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Virtuelle Landschaften, Orte und Räume sowie deren Konstruktion

6 Aug

Im derzeitigen Run auf virtuell erfahrbare Landschaften und Räume, welche von Computerspielen mit simulierten Phantasielandschaften über diverse Navigationssysteme in fast jedem unserer Automobile bis zu, auf realen Gegebenheiten der Erdoberfläche gründenden Natur- und Kulturlandschaften reichen, von denen die von GOOGLE-Earth sicherlich eine der meist besuchten darstellt, manifestiert sich deutlich das Interesse und schließlich ein Verlangen einer, im Zeitalter der Globalisierung lebenden, gesellschaftlich durchaus heterogen beschaffenen Menschenmenge nach virtuellen Trips in die verschiedensten Gegenden unseres Planeten. Faszination übt dabei mit Sicherheit die mit virtuellen Landschaften als Repräsentanten einer mehr oder weniger real existierenden Erdoberfläche verbundene augenscheinlich individuelle Wahl der Betrachtungsebene und –perspektive aus. Aber auch wie das Erfolgsmodell ‚Second-Life‚ zeigt, ist in Verbindung mit einer zumindest zeitweiligen Ablegung des eigenen Ich durch die Annahme eines anderen, selbst gewählten, coexistenten Ich eine Flucht in ein anderes Leben, in eine andere Welt (nämlich die unserer Träume und Sehnsüchte) möglich.

Der Erfolg virtueller Landschaften bezeugt, dass Interesse an den Themen Landschaftswahrnehmung und -bewertung aber auch zu Fragestellungen hinsichtlich der Konstruktion von Landschaften sowohl seitens der Wissenschaft als auch seitens der breiten Öffentlichkeit besteht. Weiterlesen

The Spirit of Frankfurt/Main

4 Okt

Spirit of Frankfurt

Äppler (apple wine, see here,   and the online-book about Ebbelwoi) and Eintracht Frankfurt (see here, here and here).

Blick auf’s Mittelrheintal

21 Sep

Ist Physische Geographie uninteressant und langweilig?“  „Warum langweilig, hast du dich mal auf einen Berg gesetzt? Ein solcher bietet – aufgrund seiner morphologischen Eigenschaft als ein aus der Umgebung in die Höhe ragenden Teil der Erdkruste – einen hervorragenden Ausblick über eine z.B. von einem Fluss gestaltete Landschaft. Schau dir diese an, überlege dir, was hier passiert ist, was für Kräfte hier gewaltet haben. Das ist nicht einfach und schon gar nicht langweilig. Die Rekonstruktion der Landschaftsgenese ist und bleibt eine schwierige. Weißt du eigentlich, was hier für eine Geschichte, eine Dynamik dahinter steckt, und, nicht zuletzt, was für ein Vorstellungsvermögen gefragt ist?

Mittelrheintal

Warum sollte also die Physische Geographie langweilig sein und neben der Humangeographie als verstaubte Teildisziplin der Geographie ein Schattendasein fristen?

Wertheim Village, Outlet Shopping auf dem Almosenberg – ein Selbstversuch

21 Sep

Empirische Studien in einer sich verändernden WeltStudienobjekt:Wertheim Village
Angewandte Methode:Teilnehmende Beobachtung
Untersuchungszeitraum:1. August 2007,11.15 –14.35
Rahmenbedingungen: Ein Sommertag

Auf der A3 zwischen Frankfurt und Würzburg, am Rande des Spessarts, leitet uns die Ausfahrt „Gewerbegebiet auf dem Almosenberg, Wertheim Village“ direkt zu unserem Studienobjekt. Nein, wir müssen erst am MacDonalds vorbei. Aha, denke ich, hier treffen sich also reiche Geizhälse, weniger Betuchte sowie Familien mit ungeduldig-hungrigen Kindern nach erfolgreicher Kaufjagd, um ihre noch übrigen Ressourcen zu erschöpfen. Die gefangene wertvolle Beute, die Schnäppchen sicher in den vierrädrigen Zwischenlagern verwahrt, das auf die nach allen Anstrengungen des Konsums ausgezehrten Besitzern warten. Vielleicht wird aber auch das neue Statussymbol direkt am Körper des erfolgreichen Jägers oder seines Gefolges auf seine Wirkung hin erprobt. Nicht selten wurden zuvor Vorbreitungen getroffen, um die für die Investition(en) kostbare Zeit gewinnbringend zu nutzen, diesbezüglich mit dem Ziel, möglichst dicke Früchtchen zu einem, den Aufwendungen gegenüberstehendem optimalen Preis-Leistungsverhältnisses zu ernten.
Doch halt, wir wollten ja keinen Burger kaufen, sondern eine Reisetasche von der Marke mit dem Logo einer vor Kraft strotzenden Großkatze, welche gerade zum Sprung ansetzt, und die, wie mir scheint, derzeit als äußerst hipp gilt und damit eine, vor wenigen Jahren noch unerwartete Renaissance erfährt. Außerdem wollte ich schon immer mal aus reiner Neugierde Wertheim Village einen Besuch abstatten. Wir erklimmen also auf vier Rädern den Almosenberg. Und vor uns liegt auch schon die „Festung“ Wertheim Village, von einem großen Parkplatz umgeben.
Durch ein Tor in der „Stadtmauer“, welches mich stark an die hübschen Gebäude erinnert, welche üblicherweise dazu dienen, einer Märklin-Eisenbahn die ihr adäquate Landschaft zu verleihen, betreten wir die „Stadt“. So müssen sich im Mittelalter Bauern vom Lande gefühlt haben, wenn sie die Tore zur Stadt durchschritten hatten, in der Absicht auf dem Land nicht zum Erwerb dargebotene Utensilien zu erstehen, oder auch bloß, um zu staunen ob der vielen Neuigkeiten und des für sie ungewohnt-großen Angebots, mit welchem die Stadt schon immer eine magische Anziehungskraft auf ihr Umland ausübt. Stadt ist Markt.Die eine friedliche, helle Atmosphäre ausstrahlenden Gassen laden ein zum Flanieren, Staunen und Verweilen. Eine freundliche Agglomeration von Verkaufsstätten der auf Gewinnmaximierung orientierten Unternehmen des globalisierten Kapitalismus 2.0 animiert den mehr, sowie den weniger systemkonformen Bürger zum Konsum von Gebrauchsgegenständen und Statussymbolen.
Das Warenangebot ist zugeschnitten auf die Nachfrage des sich seiner Wünsche und Bedürfnisse mehr oder weniger bewussten Verbrauchers. Liegestühle im Schatten überdimensionierter Blumenkübel, aus welchen mediterrane Gewächse ragen, laden zwischen den einzelnen Jagdgründen zum Relaxen ein. Gerne möchte man hier in halb liegender Position einen, mit einer Ananasscheibe garnierten Cocktail von einer exotischen Schönheit oder einem hübschen Dunkelhäutigen in schneeweißer Bluse serviert bekommen. Freundlich eingerichtete Stores mit zumeist jungen, seriös wirkenden Verkäufern und Verkäuferinnen, die einen für die angebotene Ware repräsentativen Lebensstil zu haben scheinen. Der Kunde als König, die Jagdgesellschaft unter sich. Eine familiäre Atmosphäre ausstrahlende Cafes und Bistros. Eis zur Belohnung für wartende Kinder und Ehegatten. Eine ideale City, das Einkaufsparadies.

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Doch halt, irgendetwas fehlt. Was? – Oder fehlt gar nichts? – Das in den City-Fußgängerzonen „traditioneller“ Städte aufkommende (den Verkauf fördernde, gewollte) Einkaufsgefühl tritt nicht auf …
Keine Apotheke, Rechtsanwälte und Steuerberater. Keine Fahrräder, Busse und Straßenbahnen. Keine Hunde, Punker, Bettler und sonstiges „zwielichtiges“ Volk. Kein Discounter. Die Menschen, welche in den Gassen dieser idealen City flanieren, scheinen weder arm zu sein, noch unter Gebrechen sonstiger Art zu leiden. Es scheinen nicht diejenigen zu sein, die ihre Lebenstage Bier trinkend vor dem Fernseher verbringen. Spätestens an diesem Punkt wird einem bewusst: abends werden hier die Bürgersteine hochgeklappt, die Gebäude – alles nur Fassade. Ich ahne, wie sich Statisten eines Filmes vor den eine Realität vorgaukelnden Kulissen fühlen. Also Realitätsferne, ein Einkaufs-Trip? – Nicht unbedingt.
Hier herrscht durchaus Realität. Diese manifestiert sich in erster Linie an dem Vorhandensein unterschiedlicher Gruppen mit voneinander verschiedenem Verhalten bezüglich ihres Lebensstils, ihren ökonomischen Zielen und ihrer Funktion an diesem Ort: Verkäufer, Konsumenten mit unterschiedlichem Budget, (Einkaufs-)Touristen, Schaulustige, Bauarbeiter und Putzkräfte. Das Konsumverhalten und das, was es möglich macht, steht fest auf dem Boden der Realität.

Dem aufmerksam Beobachtenden stellt sich explizit an diesem Ort die Frage, inwieweit die freie Entscheidung des Kunden, als Sklave seiner Gier nach Schnäppchen, beeinflusst wird. Leider sind die angebotenen Imbisse zum Leid einiger Besucher nicht zu Outletpreisen, sondern zu wirklich mega-urbanen Preisen zu erwerben. Und schon sind wir wieder bei MacDonalds angekommen und genießen den Rückblick.

Bauarbeiten, mit dem Ziel der Vergrößerung des Angebots aufgrund der vermutlich durchaus ansehnlichen Besucher- und Umsatzzahlen zeugen von der Attraktivität solcher Einkaufstempel. Unersättliche werden beim Verlassen des Dorfes zum Besuch eines weiteren Outlet-Village animiert.

Optimale City oder Retortencity oder – dorf (vgl. Namensgebung „village“), Konsummeile?