Archive | Januar, 2015

Rustie geht auch gerne in den Zoo

11 Jan

Rustie ist ein schottischer Produzent moderner elektronischer Tanzmusik – Dubstep im weitesten Sinne, Clubmusik aber durchzogen vom Prog-Rock der 1970er (Yes, Genesis usw.), Hip-Hop, Trance, Electronica, Jazz…. Seine Tracks schlingern ohne zu torkeln, stolpern manchmal ohne hinzufallen, sind zackig aber nicht allzu hektisch. Er mag es etwas zerstückelt aber auch flächig, stellenweise fast schon bombastisch, aber ohne überzuborden. Zu Interviews trifft er sich offensichtlich gerne in Zoologischen Gärten (so für die Groove Nr.133, 2011). Zu den Pinguinen gehe er immer als erstes, dann zu den Affen und gerne auch in ein Regenwaldhaus. Mit Jungle hat seine Musik aber so gut wie nichts zu tun. Wie viele Zoobesucher erheitern ihn die Erdmännchen. Die Gesangssamples klingen stellenweise wie die Chipmuncks. Die gediegene Komplexität, die einen auch mal zum Lächeln bringen kann, könnte durchaus von den Zootierbeobachtungen stammen. In London in der Bassszene als Nightwave zu Hause, ist dort aber der Zoo sein Lieblingsort.

Sein Debütalbum heißt ‚Glass Swords‘ und ist im Oktober 2011 bei Warp Records erschienen. Rusties neues Album heißt ‚Green Language‘ (Warp, 2014). Auf dem Cover sind zwei ineinander verschlungene Flamingos abgebildet. Grazil, wie naturalistisch ausgeführte Plastiken, stehen sie vor einem fast monochromen Hintergrund, der aber doch eine glatten, wie vereist wirkenden Boden und eine Horizontlinie aufweist. Es sieht aus wie in einem sehr gut ausgemalten Zoogehege. Dieses Album ist Platte des Monats in der SPEX No. 355 vom September 2014 (S. 100). Ob Rustie immer noch gerne in den Zoo geht, erfährt man in der Besprechung nicht. Rustie bleibt aber seinem Fusion-Sound treu. Es hat etwas enzyklopädisches. Wäre Rustie ein Biologe, wäre er wahrscheinlich Systematischer Zoologe. Rustie negiere radikal das Weniger-ist-Mehr-Prinzip, Seine Musik sei ein Manifest gegen Geschmacksghettos. Sie kenne keine Grenzen, weder von Underground und Mainstream, von Seriösem und Anrüchigem, von Coolem und Peinlichen. Damit ist Rustie ein Vertreter des Maximalismus. – Und Evolution – das kann man an den bescheidenen Ausschnitten im Zoo beobachten – mag effizient sein, aber minimalistisch ist sie keineswegs.

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