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Der Street-Photographer Akinbode Akinbiyi schlendert durch die Metropolen dieser Welt – bezeichnet sich aber nicht als Flaneur

23 Jul

Der Street-Photographer Akinbode Akinbiyi schlendert tastend, tänzelnd seit 45 Jahre durch die Metropolen dieser Welt (Bamako, Berlin, Kairo, Dakar, Johannesburg, Kinshasa oder Lagos). „Je langsamer, desto besser. So öffnetst du dich für die Rhythmen, so erkundest du alle möglichen Räume einer Stadt. Akinbiyi kann dabei aber mit dem Begriff des Flaneurs wenig anfangen. Dieses westliche, im Zuge der Moderne aufgekommene Konzept meine vor allem eine Form der Unterhaltung und Zerstreuung. „Ich begreife den Weg als Narrativ, als Erzählung, für die es Zeit und Entspanntheit braucht (…) wander/wonder – ein bewussstes Wandern und Sich Wundern.“
Akinbiyi untersucht die Straße als Bühne der Wirklichkeit, forscht sozialen Strukturen nach, dem Einfluss der Architektur auf den Menschen. Weiter erklärt er, dass das Wandern traditionell immer auch eine religiöse Komponente beinhalte. So seien Umzüge und Maskeraden Teile eines Rollenspiels, um mit Gottheiten in Kontakt zu treten, ein tieferes Verständnis unserer Existenz zu erfahren. Viele seiner Bilder spüren dieser Spiritualität in der globalisierten Gegenwart nach: Wohin gehen wir?

aus: Monopol. Magazin für Kunst und Leben, Nr. 07/08/2017
Für das Magazin stellte er ein Bilder-Portfolio zusammen „Passageways, Involuntary Narratives, and the Sound of Crowding“ – derselbe Titel wie für Serie, die Akinbiyi auf der Documenta 14 in Athen und Kassel ausstellt.

Weblog ‚Spazierensehen‘

9 Feb

Laut Susan Sontag ist der Flaneur mit einem Fotoapparat bewaffnet:

Tatsächlich aber bestand die Fotografie ihre erste Bewährungsprobe als eine Art zusätzliches Auge des Flaneurs aus der Mittelschicht, dessen Lebensgefühl Baudelaire so treffend charakterisiert hat. Der Fotograf, eine bewaffnete Spielart des einsamen Wanderers, pirscht sich an das großstädtische Inferno heran und durchstreift es – ein voyeuristischer Spaziergänger, der die Stadt als eine Landschaft wollüstiger Extreme entdeckt. Ein Adept der Schaulust und Connoisseur des Effektvollen, findet der Flaneur die Welt – pittoresk.

(In: Sontag, S.: Über Fotografie. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M. 2010, S. 57).

Das Weblog

„Spazierensehen“

beginnt mit einem Zitat des Spaziergangswissenschaftlers Bertram Weisshaar (nähere Informationen bei Atelier LATENT):

Viele Fotografen sind sicherlich (und anerkennend) zu beschreiben als aufmerksam Herumschweifende.

Im Weblog ‚Spazierensehen‘ veröffentlicht der Hamburger Kunsthistoriker Dr. Uwe Heckmann Fotos, die allesamt beim Spazierengehen entstehen: „Sie zeigen zufällig in mein Blickfeld geratene und mit der Kamera festgehaltene Motive. Es geht mir bei diesen Augenblicksaufnahmen um eine Zwiesprache mit dem Sichtbaren, in der etwas scheinbar Vertrautes und Alltägliches ins Befremdliche oder Überraschende kippen kann.

Seht selbst – einfach schön, doch nicht nur und noch viel mehr.

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About Photojournalism in The Navidson Record (Mark Z. Danielewski)

27 Mai

„Photojournalism has frequently been lambasted for being the product of circumstance. In fact rarely are any of these images considered in terms of their composition and semantic intent. They are merely news, a happy intersection of event and opportunity. It hardly helps that photographs in general also take only a fraction of a second to acquire. Weiterlesen

Regeln für einen Street-Photographer

29 Apr

Ich habe es bereits angekündigt: ich möchte mich verstärkt der Street-Photography zuwenden. Im MUSE-INGS-Blog habe ich in einem Post (hier) die folgenden Regeln gefunden:

· BE MORE AGGRESSIVE

· GET MORE INVOLVED (TALK TO PEOPLE)

· STAY WITH THE SUBJECT MATTER (BE PATIENT)

· TAKE SIMPLER PICTURES

· SEE IF EVERYTHING IN BACKGROUND RELATES TO SUBJECT MATTER

· VARY COMPOSITIONS AND ANGLES MORE

· BE MORE AWARE OF COMPOSITION

· DON’T TAKE BORING PICTURES

· GET IN CLOSER (USE 50mm LESS)

· WATCH CAMERA SHAKE (shoot 250sec or above)

· DON’T SHOOT TOO MUCH

· NOT ALL AT EYE LEVEL

· NO MIDDLE DISTANCE

Weiter habe ich noch folgendes gefunden – über Serendipity und Volumen (im Sinne von Quantität) (im Street Photography Guide from photo.net):

  • The best thing about street photography: serendipity. The best thing about street photography is that it is possible for the final viewer of a print to see more than the original photographer. One of the great things about a city is that more things are happening, even within a small neighborhood, at any moment than any human can comprehend. Photography allows us to freeze one of those moments and study all of the small dramas that were taking place.
  • „Volume, Volume, Volume. Garry Winogrand is famous for having exposed three rolls of Kodak TRI-X black and white film on the streets of New York City every day for his entire adult life. That’s 100 pictures a day, 36,500 a year, a million every 30 years. Winogrand died in 1984 leaving more than 2500 rolls of film exposed but undeveloped, 6500 rolls developed but not proofed, and 3000 rolls proofed but not examined (a total of a third of a million unedited exposures). This is the kind of dedication that you need to bring to a street photography project if you hope to achieve greatness.

Luminale 08: Lichtdiskurse und die Fotografie

19 Apr

Im Vorfeld möchte ich mich dafür entschuldigen, dass dieser Beitrag doch ziemlich lang geworden ist.

War die Luminale 2008 nicht ein tolles Event? Einfach nur schön, oder? Da bräuchten wir doch keine weiteren Gedanken verlieren. Ich kann aber nicht anders: In der Vergangenheit wurde soviel über die Erlebnisgesellschaft (vgl. Schulze 2000 oder die Beiträge zum Thema von Dorota Tkaczyk im Content-Blog perspektive 89) und „Die Gesellschaft des Spektakels“ von Guy Debord – Text online hier) geschrieben. Die Luminale wird vielfach als ein Licht-Spektakel bezeichnet. Frankfurt, so die Oberbürgermeisterin Petra Roth im Vorwort des Luminale-Programms, wirke als strahlendes Vorbild für andere Städte, sogar London. London – Paris, Tokyo, New York, war da nicht was? Ach ja, Global Cities. Also Frankfurt eine Global City? Laut Roth ist Licht das Baumaterial des 21. Jahrhunderts. Es sei sinnbildlich für den Wandel zur Medien-, Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. Frankfurt und die Region seien im globalen Wettbewerb bevorzugte Bauplätze für die Zukunft. Deshalb passe die Luminale so gut zu Frankfurt. Es gehe um den globalen Wettbewerb und um eine Renaissance des Urbanen.
Wiedergeburt des Urbanen -, das bedeutet ja, dass das Urbane dieser Renaissance bedarf, demgemäß in einen senilen Zustand geraten ist (‚Urban Decay’). Eine Krisensituation des Städtischen, welche eine Renaissance nach sich zieht bzw. diese nötig hat. Ähnlich sieht es auch Jürgen Hasse („Die Stadt in rechte Licht setzen. Stadtillumination .- ein ästhetisches Dispositiv?“ In: Berichte zur deutschen Landeskunde 78, H. 4, 2004, S. 413-439): Die europäische Stadt stehe unter dem Problemlösungsdruck einer mehrdimensionalen Krise: (Krise des Zentrums, Krise der Ökonomie, Krise der Urbanität, Krise des sozialen Friedens, Krise der Demokratie) (ebd., S. 415). Die Maßnahmen zur Illumination, die Hasse als Ausdruck einer „allgemeinen Ästhetisierungswelle“ bezeichnet, könnten nicht losgelöst von den genannten Problemlagen der Stadt verstanden werden.

„Auf die brodelnde Agonie der Stadt antworten Akteure in Politik und Ökonomie mit exzentrischen Gesten der Hyperästhetisierung.“

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luminale 08: Nachtaufnahmen, HDR-Fotografie und Spazierengehen (ohne Stativ!)

16 Apr

Anlässlich der Luminale 08 erstrahlten sie wieder, die Städte des Rhein-Main-Gebietes. Das öffentliche Licht-Spektakel, die Biennale der Lichtkultur im Rahmen der Messe Light+ Building, die selbst allerdings nur für Fachbesucher geöffnet ist.
An den neuralgischen Orten der Luminale strömten zahlreiche Fotografen zusammen. Sie bauen ihre Stative auf und schießen Nachtaufnahmen – wobei Nachtaufnahme schon gar nicht mehr der richtige Begriff ist im Antlitz der spektakulären Inszenierungen, welche so in die Nacht strahlen, das sie fast verdrängt wird. Nachtaufnahmen sind jedenfalls durch die Digitalphotographie zu einem beliebten Thema geworden und weit verbreitet (praktische Informationen über Nachtaufnahmen, Available-Light Photographie und Langzeitbelichtung finden wir auf der Seite Fotografieren.li). Auch das Stöbern bei flickr mit den Stichworten Nachtbilder, Nachtaufnahmen, Nightshots führt zu beeindruckenden Fotografien und umfangreichen Gruppen.

Mir war es etwas peinlich, ohne Stativ aufgetreten zu sein und dadurch nicht zu dem profilierten Kreis der ausgewiesenen Nachtfotografen zu gehören, die sich in einer bestimmten Entfernung oder in einem bestimmten Radius um den Ort des Geschehens bzw. das fotografische Subjekt gruppieren. Tatsächlich habe ich den Eindruck kaum jemals zu einem profilierten Kreis gehört zu haben. Warum habe ich denn auch kein Stativ mitgenommen? Weiterlesen