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„Lazyboy“ und seine „plötzlichen Ortswechsel, Translokationen usw. (u.a. nach Würzburg) – Romane von plötzlichen, merkwürdigen, ganz anderen Orten

17 Jan

Lazyboy“ (Roman von Michael Weins, mairisch verlag, 2011) ist freier Journalist (er schreibt für Szenemagazine in Hamburg), und heißt eigentlich Heiner Boie. Seit langem muss er mal wieder zum Arzt, denn ihm widerfahren merkwürdige „Blackouts“. Dabei handelt es sich um plötzliche Ortswechsel (im folgenden pOw) – in einem leibhaftigen Sinne, und ohne Einfluss von Rauschmitteln. Die pOw ähneln auf eine gewisse Weise dem Beamen, bedürfen aber keinerlei Strahlenmedium und technologischen Schnickschnacks. Man könnte auch von Translokation, Teleportation, Transmission, Transmigration usw. sprechen Der erste pOw führte, oder besser katapultierte, Heiner nach dem Aufstehen, mit dem bereiteten Frühstück in der Hand direkt in ein Möbelhaus. Sein zweiter pOw war fast schon hilfreich: vom Eingang des Supermarktes mit der Einkaufstüte direkt nach Hause. Die pOw passieren meist, wenn er im Begriff ist den Raum zu wechseln; sie schienen immer mit dem Durchschreiten einer Tür verbunden zu sein. Lazyboy tritt durch eine Tür, allerdings kommt er nicht wie gewünscht im Nebenraum an, sondern anderswo. Durch einen pOw kann er durchaus eine gewisse Distanz überbrücken (und das nur in Sekundenbruchteilen). Einmal, beim Verlassen des Gebäudes, in dem sich die Arztpraxis befindet, landet er in Würzburg:

„Jetzt aber stehe ich am Ufer eines Flusses, ein großer Fluss, graugrünes Wasser. Genauer gesagt stehe ich am Fuß einer reich verzierten Fußgängerbrücke, Barock, grauer, alter Stein, Statuetten auf den Balustraden. Am gegenüberliegenden Ufer hoch droben thront eine stattliche Burg auf einem Hügel. Auf der Flanke des Hügels stehen Weinstöcke Spalier. Es sieht irgendwie süddeutsch aus. Ich drehe mich um und stelle fest, dass sich zwei Schritte hinter mir die Tür eines Andenkenladens befindet, wie praktisch. […] – Am anderen Ende der Brücke ist ein Restaurant mit einer schönen Holzterrasse oberhalb eines alten Wehrs. Ich suche mir einen Platz in der Sonne. Ich werden von einer mittelalterlichen Frau mit weißer Schürze und einem faltigen, grauen Rock über äußerst stramm aussehenden, abgekämpften, harten Waden und Birkenstocks an den tennisbesockten Füßen bedient. […] „Entschuldigen Sie“, sage ich. „Wo sind wir?“ „Wie meinen Sie das?“, fragt sie ohne Gesichtsausdruck. „Die Stadt“, sage ich, „in der wir uns befinden, wie heißt das alles hier?“ Sie guckt mich an, nichts regt sich in ihrem Gesicht. „Würzburg“, sagt sie. Ein Lächeln geht auf meinem Gesicht auf wie Urlaubssonne, ich kann es warm und deutlich spüren. Ich meine mich zu erinnern, dass Würzburg an einer ICE-Strecke liegt. Ich kann mir also ordentlich Zeit lassen, alles anzugucken. „Toll“, sage ich. „War ich noch nie, in Würzburg. Was isst man denn hier so? Gibt es eine Spezialität?“ „Blaue Zipfel“, sagt die abgezehrte Frau ohne Begeisterung. „Toll“, sage ich, „nehme ich. Wenn ich schon mal da bin.“ Beiläufig muss ich an Schlumpfhausen denken. […] – Etwas später stellt sie die Blauen Zipfel in einem Teller Brühe vor mich hin. Diese stellen sich als in Essig gekochte Würste heraus. Na ja. – Trotzdem sitze ich mit dem zufriedensten Lächeln der Welt auf der Terrasse oberhalb des Flusses, der jetzt im Sonnenlicht tiefbraun und goldbesprenkelt vor sich hin funkelt. Ich äuge zur Burg hoch. Das Sonnenlicht gleißt auf den alten Schindeln. Still für mich formuliere ich einen erhabenen Gedanken. Innerlich fülle ich mit dem goldenen Licht der Zufriedenheit, als ich meinen schönen, gehaltvollen Gedanken denke. Ich denke: Es intensiviert den Aufenthalt an einem Ort, wenn man sich klarmacht, in jedem Augenblick auch woanders sein zu können, durch irgendeine Tür jäh aus dieser Gegenwart in die nächste gerissen zu werden, dass jegliche Anwesenheit schlagartig beendet sein kann. – Für zwei gekochte Blaue Zipfel muss ich 14 Euro bezahlen, das dämpft mein Gefühl von Erhabenheit empfindlich. – Als ich später den Prachtbau der Würzburger Residenz aus dem 18. Jahrhundert  betrete, ein weltbekanntes Fresko von Tintoretto oder so befindet sich darin, halte ich vor der ersten Tür bewusst inne, halte mich am Türrahmen fest und schaue mich noch einmal um…

Freilich bekommt Lazyboy wegen seiner nachlassenden Zuverlässigkeit, bedingt durch die häufigen, nicht planbaren pOw Schwierigkeiten mit seinen Auftraggebern und seiner Freundin Monika. Als „Raumspringer“ oder notorischer „Ortswechsler“, „Translokant“ usw. ist er, was Termine angeht, sozusagen etwas zu sprunghaft für ein geregeltes Arbeits- und Beziehungsleben.
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The Spirit of Main-(Wein-)-Franken

19 Jul

Hausfassade in der Innenstadt Würzburgs

Im größten Schwarzkiefernforst Deutschlands (Volkenberg oberhalb Erlabrunn, Unterfranken)

25 Jun

Wo befindet sich die größte zusammenhängende Schwarzkiefern-Anpflanzung in Deutschland? Wahrscheinlich haben Sie Schwarzkiefer-Bäume schon einmal in einem Park gesehen, wo sie häufig und vielerorts angepflanzt werden. Oder Sie kennen diese submediterran-montane Kiefernart (Pinus nigra J.F. Arnold) vom Wanderurlaub in den Pyrenäen, auf Korsika oder dem Atlas-Gebirge. Vielleicht kennen Sie sogar die bekanntesten Schwarzkieferbestände, die zur Pecherei (Harzgewinnung) genutzten Bestände in Niederösterreich (mehr Infos s.u.).

Auch Anpflanzungen zu Forstzwecken, sind weit, fast weltweit, verbreitet. Im mittleren Südeuropa und auf der Balkan-Halbinsel ist die Schwarzkiefer die wichtigste Baumart für Aufforstungen. In einer „waldbaulichen Beurteilung der mitteleuropäischen Baumarten“ gehört die Schwarzkiefer zur Gruppe der „Baumarten auf Spezialstandorten verschiedener Höhenstufen“ [1]

Eine kleine Rundwanderung (ca. 2,5 h) führt von der Staustufe bei Erlabrunn (Unterfranken, Bereich Würzburg-Maindreieck) auf den Volkenberg (Beschreibung siehe Achim Muth: „Ein Wald für die Seele“, Wanderserie in der Mainpost: http://www.mainpost.de/regional/franken/Ein-Wald-fuer-die-Seele;art183497,6149262). Dort existiert die größte zusammenhängende Schwarzkiefernkultur Deutschlands. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so anmutet, ein Spaziergang durch diesen Forst hat seinen eigenen, fast exotischen Reiz. Kennt man Wälder der verbreiteten, natürlich vorkommenden Waldkiefer (Pinus sylvestris), scheint auf dem Volkenberg etwa nicht zu passen. Die Farbe der Borke, die graue Helligkeit? Natürlicherweise hat die Schwarz-Kiefer nördlich der Alpen nichts zu suchen. Die nördliche Verbreitungsgrenze des natürlichen Areals verläuft durch Österreich. Ihr eigentliches, stark zersplittertes Verbreitungsgebiet liegt im südlichen Europa, es kann als submediterran-montan gekennzeichnet werden[2]. Es erstreckt sich von Spanien und Marokko im Westen bis zur Türkei und Zypern im Osten.

Schon die graue Borke dieser Bäume fällt auf – im Vergleich zu der rötlich-braunen Borke der in Mittel- und Nordeuropa verbreiteten natürlich vorkommenden Wald-Kiefer, Pinus sylvestris). Junge Schwarzkiefer-Bäume besitzen eine bräunlich graue, schuppige Stammborke, die mit zunehmendem Alter aufreißt. Die dabei entstehenden Platten sind bei östlichen Herkünften, z.B. der Österreichischen Schwarzkiefer, die für Aufforstungen in Mitteleuropa verwendet wird, dunkler mit fast schwarzen Furchen gefärbt.[3]

Dass die Schwarzkiefer auch in Mittel- und Nordeuropa angepflanzt werden kann, liegt daran, dass sie nur geringe Ansprüche an den Standort stellt. Sie ist, wie andere Kiefernarten auch, lichtbedürftig und wächst gut bei Jahresniederschlägen von zwischen 600 und 1.020 mm. Sie verträgt Sommertrockenheit und ist kälteresistent (junge Bäume überstehen Temperaturen von bis zu −30 °C ohne Schäden). Gerade wegen ihrer Anspruchslosigkeit und ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Luftverschmutzung wird sie fast weltweit als Forst- und Parkbaum angepflanzt. Wegen ihres kräftigen Wurzelsystems und der Unempfindlichkeit gegenüber Salzgischt wird sie auch als Windschutz an Küsten und als Erosionsschutz an Hanglagen angepflanzt.

Wesentliche Informationen über die Schwarzkiefer-Anpflanzungen in Unterfranken liefert Olaf Schmidt (o.D.): Die Schwarzkiefer in Unterfranken. In: LWF aktuell Nr. 20, hrsg. von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft:
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Gerolzhofen (Unterfranken) – Feldnotizen, 18.06.2011

20 Jun

Gerolzhofen Unterfranken (SW, 97447, 244 m ü. NN, rund 6500 Einw.), Bereich Mainfränkische Platten/Steigerwald

Schon bei der Einfahrt in die Stadt zeigt sich, was für gestandene Gerolzhofener eine Kränkung sein könnte, aber gleichzeitig (und naheliegenderweise) für das Stadtmarketing benutzt wird: GEO – (kein Hinweis auf geologische oder geographische Besonderheiten, z.B. ein Meteoritenkrater o.ä.), sondern KfZ-Kennzeichen bis 1972. Es gibt die Geomed-Klinik Krankenhaus Gerolzhofen, das Geomaris Badeparadies (Hallen- und Freibad), eine Pizzeria GEO – auf der Speisekarte findet sich der GEO Salat (Grüner Salat, Gurken, Tomaten, Tunfisch, Käse, Schinken, Ei, grüne Peperoni, Oliven, Artischocken), die Pizza GEO (Tomatensoße, Käse, Schinken, Salami, Pilze, Paprika, Artischocken, Oliven), Nudel GEO (mit Fleischsoße, Sahne und Erbsen), Lasagne GEO und Schnitzel GEO (mit Fleischsoße, Sahne und Erbsen, Pommes und Salat), die Geodrom Eventhalle, das Bistro Geo-Treff usw.

Im Zuge der kommunalen Neuordnung Bayerns wurde der Landkreis Gerolzhofen 1972 aufgelöst und die Stadt verlor den Status einer Kreisstadt. Die ehemalige Kreisstadt Gerolzhofen behielt zunächst eine Anzahl überörtlicher Behörden, die aber nach und nach verlegt wurden.

Gerolzhofen ist ein Mittelzentrum, Wirtschafts- und Schulzenrum für die umliegenden Gemeinden („Marktplatz der Region“). Und so sieht die Stadt auch aus – keine pittoreskes Frankenstädtchen, zu weit weg von Weinfranken und, obwohl es sich als „Tor zum Steigerwald“ bezeichnet, ist es auch von diesem noch zu weit entfernt.

Gerolzhofen ist auch im Programm Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ (Städtebauförderungsprogramm „Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“). Das „Soziale Stadt“-Gebiet umfasst vor allem die Altstadt bis zur äußeren Stadtmauer und dem Alleepark. Auf der Internetseite des Quartiersmanagments steht: „Die Altstadt Gerolzhofens weist im Vergleich zu den umliegenden Wohngebieten Merkmale auf, die für eine Aufnahme in das Programm Sozial Stadt sprechen: Städtebauliche und bauliche Schwächen, Mängel im Wohnumfeld und im öffentlichen Raum, vorhandene Leerstände, Tendenz zu einer einseitigen Bevölkerungsstruktur, Gefährdung der zentralörtlichen Versorgungsfunktion, Kaufkraftverlust durch großflächigen Einzelhandel außerhalb des Stadtkerns.

Aber dennoch oder gerade deshalb ist Gerolzhofen interessant, und ein paar Sehenswürdigkeiten hat es auch zu bieten.

Ferner hinterlässt auch ein kurzer Blick in die Geschichte der Stadt keinen ruhmvollen Eindruck: 1397-1400 wurde die Stadt im Fränkischen Städtekrieg verwüstet. In der Zeit der Hexenverfolgungen und –verbrennungen unter dem Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (1583-1631) war Gerolzhofen als Hauptgerichtsplatz ein Zentrum. Der Gegenreformator Philipp Adolf von Ehrenberg betrieb eine harte Rekatholisierungspolitik, er war zudem ein unerbittlicher Hexenverfolger. Die Hexenverfolgung, die zwischen 1626 und 1630 ihren Höhepunkt erreichte, hatte Menschen aller Stände im Visier: neben einfachen Leuten wurden auch Adlige, Ratsherren und Bürgermeister auf den Scheiterhaufen verbrannt. In Gerolzhofen wurden angeblich sogar Verbrennungsöfen, um die rund 200 Menschen pro Jahr verbrennen zu können. Viele starben bereits vor ihrer Verurteilung an den Folgen der Folter im Hexenturm und Centgefängnis. [1]
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Stadt ab 1631 wiederholt geplündert und gebrandschatzt. Hinzu kamen Pest und Hungernöte, welche die Bevölkerung der Stadt um ein Viertel dezimierten.

Stadtspaziergang:

Spitalstraße, Weiße Turm-Straße: Fachwerkhaus Teutsch (von 1566) mit Erkertürmchen und Andreaskreuz-Galerien[2], zuletzt Verlagsgebäude der Heimatzeitung „Der Steigerwald-Bote“. Daneben Teutsch am Turm Buchhandlung. Seitengasse Richtung ehemaliges Oberamtshaus rechts der Fachwerkhof Weißer Hof (Toreinfahrt mit wehrgangähnlicher Überdachung und verzierten Rautengefachen[3], idyllischer, durchgegrünt-verwachsener, schön dekorierter Innenhof. Auf der linken Seite das Echterhof Fachwerkhaus mit nachgotischem Treppengiebel und Sechseck-Hofturm von 1609.
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Marktbreit (Unterfranken) – Feldnotizen, 16.06.2011

17 Jun

Marktbreit (KT, 97340, 191 m ü. NN): Kleines Städtchen am Main (ca. 3500 Einw.), Bereich Maindreieck, zwischen Kitzingen und Ochsenfurt.

Geparkt in der Mainstraße, dort schon ein paar fotogene Häuser. Mainstraße ist nicht Teil der Altstadt, sondern Stadterweiterung aus dem 19. Jh.

Vor dem Stadttor Gasthaus „ Zum Goldenen Schiff“ (erbaut 1568, eines der ältesten Häuser Marktbreits, ehemals Gasthaus der Flößer, Schiffer und Fischer).

Brauchbare Tourist-Information, kleiner Stadtplan mit eingezeichneten Sehenswürdigkeiten.

Durch das Maintor über den Breitbach in die Innenstadt, Rathaus im Stil der Spät-Renaissance, gegenüber ein Kebap-Imbiss.

Marktplatz: Hotel Löwen, angeblich das zweitälteste Gasthaus in Bayern, Ursprung 15. Jh.; mit Zierfachwerk aus dem 18. Jh., kleiner, netter Biergarten in der Ochsenfurter Straße.

Im Löwen und im Rathaus traf sich im Frühling 1949 die Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ (auf Einladung von Hans Werner Richter); berichtet wird, dass sie vom Frankenwein ziemlich betrunken waren und die Stimmung aggressiv. Wegen dieses Treffens findet Marktbreit Erwähnung in dem Buch „Spaziergänge durch das Franken der Literaten und Künstler“, Thomas Kraft & Klaus Gasseleder, Arche Literatur-Verlag, Zürich, Hamburg, 2008.

Die Ochsenfurter Straße entlang zu gehen brachte mir nicht so viel, es sei denn man möchte zum Geburtshaus des Neurologen Dr. Alois Alzheimer (1864-1915). Hat mich nicht interessiert, deshalb durch die Straße Am Graben zurück Richtung Maintor. Dort der Schwarze Turm, ein Rundturm der Stadtbefestigung, baulich mit dem Rathaus verbunden. Über einen Steg den Breitbach überquert und noch einmal durch das Maintor. Das Maintor ist das einzig erhaltene Tor der Stadtbefestigung, erhalten sind noch weitere Türme der Stadtbefestigung und Teile der Stadtmauer.

Um den Marktplatz herum barocke Handelshäuser, einstiger Wohlstand im 17. und 18. Jh., der zurückgeht auf die Politik und die gewährten Rechte durch den Fürsten von Schwarzenberg. → Marktbreit als Handelsknotenpunkt.

Mittelpunkt der Altstadt: Schlossplatz mit dem Seinsheimschen Schloss (erbaut 1580, mit schöner gelber Renaissancefassade). Auf dem Platz davor die Tische des Cafes/Gaststätte Schloss Marktbreit, sehr gut besucht.

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Bamberg

2 Mrz

Vielen Dank für die Postkarte an I. Thomas (Mittelseminar, WS 2009/10)

Nürnberg

2 Mrz

Vielen Dank für die Postkarte an I. Thomas (Mittelseminar, WS 2009/10)

Ein Gang durch den Zoo – Tiergarten Nürnberg

29 Aug

Ein Gastbeitrag von J. Gedon (vielen Dank!)

Vor dem Besuch eines Tiergartens stellt sich die Frage, welche Daseinsgründe sich für ein solchen aussprechen, warum ein Zoo denn sinnvoll ist und vor allem, was ein Besucher von solch einer Anlage denn nun erwartet.
Eine Rechtfertigung dafür, die Wildnis in die Stadt zu holen, lieferte Heini Hediger, ein 1992 verstorbener Schweizer Zoodirektor: Zoos sollen ein Erholungs- und Freizeitraum für Menschen sein. Sie fördern die Bildung in Natur- und Tierkunde. Sie betreiben Natur- und Artenschutz und leisten als wissenschaftlich geleitete Einrichtungen einen Beitrag zur Forschung, vor allem zur Verhaltenskunde.

Beginnen wir mit dem wohl am klarsten auf der Hand liegenden: dem Erholungsraum. Nicht erst seit Knut und Co. – obwohl diese sicherlich zu einer erneuten Popularität der Zoos unumstritten beigetragen haben – strömen jährlich zigtausende Besucher in die deutschen Tiergärten. Präzise geplante Parklandschaften, postmoderne Unterhaltungsstrukturen und die Möglichkeit zur Erholung, nicht nur in Form von Imbissbuden und Eisständen, geben dem modernen Menschen eine Möglichkeit dem Alltag zu entfliehen, sich aus dem Stadtdschungel zurückzuziehen und den »Hunger nach Natur« zu stillen.
Der amerikanische Evolutionsbiologe Edward O. Wilson erklärt dies mit einem instinktiven Hang zur Natur. Noch in der Steinzeit hing das Überleben eines Menschen vom Kenntnisreichtum über seine Umgebung, dem Wissen von Naturgefahren und natürlichen Ressourcen ab. Vor allem die künstlich eingeengten Stadtbewohner, wissen die Gegenwart der Tiere zu schätzen. Ein lebendiges Tier im Zoo mit all seinen Gerüchen und die Möglichkeit, hin und wieder ein Exemplar zu berühren, was weder Buch noch Film schaffen, lockt viele Besucher an. Es geht nicht nur um das Betrachten dieser Arten, sondern auch ganz gezielt um das »Erleben«. Fast jeder Zoobetreiber bietet deshalb heutzutage Streichelzoos an und auch die „Füttern verboten“ Schilder rücken immer mehr in den Hintergrund.

Machen wir uns also nichts vor, ein Tiergarten dient in erster Linie uns selbst, den Menschen. Warum dies nicht gleich mit anderen nützlichen Zielen verbinden: Bildung und Information, eine Art Zoopädagogik, die Bewusstsein schaffen soll für sowohl wildlebende Arten als auch für deren Lebensräume. So ist zu beachten, dass z.B. im Nürnberger Tiergarten nicht nur die Tiere sondern auch die Gestaltung der dazu gehörigen Landschaft – Wasser, Wald, Wüste – beachtet und entsprechend umgesetzt wurde. Weiterlesen

Frankfurt/Main >>> Frankenplanet

21 Aug

Aus berufsbedingten Gründen haben wir uns veranlasst gefühlt unseren Wohnsitz zu verlegen. Wir leben jetzt in der Nähe einer Kleinstadt in Unterfranken – mitten in einer intensiv landwirtschafltich genutzten Gegend (>>> deshalb Frankenplanet). Wir haben grunzende Nachbarn usw.

Nicht ganz so weit weg von Frankfurt/Main und Offenbach.
Meine Kinder sind während eines Schnuppertages im neuen Hort gebeten worden, ein Bild zu malen. Wie sieht es dort aus, wo sie herkommen. Hier die Ergebnisse:

FfM. von L.

FfM. von P.

Bayern-Ticket-Exkursionen – Scheiss-kalt!

26 Dez

Es waren kalte Bayern-Ticket-Exkursionstage im Wintersemester 2008/09. In Bamberg (am 12.12.2008) warteten wir etwa eine Stunde auf der Terrasse des Michelsberger Garten auf unseren „Termin“. Die Füße waren kalt und nass. Nachdem unser Gesprächspartner angekommen war, begaben wir uns in die St. Michaelskirche. Wir bewunderten den Himmelsgarten, spürbar wärmer war es aber nicht.
Nachdem die Exkursion beendet war, wärmte ich mich – über eine Stunde! – in einem Café in der Unteren Sandstraße auf. Dann machte ich einen E.T.H. Hoffmann-Rundgang durch Bamberg. Es wurde dunkel und immer kälter. Eigentlich hätte ich das lassen sollen – denn es folgten noch einige Exkursionen (am 13.12. 19.12, 20.12.) – und es blieb kalt.
Die Witterungsbedingungen hatten auch Einfluss auf die Namensgebung der Arbeitsgruppen. In Coburg (Stadterkundung – Fragen und Aufgaben, am 19.12.2008) nannten sich die Studierenden: „Die Coburger Schmätzchen“, „Touristeninfo-Menschen-Nerver“, „Die 5 Strümpf“, „Die Vesten-Bestürmer“, „Heiße Heide & Feurige Johanna“, „Gurken-Alex“, „Glühwein-Feuerzangenbowle-Lumumba-Offensive WS 08/09“. Man gewinnt den Eindruck, dass es nicht ganz so kalt war, oder dass gewisse Möglichkeiten existierten, zu vermeiden, dass die Kälte gnadenlos bis auf die Knochen in die Körper der ExkursionsteilnehmerInnen eindringt.
Bei den Stadtgeographischen Beobachtungen in Lohr am Main, Karlstadt und Gemünden am 13.12.2008 nannten sich die Gruppen folgendermaßen: „Alpha-Tier“, Jack Silver, Helmuth Schmitt Gedächtnisgruppe aus Columbia“, „Mütze 08“, „Eiszapfen“, „Frostis“, „Handschuh“. So knapp und prägnant, das klingt nach harscher Witterung. Brutal lang draußen an einem Frosttag im Dezember. Wer konnte am besten mit Handschuhen Skizzen und Notizen machen?
Eingefleischte physische Geographen mit ihrem von Kindheitssehnsüchten geprägten Drang nach abenteuerlichen Erfahrungen in arktischen, antarktischen, glazialen und alpinen Landschaften dürfen jetzt lachen. Aber wir mussten wohl einen gewissen Stil wahren und nicht wie eine Gruppe Cyborgs komplett eingemummt in hochwertig-hochpreisiger Outdoorkleidung durch die Städte spazieren.