Im größten Schwarzkiefernforst Deutschlands (Volkenberg oberhalb Erlabrunn, Unterfranken)

25 Jun

Wo befindet sich die größte zusammenhängende Schwarzkiefern-Anpflanzung in Deutschland? Wahrscheinlich haben Sie Schwarzkiefer-Bäume schon einmal in einem Park gesehen, wo sie häufig und vielerorts angepflanzt werden. Oder Sie kennen diese submediterran-montane Kiefernart (Pinus nigra J.F. Arnold) vom Wanderurlaub in den Pyrenäen, auf Korsika oder dem Atlas-Gebirge. Vielleicht kennen Sie sogar die bekanntesten Schwarzkieferbestände, die zur Pecherei (Harzgewinnung) genutzten Bestände in Niederösterreich (mehr Infos s.u.).

Auch Anpflanzungen zu Forstzwecken, sind weit, fast weltweit, verbreitet. Im mittleren Südeuropa und auf der Balkan-Halbinsel ist die Schwarzkiefer die wichtigste Baumart für Aufforstungen. In einer „waldbaulichen Beurteilung der mitteleuropäischen Baumarten“ gehört die Schwarzkiefer zur Gruppe der „Baumarten auf Spezialstandorten verschiedener Höhenstufen“ [1]

Eine kleine Rundwanderung (ca. 2,5 h) führt von der Staustufe bei Erlabrunn (Unterfranken, Bereich Würzburg-Maindreieck) auf den Volkenberg (Beschreibung siehe Achim Muth: „Ein Wald für die Seele“, Wanderserie in der Mainpost: http://www.mainpost.de/regional/franken/Ein-Wald-fuer-die-Seele;art183497,6149262). Dort existiert die größte zusammenhängende Schwarzkiefernkultur Deutschlands. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so anmutet, ein Spaziergang durch diesen Forst hat seinen eigenen, fast exotischen Reiz. Kennt man Wälder der verbreiteten, natürlich vorkommenden Waldkiefer (Pinus sylvestris), scheint auf dem Volkenberg etwa nicht zu passen. Die Farbe der Borke, die graue Helligkeit? Natürlicherweise hat die Schwarz-Kiefer nördlich der Alpen nichts zu suchen. Die nördliche Verbreitungsgrenze des natürlichen Areals verläuft durch Österreich. Ihr eigentliches, stark zersplittertes Verbreitungsgebiet liegt im südlichen Europa, es kann als submediterran-montan gekennzeichnet werden[2]. Es erstreckt sich von Spanien und Marokko im Westen bis zur Türkei und Zypern im Osten.

Schon die graue Borke dieser Bäume fällt auf – im Vergleich zu der rötlich-braunen Borke der in Mittel- und Nordeuropa verbreiteten natürlich vorkommenden Wald-Kiefer, Pinus sylvestris). Junge Schwarzkiefer-Bäume besitzen eine bräunlich graue, schuppige Stammborke, die mit zunehmendem Alter aufreißt. Die dabei entstehenden Platten sind bei östlichen Herkünften, z.B. der Österreichischen Schwarzkiefer, die für Aufforstungen in Mitteleuropa verwendet wird, dunkler mit fast schwarzen Furchen gefärbt.[3]

Dass die Schwarzkiefer auch in Mittel- und Nordeuropa angepflanzt werden kann, liegt daran, dass sie nur geringe Ansprüche an den Standort stellt. Sie ist, wie andere Kiefernarten auch, lichtbedürftig und wächst gut bei Jahresniederschlägen von zwischen 600 und 1.020 mm. Sie verträgt Sommertrockenheit und ist kälteresistent (junge Bäume überstehen Temperaturen von bis zu −30 °C ohne Schäden). Gerade wegen ihrer Anspruchslosigkeit und ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Luftverschmutzung wird sie fast weltweit als Forst- und Parkbaum angepflanzt. Wegen ihres kräftigen Wurzelsystems und der Unempfindlichkeit gegenüber Salzgischt wird sie auch als Windschutz an Küsten und als Erosionsschutz an Hanglagen angepflanzt.

Wesentliche Informationen über die Schwarzkiefer-Anpflanzungen in Unterfranken liefert Olaf Schmidt (o.D.): Die Schwarzkiefer in Unterfranken. In: LWF aktuell Nr. 20, hrsg. von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft:

„Die Schwarzkiefer ist auf den flachgründigen Muschelkalkstandorten eine standortgerechte, aber keine standortsheimische Baumart. Ziel bei den Ödlandaufforstungen um die Jahrhundertwende war, die Abschwemmung der spärlichen Bodenkrume durch starke Regengüsse zu mildern und die Verkarstung zu stoppen. Zunächst konzentrierte sich die Aufforstung auf die drei Gemeinden Oberleinach, Unterleinach und Erlabrunn in der Nähe von Veitshöchheim. Zwischen den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts und dem 1. Weltkrieg wurden hier nicht wenige als 120 ha geschlossener Fläche mit Schwarzkiefer aufgeforstet. Auf dem Volkenberg im Bereich des Gemeindewaldes Erlabrunn sahen die Aufforstungsflächen in den Jahren 1899 bis 1903 insgesamt 61,6 ha vor. Eine wesentliche Überlegung der Forstleute war es auch, die Schwarzkiefer als Aufforstungsbaumart zu verwenden vor allem wegen ihrer Genügsamkeit hinsichtlich Hitze, Dürre und Trockenheit. Daneben erwartete man durch den starken Nadelabfall eine bessere Humusbildung. Bereits damals wollten die Forstleute mit der Bildung einer schützenden Humusecke den Übergang zu anderen standortsheimischen Baumarten, vor allem Laubbäumen, ermöglichen. Durch natürliche Ansamung und Vogelsaat stellte sich bereits frühzeitig Verjüngung von Laubbäumen (Eiche, Hainbuche, Buche, Vogelkirsche, Elsbeere, Mehlbeere, Speierling, Feldahorn) und Straucharten (Haselnuss, Weißdorn, Hartriegel, Liguster, Faulbaum, Schneeball) ein. Aus forstlicher Sicht sind diese Mischbestände aus führender Schwarzkiefer und reichlicher Beimischung von Laubbäumen sehr befriedigend. Sie sind stabil, ästhetisch ansprechend, besitzen reichlich Humus und erhalten damit die Bodenkraft, erzeugen den wertvollen nachwachsenden Rohstoff Holz und sind sehr strukturreich aufgebaut.“

In Deutschland gibt es außer auf der Fränkischen Platte in Unterfranken Schwarzkiefer-Anpflanzungen in Deutschland auch in Thüringen (Saaletal, Jena), im nördlichen Baden-Württemberg (Taubergrund) und in Bayern noch kleinere Flächen im Fränkischen Jura und in der Münchner Schotterebene. Diese Anpflanzungen (fast ausnahmslos die österreichische Schwarzkiefer, Pinus nigra ssp. nigra) dienen vor allem zur Wiederbewaldung trockener Weidetriften, die sich häufig auf Karbonatstandorten finden. Den Vorzug auf Karbonatböden erhielt die Schwarzkiefer, weil die Waldkiefer auf karbonatreichen Standorten unter Eisen-Mangel (Vergilbungserscheinungen, sogenannte Kalkchlorose) leidet. Darüber hinaus erzielt die Schwarzkiefer höhere Holzvorräte und die Stämme sind geradschaftiger (siehe Schultz o.D. sowie den Baumarten-Steckbrief bei der LWF Bayern).

Das Holz ähnelt dem der Waldkiefer, ist jedoch wesentlich harzreicher. Es wird vor allem zur Herstellung von Masten, Pfählen, Sperrholz, für gröbere Tischlerarbeiten, für Verpackungsmaterial sowie als Rohstoff für die Zellstoff- und Papierindustrie verwendet. Dickere Stämme finden auch als Bauholz Verwendung. Früher wurde es zum Bau von Schiffen verwendet. Bretter aus Schwarzkieferholz knarren nicht und eignen sich deshalb besonders für Bühnenböden

Wegen ihres hohen Harzgehaltes spielte die Schwarzkiefer eine wichtige Rolle in der Pecherei (in Kalabrien, aber vor allem im Industrieviertel und im Wienerwald im südlichen Niederösterreich). Pecherei bezeichnet ein seit Jahrhunderten bekanntes Handwerk, das der Gewinnung von Harz von Kiefernbäumen dient. Dabei wird der Stamm des Baumes oberflächlich verwundet, um so den Harzfluss künstlich anzuregen[4]. Das gewonnene Harz, auch Pech genannt, wird in Raffinerien und Siedereien zu Terpentinöl[5] und Kolophonium[6] verarbeitet. Diese Stoffe verwendete man bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts als Grundlage zur industriellen Erzeugung von Papier, Lacken, Farben, Seife und vielen anderen Produkten (z.B. Bogenharz). Das Pechergewerbe hat seit ihren Anfängen über Jahrhunderte die Landschaft, Wirtschaft und Kultur der Region des südöstlichen Niederösterreichs geprägt. Das Gewerbe ist dort seit dem Mittelalter belegt. Ab Beginn des 18. Jahrhunderts begannen Grundherrschaften die Pechgewinnung zu fördern, es entstanden Pechhütten zur Harzverarbeitung. Die Pecherei und der Handel mit dem Schwarzkiefern-Harz wurden zu einer wichtigen Einnahmequelle für tausende dort ansässige Familien. Das 19. Jahrhunderts gilt als die Blütezeit der Harzgewinnung und Pechsiederei, Preise und Erträge stiegen aufgrund der steigenden Nachfrage stark an. Ab den 1960ern kam dieses Gewerbe jedoch langsam zum Erliegen; Grund dafür waren vor allem Billigimporte aus den ehemaligen Ostblockländern sowie aus der Türkei, aus Griechenland und aus Portugal. Hinzu kamen Fortschritte in der technischen Chemie, die das Harz als Rohstoff in vielen Bereichen überflüssig machten. Gab es 1960 noch 750.000 Pechbäume und etwa 7000 Familien, die von der Pecherei lebten, sind es heute nur noch 4.000 Kiefern, die von etwas mehr als einer Handvoll aktiven Pechern genutzt werden. Sie liefern ihr Harz an Richard Schreieck vom Pecherhof Hernstein, der letzte Harzverwertungsbetrieb in Mitteleuropa und weltweit der einzige, der das Harz von Schwarzföhren verarbeitet. Der weitere Fortbestand der Pecherei für kommende Generationen ist jedoch nicht gewährleistet, da sie sich rein wirtschaftlich kaum rentiert. Ein Erhalt der Pecherei würde aber zum Erhalt der von der Schwarzkiefer geprägten Kulturlandschaft beitragen. Im Jahr 2011 wurde die Pecherei in Niederösterreich von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen (weitere Infos bei der Österreichischen UNESCO-Kommission – Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe
Der Erhalt der Pecherei trägt daher auch zum Erhalt der Kulturlandschaft bei.

Die Schwarzkiefer wird auch gelistet in der Datenbank Neoflora – Invasive gebietsfremde Pflanzenarten in Deutschland: Weil die Schwarzkiefer vor allem auf flachgründigen, kalkhaltigen Böden angepflanzt wird, verwildert sie auf solchen Standorten in der Nähe der Anpflanzungen. Dabei dringt sie auch in Kalkmagerrasen ein, wobei licht- und wärmebedürftige Tiere und Pflanzen durch die Veränderung des Kalkmagerrasens in Mitleidenschaft gezogen werden. Durch den Klimawandel könnte sich die Schwarzkiefer in Zukunft weiter ausbreiten.

Eine hervorragende Informationsquelle für Gymnospermen ist The Gymnosperm Database.

 


[1] Mayer, H. (1992): Waldbau auf soziologisch-ökologischer Grundlage. 4. Aufl. – Gustav Fischer Verlag, Stuttgart u.a.

[2] Die Arealstruktur spielt eine wesentliche Rolle bei der subspezifischen Systematik Allerdings wird die taxonomische Situation aufgrund zahlreicher morphologischer und ökophysiologischer Verschiedenheiten zwischen den zahlreichen geographisch getrennten Herkünften nicht einheitlich beurteilt. In der folgenden Systematik wird die Art in fünf Unterarten unterteilt. Einige Unterarten werden bei manchen Autoren als Varietäten geführt. Des Weiteren wird die Art teilweise in noch weitere Unterarten, Varietäten und Sorten unterteilt: Die Korsische Schwarzkiefer (P. n. ssp. laricio Maire) kommt in Kalabrien sowie auf Korsika und Sizilien vor. Mayer (1992, S. 130) nennt drei Varietäten bzw. Herkünfte: corsicana, calabrica und austriaca. P. n. subsp. mauretanica (Maire & Peyerimh.) Heywood kommt in Algerien und Marokko vor. In diesem Zusammenhang erwähnt Mayer (1992, S. 130) die südwestliche clusiana-Unterart. Er schließt hier also die Vorkommen in Frankreich und Spanien (ssp. salzmannii s.u.), und spricht von der mauretanica (Marokko), hispanica (Ostpyrenäen) und cebennensis. Die Österreichische Schwarzkiefer (P. n. ssp. nigra) kommt in Österreich und auf der Balkan-Halbinsel vor. Mayer (2002, S. 129) nennt hier die austriaca-Herkunft (Alpenostrand, Kalk-Wienerwald, Karawanken, Karnische Alpen, Piavetal), die dalmatica-Herkunft (Drina, Morawa), und die gocensis-Herkunft (Südbalkan, Eisernes Tor, Pirin- und Rodopengebirge). Die Krim-Kiefer oder Taurische Kiefer (P. n. ssp. pallasiana (Lamb.) Holmboe) kommt in Teilen der Balkan-Halbinsel sowie auf der Krim-Halbinsel, in der Türkei und auf Zypern vor. Die Pyrenäen-Kiefer (P. n. ssp. salzmannii (Dunal) Franco) kommt in Frankreich und Spanien vor.

[3] Morphologische Beschreibung der Schwarzkiefer: Habitus: Aufrechter, meist geradstämmiger Baum mit Wuchshöhen zwischen 20 und 50 Metern (Brusthöhendurchmesser bis zu 1,85 Metern); Wuchshöhe und Kronenform variieren je nach Unterart und Varietät. Junge Schwarzkiefern meist mit schlanker Krone, die sich mit zunehmenden Alter abrundet. Äste stehen im Allgemeinen waagerecht vom Stamm ab. Knospen und Nadeln: Die hellbraunen Terminalknospen sind eiförmig oder zylindrisch-eiförmig und werden zwischen 12 und 24 mm lang. Sie enden in einer markanten Spitze und sind, besonders bei der ssp. nigra, stark verharzt. Die Knospen bestehen aus zahlreichen, rund 5 mm langen Knospenschuppen. An der Knospenbasis besitzen diese Schuppen meist eine umgebogene Spitze. Hell- bis tiefgrüne Nadeln je nach Unterart und Varietät zwischen 4 und 24 cm lang und 1,2 und 2,1 mm breit, zu zweit an Kurztrieben, im Querschnitt halbkreisförmig, an der Basis 3 bis 17 Harzkanäl. Apex spitz aber nicht immer scharf, Nadelränder gezähnt. Die Nadelbasen werden von einer 10 bis 20 mm langen Nadelscheide umgeben. Die Nadeln verbleiben zwischen 3 und 8 Jahren am Baum. Blüten, Zapfen und Samen: Einhäusig-getrenntgeschlechtig (monözisch). Blütezeit (je nach Standort), zwischen April und Anfang Juni. Grün gefärbte männliche Blütenzapfen gehäuft endständig an Langtrieben, 2 bis 3 mm lang. Weibliche Blütenzapfen kurzgestielt, in Gruppen von zwei bis vier, anfangs grün bis zur Bestäubung karminrot verfärbend. Der 67 bis 87 Mikrometer große, hantelförmige Pollen besteht aus einem rundovalen Zentralkörper und zwei seitlichen halbkugeligen Luftsäcken. Die 3,5 bis 12 cm langen und 2 bis 4,5 cm dicken Zapfen reifen im Herbst des 2. Jahres, ungestielt oder kurzgestielt, zur Reife glänzend bräunlich-gelb bis hellbraun gefärbt. Vom Zweig rechtwinkelig oder in einem leicht schrägen Winkel abstehend. Zapfenschuppen stark verholzt, zwischen 2,5 und 3 cm lang. Die verdeckten Teile der Zapfenschuppen sind schwarz gefärbt, wodurch sich die Schwarzkiefer von anderen südeuropäischen Kiefernarten unterscheiden lässt. Schwach keilförmige, geflügelte Samen, bräunlich grau bis aschgrau gefärbt, zwischen 5 und 7 mm lang. Flügel hat die mehrfache Länge des Samenkornes. Wurzelsystem: Sehr extensives, aber robustes Wurzelsystem mit einer kräftigen und streng geotropisch wachsenden Pfahlwurzel, welche den Baum fest verankert. Seitenwurzeln 1. Ordnung wachsen horizontal, während die Seitenwurzeln 2. Ordnung vertikal wachsen. Auf felsigen und weitgehend bodenfreien Standorten findet man den Großteil der Wurzeln in den oberen Bodenschichten. Die Wurzeln dringen selbst in Felsspalten ein und verankern so den Baum.

[4] Der Harzfluss ist je nach Jahreszeit und Witterung unterschiedlich, Wärme und Feuchtigkeit wirken sich günstig aus. Pro Stamm und Jahr können drei bis vier kg Pech gewonnen werden. Zuerst wird an den Bäumen in einer Höhe von ca. 0,5-2 m im Frühjahr die Borke entfernt; später werden mehrfach im Abstand von einigen Tagen V-förmige Einschnitte in das Splintholz angelegt. So wird der Ausfluss eines Balsams aus schizogenen Exkretgängen in Rinde und Holz in Gang gesetzt, welcher über Rinnen in Auffanggefäße geleitet wird. Das Harz wird dann weiterverarbeitet. Das österreichische Sozialversicherungsrecht kennt bis heute den Beruf des „selbstständigen Pechers“: „Selbständige Pecher, das sind Personen, die, ohne auf Grund eines Dienst- oder Lehrverhältnisses beschäftigt zu sein, durch Gewinnung von Harzprodukten in fremden Wäldern eine saisonmäßig wiederkehrende Erwerbstätigkeit ausüben, sofern sie dieser Erwerbstätigkeit in der Regel ohne Zuhilfenahme familienfremder Arbeitskräfte nachgehen.“ (§ 1 Abs 1 lit f Arbeitslosenversicherungsgesetz).

Siehe auch Ursula Schnabl (2001): Vom Glück mit dem Pech (die traditionelle Nutzung und Gewinnung pflanzlicher Rohstoffe und Arbeitsmaterialien am Beispiel der österreichischen Harzgewinnung) – Diplomarbeit am Institut für Botanik der Universität für Bodenkultur Wien (pdf-Datei; 1,46 MB)

[5] Terpentinöl (umgangssprachlich kurz Terpentin, lat.: Oleum terebinthinae) wird durch Destillation aus dem Balsam Terpentin vor allem von Kiefern (Pinus spp.) gewonnen. Terpentinöl wird beispielsweise als Verdünner und Lösungsmittel für Anstrichmittel (Farbe), aber auch für medizinische Anwendungen eingesetzt. Als preiswertere Alternative (Terpentinersatz) wird heute häufig Testbenzin verwendet.

[6] Kolophonium ist ein gelbes bis braunschwarzes Baumharz mit muscheligem Bruch und Glasglanz. Der Name ist von der lydischen Stadt Kolophon abgeleitet, die als antikes Handelszentrum für Kolophonium gilt. In der Neuzeit erfolgte die Einfuhr überwiegend aus Nordamerika. Es ist ein natürliches Harz, das aus dem Balsam von Kiefern, Fichten und Tannen bzw. dem bei der Papierherstellung gewonnenen Tallöl hergestellt wird. Als Kolophonium werden die festen Bestandteile dieser Baumharze bezeichnet, die nach der Abtrennung der flüchtigen Bestandteile (Terpentinöl) mittels Destillation zurückbleiben. Der Harzanteil beträgt etwa 70 % (restlichen Inhaltsstoffe ca. 20 % Terpentinöl und 10 % Wasser ). Kolophonium ist bräunlich-durchsichtig und splittert im kalten Zustand leicht. Hauptbestandteile sind leicht oxidierende Harzsäuren, wie Abietin- und Pimarsäure. Aufgrund seiner amorphen Struktur besitzt Kolophonium keinen definierten Schmelzpunkt. Die Erweichungstemperatur dieses qualitativ recht unterschiedlichen Naturharzes liegt im Allgemeinen zwischen 80 und 125 °C. Kolophonium kann recht häufig allergische Reaktionen, Asthma auslösen und Ekzeme verursachen. Die Dämpfe von Kolophonium gelten als gesundheitsschädlich. Dennoch ist es auch als aromatisches Räucherwerk geeignet, es wirkt dabei antiseptisch und durchblutungsfördernd. Dazu sollte aber kein Kolophonium benutzt werden, das für technische Anwendungen wie etwa das Löten produziert wurde, denn dieses kann unerwünschte Zusatzstoffe enthalten.
Kolophonium diente früher in der Elektronik-Fertigung als Aktivator und Flussmittel beim Weichlöten, wurde in diesem Anwendungsbereich aber weitgehend durch andere Stoffe ersetzt. Geigenkolophonium (Bogen- oder Geigenharz) ist ein mit diversen Substanzen veredeltes Kolophonium. Die Rosshaare der Bögen von Streichinstrumenten werden damit behandelt, um so Schwingungen der Saiten erregen zu können. Man reibt mit einem Harzstück regelmäßig die Bogenhaare ein. Es gibt verschiedene Qualitäten, die von leichter Spielbarkeit für Anfänger bis zum Künstler-Kolophonium reichen, welches einen größeren Dynamik- und Klangumfang ermöglicht. Tänzer und Gewichtheber benutzen Kolophonium für ihre Schuhe, die dadurch weniger rutschig sind. Teilweise tragen Kletterer Kolophonium auf die Hände auf, um die Haftung auf den Felsen zu verbessern. Üblicherweise wird dazu Magnesia verwendet, dies ist aber in manchen Regionen verboten. Kolophonium wird auch als zerriebener Staub auf Radierplatten aufgestäubt und danach kurz erhitzt. So entsteht ein feines Raster von Kolophonium-Kügelchen, mit deren Hilfe im künstlerischen Tiefdruck flächige Einfärbungen möglich sind. Man nennt diese Technik Aquatinta. Kolophonium wurde zusammen mit weiteren Naturharzen wie Mastix, Kopal, Dammar, Bernstein und Sandarak in Gemischen zur Lackherstellung verwendet. Als Geigenlack wurde es ersetzt, da das Material zu spröde ist und einen wenig widerstandsfähigen Lackfilm erzeugt. In Naturfarben und Holzölen wird es als Sikkativ verwendet. Im Sport, insbesondere im Handball, wird in Alkohol gelöstes Kolophonium als Haftstoff auf den Ball gerieben. Dadurch klebt der Ball regelrecht an der Hand des Sportlers. Dies ist jedoch in vielen Hallen aus Sauberkeitsgründen untersagt. Beim Klettern wird Kolophonium (das dort auch als Pof bezeichnet wird) vor allem im Sandstein als Ersatz oder Ergänzung für Magnesia verwendet. Eine weitere Anwendung findet Kolophonium in der Herstellung pyrotechnischer Zündlichter. Kolophonium wird auch in einigen Klebstoffen verwendet und kann Bestandteil von Baumwachs sein. Mit Alkalien bildet Kolophonium Salze, (sogenannte Harzseifen), die Verwendung als Emulgatoren und zur Leimung von Papier finden. Als Brühpech (auch Metzgerharz, Saupech oder Brühharz) wird es zum Enthaaren von Schweinen und Federvieh verwendet. Das geschlachtete Tier wird damit eingestäubt und mit 70 °C heißem Wasser überbrüht. Durch das Harz können die Haare besser abgeschabt werden. Kolophonium wird auch noch als Füllmittel beim Einrollen von Alu-Hohlprofilen verwendet, um die beim Einrollen entstehenden Materialstauchungsfalten am Innenradius und den Dehnungseindellungen am Außenradius gering bis vollständig (abhängig vom Rollradius) zu vermeiden. Erwärmt und aufgelöst in einem nichttrocknenden Öl wie Olivenöl lässt sich aus Kolophonium ein Leimring für Bäume herstellen, der ganzjährig auf der Borke verbleiben und jederzeit erneuert werden kann. Der Ring bleibt klebrig und verhindert den Befall des Baumes mit kriechenden und laufenden Insekten, etwa Ameisen.

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