht. Die Gletscher-Eis Bonbons stecken in einer blauen Verpackung, und im Sommer suchen wir Abkühlung in Schwimmbecken, deren Becken in blauer Farbe gestrichen sind.

Die Grundfarbe Blau steht in einem engen Verhältnis zu den anderen Grundfarben Rot und Gelb. Selbst wenn Blau eine kalte Farbe sein sollte, ist sie das nur, weil Rot als heiße Farbe empfunden wird. Wegen der Komplementarität zu Gelb erhielte dann aber Blau über Orange und Gelb selbst eine warme Nuance. Diese Form der Argumentation ist hier aber bedeutungslos, wegen der grundsätzlichen Behauptung, Blau ist gar keine kalte Farbe. Und wenn sie keine kalte Farbe ist, muss sie eben warm sein – oder zumindest nicht kalt. Der Kalt-Warm-Kontrast von Farben beruht sowieso nur auf dem menschlichen Empfinden. Eigentlich ist es in Bezug auf die Farbtemperaturen sogar umgekehrt. Die Farbtemperatur ist ein Maß für den Farbeindruck einer Lichtquelle. Sie wird definiert als die Temperatur, auf die man einen Schwarzen Körper (Planck’schen Strahler) aufheizen müsste, damit er Licht einer Farbe abgibt, das (bei gleicher Helligkeit und unter festgelegten Beobachtungsbedingungen) der zu beschreibenden Farbe am ähnlichsten ist. Das Licht einer gemeinhin als warm empfundenen Kerze hat eine Farbtemperatur von 1500 K, die Morgen- bzw. Abendsonne 5000 K, das Licht des bedeckten Himmels 6500-7500 K, aber das Licht eines klaren, blauen Himmels hat eine Farbtemperatur von 15.000 bis 27.000 K. Anders ausgedrückt: Von einer kühlen Oberfläche wird hauptsächlich langwellige Strahlung ausgesandt; die Strahlung einer heißen Oberfläche besteht dagegen hauptsächlich aus kurzen Wellenlängen (sichtbares Licht und Ultraviolett). Es stimmt, dass das im Spektrum der elektromagnetischen Strahlung auf das Rot folgende langwelligere Infarot als Wärmestrahlung gefühlt werden kann, und dass wir mit den noch langwelligeren Mikrowellen Speisen erhitzen können. Aber die dem Blau und Violett benachbarte kurzwelligere Ultraviolette Strahlung verursacht heftigen Sonnenbrand. Wenn die ultraviolette Strahlung also solch eine Power hat, dann können wir behaupten, dass Blau eine kraftvollere, mächtige Farbe als Rot darstellt. Blau ist heißer.

Blau ist die Farbe einer existenziellen Sehnsucht.

„Verloren ins weite Blau blicke ich oft
hinauf in den Äther und hinein ins
heilige Meer, und mir ist, als öffnet
ein verwandter Geist mir die Arme,
als löste der Schmerz der Einsamkeit
sich auf ins Leben der Gottheit“

Friedrich Hölderlin, Hyperion

Der Blaue Himmel zeigt uns die Sonne. Er ist das Produkt des weißen Sonnenlichtes und der Luftmoleküle der Erdatmosphäre. Die kurzen Wellenlängen, also die blauen Anteile des stärker gestreut als die anderen Anteile, weshalb der wolkenlose Himmel Blau erscheint. Der klare nachtblaue Himmel eröffnet uns das sternenerfüllte Weltall. Wir lieben es, wenn das Wasser der Meere, der Flüsse oder von Seen blau erscheint. Dann denken wir, es tummeln sich zahllose farbige und silbrige Lebewesen darin.

Überhaupt, wie gut passt Silber- und Goldglanz zu Blau. Das ist so edel, dass kein roter Blutstropfen das zerstören dürfte. Von Adligen wurde gesagt, sie hätten blaues Blut. Dieser Ausspruch soll daher kommen, weil sie so blass waren, dass die blauen Venen durch die Haut schimmerten. Das Verhältnis von Blau zu der Nicht-Farbe Weiß ist eben von subtiler Kontrasthaftigkeit und Schönheit. Noch immer schreiben wir bevorzugt mit blauer Farbe auf weißem Papier. Wir lieben den Kontrast weißgetünchter Häuser, z.B. auf Ibiza, vor dem tiefen Blau des Mittelmeeres und einem wolkenlosen blauen Himmel. Wir lieben die sog. Schäfchenwolken, so sehr dass wir uns flach hinlegen und aus unserer Phantasie ein ganzes Bestiarium hervorstottern.

Aber im Kontrast zu der Nicht-Farbe Schwarz offenbart sich die ganze Kraft des Blau. Wundersam erscheint dort Blau als ein Produkt, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Umhüllt man einen blauen Kreis mir Schwarz, könnte man meinen, dass das Blau langsam verschluckt werden könnte. Aber wie durch eine innere Kraft leuchtet das Blau immer weiter. Dabei ergänzt es die Nicht-Farbe Schwarz so wunderbar und kontrastiert mit ihr nicht schamlos.

Blauer Kreis

In einem Schaufenster eines Geschäftes in der Berger Straße, Frankfurt/Main

Das Foto vom Bild der Erde aus dem Weltraum – ‚The Blue Marble’, „die blaue Murmel“. Eine Ikone der Lebendigkeit und Vitalität, und gleichzeitig eine Mahnung an die Menschheit. Müsste man eine Anthropologie auf der Grundlage von Farben schreiben, dann wäre das Ergebnis eine Philosophie der Beziehungen von Blau zu Weiß bzw. Schwarz.

Dieses Blau, das vom Schwarz umhüllt wird, ist auch die Farbe der Urbanität. Andere Farbtemperaturen sind lediglich Kulissen für das eigentliche Blau. Das städtische Blau ist eine herrliche Farbe des Übergangs, der Phantasie, der Sehnsucht, der Neugier, des Wissen- und Ausprobierenwollens, und gleichzeitig auch der Nichterfüllung, der Unerreichbarkeit, der Ferne. Das ‚Electric Blue’ von Leuchtstoffröhren und anderer Leuchtmittel ist die metropolitane Farbe schlechthin. Es gibt auch eine Flickr-Gruppe mit diesem Titel und entsprechendem Inhalt. Dieses Blau repräsentiert so klar die nächtliche Seite der Urbanität, die Verführungen und Gefahren. Und die spärlich beleuchtete Nacht hat eine besondere Bedeutung für die Urbanität, wie z.B. Mike Davis feststellt (Die Nacht ist lang“, in Die Zeit Nr. 52 vom 18.12.2202, S. 51 f.):

In der urbanen Nacht liegt der eigentliche Ursprung der Moderne. Der Mensch am Beginn des 20. Jahrhunderts lebte im Rhythmus der dunkeln Stadt: Dichter, Revolutionäre, Maler, Kriminelle, Prostituierte, Taxifahrer, Musiker und Journalisten. Diese Somnambulen bewohnten eine Dunkelheit, die mehr war als die Abwesenheit von Sonnenlicht.

Oft suche ich bei nächtlichen Spaziergängen Orte, an denen dieses Blau leuchtet. Flanieren ist für mich eine Tätigkeit, die mit der Farbe Blau korrespondiert, sowohl mit ihrer Farbtemperatur, als auch mit ihrer Symbolik. Ich gehe also ins Blaue. Hätte der Flaneur eine Uniform, dann wäre sie blau.

Blau steht für Harmonie, Gerechtigkeit, Wohlstand ohne Übermaß, Fortschritt ohne Zerstörung, Wissen, Weisheit, Sympathie, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit. Blau ist ein Versprechen, aber weil Blau nur eine Farbe ist, die zudem auch für Ferne und Sehnsucht steht, kann dieses Versprechen niemals gehalten werden.

Im jahrhundertealten Untergrund der kleinen Stadt Oppenheim am Rhein mit seinen verwinkelten Kellern und Gängen gibt es einen dick ausbetonierten Raum, einen Luftschutzkeller aus dem II. Weltkrieg. Dieser Raum ist mit einem elektrischen Blau ausgeleuchtet. Auch das ist ehrlich; es hätte mich nicht gewundert, wenn sie dort eine Marienstatue aufgestellt hätten.

Luftschutzkeller

Luftschutzkeller im Untergrund der Stadt Oppenheim/Rhein

Wer noch immer nicht glaubt, dass Blau von den Grundfarben die beste ist, sollte sich einmal fragen, ob es rote oder gelbe Jeans gibt. Selbst die Produkte von Lego und Playmobil, die Kindern soviel Freude machen, stecken in einer blauen Verpackung.

Hardcore Schienen-Flaneurismus

14 Nov

Wenn ich ein Befreiungskünstler wäre, der größte und beste der Welt, dann: dann würde ich das ICE-Schienennetz der Deutschen Bahn ein paar Meter in die Höhe heben.

City Ghost grüßt ICE

Plötzlich wären die unzerschnittenen verkehrsarmen Räume viel größer.
Ich würde aber auch die Weichen versetzen, neue Verbindungen herstellen und neue Schleifen legen. Bestimmte Abschnitte müssten länger gezogen werden. Ganz lang, damit ich Spiralen nach oben und rasante Abfahrten nach unten schaffen könnte.
Niemand, weder die Passagiere noch das Zugpersonal, wüsste, wo der Zug langfährt oder in welchem Bahnhof er als nächstes hält. Ab und zu würde was auftauchen, was jemand glaubt zu kennen; alle wären begeistert und keiner wollte aussteigen. Der Kaffee und das Essen wären umsonst. Und die Fahrt ginge weiter. Immer weiter und niemand wüsste wohin.

Gebloggt mit Flock Browser

„Vom Wandern“

5 Nov

Ich habe bereits mit meiner Version der Frankfurter Grüngürtelwanderung begonnen. Vier Stempel prangen bis jetzt in meinem Wanderpass: W1, W2, W3, N1.

Flugzeug über dem Frankfurter Stadtwald

Die notwendige basistheoretische Lektüre werde ich noch erwerben:

Grober, Ulrich (2006): Vom Wandern. Neue Wege zu einer alten Kunst. – Zweitausendeins. Frankfurt/Main.

Was ist der Sinn des Wanderns im 21. Jahrhundert? Was tue ich da eigentlich, wenn ich durch den Frankfurter Stadtwald wandere und, eines nach dem anderen, dröhnen die Flugzeuge im Landeanflug über mir, vollbepackt mit Passagieren, die ganz woanders ihre Zeit verbracht haben.
Ulrich Grober sei ein „Landschaftsflaneur„. Im gehe es darum, zu Fuß „eine neue Balance zwischen schnell und langsam, zwischen besehbaren und begehbaren Räumen“ zu finden. Das Buch sei „solide, gründliche Arbeit ohne Effekthascherei – Schwarzbrot für Wandergehirn. Da wird es für den Leser aber auch mal steinig und mühsam, es verlangt ihm Zeit und Geduld ab, weist gelegentlich Längen auf – wie eine richtige Wanderung eben. Und wie eine solche war es am Ende jede Anstrengung wert“ (Rezension in der Frankfurter Rundschau, Nr. 59 vom 10.03.2007, S. 39).

„Nur wo du zu Fuß warst, warst du wirklich“

4 Okt

SIMA und die Promenadologie

(siehe auch: http://www.sigridmarkstein.de/

Trans Europa Express, Kraftwerk 2004

2 Sep

Die Welt als Zoo

27 Aug

Vielleicht sollten wir die Handlungstheorie wesentlich strukturalistischer fassen? – Individuen leben in einem Möglichkeitsfeld, in dem die Intentionen von Handlungen nur eine Dimension darstellen. Ansonsten wirken Einschränkungen, Beschränkungen und Hindernisse die dieses Feld möglicher Handlungen aufspannen. Diese Einschränkungen sind auch nicht nur kulturell, sozial, subjektiv oder materiell bedingt, sondern sie sind v.a. handfest ökonomisch und politisch. In der Möglichkeit von Handlungen schwingt also die Unmöglichkeit von Handlungen mit. Es mag sein, dass es eine Gestaltungsoption des Möglichkeitsfeldes gibt, dass es auf eine gewisse Weise selbstbestimmt, selbstgewählt und selbstgestaltet sein kann. Vielleicht sollten wir durch die Hintertür auf irgendeine Weise Determinismen in die Theorie zurückholen. Wegen der potenziellen Unmöglichkeit von Unmöglichkeiten und Möglichkeit von Möglichem sollten wir Systeme von Handlungen zumindest deutlich strategischer und kriegerischer auffassen als bisher. Dies gilt sowohl für die Individuen innerhalb ihrer Möglichkeitsfelder, als auch die Akteure, die beteiligt sind an Bedingungen, Notwendigkeiten, Diskursen usw. ‚Intentionen’ klingt so sinnhaft, subjektzentriert, aufgeklärt und unökonomisch.

Die Faszination des Reisens schließlich gründet auf dem ephemeren Ausdruck einer geometrisch-territorialen Ausweitung des Möglichkeitsfeldes (durchaus im Sinne von Jagdgründen). Reisen verführt durch die Illusion von Freiheit. Die Faszination des Urlaubs basiert auf der räumlichen Entrückung vom heimisch-alltäglichen (Un-)Möglichkeitsfeld. Man erholt sich durch zeitweise Abstraktion bestimmter Beschränkungen und Hindernisse.

Im übrigen erinnert mich das ganze an einen Zoo – und das ist überaus faszinierend. Wir leben also länger, weil wir nicht so frei sein können, wie wir es uns vielleicht wünschen.