Marktbreit (Unterfranken) – Feldnotizen, 16.06.2011

17 Jun

Marktbreit (KT, 97340, 191 m ü. NN): Kleines Städtchen am Main (ca. 3500 Einw.), Bereich Maindreieck, zwischen Kitzingen und Ochsenfurt.

Geparkt in der Mainstraße, dort schon ein paar fotogene Häuser. Mainstraße ist nicht Teil der Altstadt, sondern Stadterweiterung aus dem 19. Jh.

Vor dem Stadttor Gasthaus „ Zum Goldenen Schiff“ (erbaut 1568, eines der ältesten Häuser Marktbreits, ehemals Gasthaus der Flößer, Schiffer und Fischer).

Brauchbare Tourist-Information, kleiner Stadtplan mit eingezeichneten Sehenswürdigkeiten.

Durch das Maintor über den Breitbach in die Innenstadt, Rathaus im Stil der Spät-Renaissance, gegenüber ein Kebap-Imbiss.

Marktplatz: Hotel Löwen, angeblich das zweitälteste Gasthaus in Bayern, Ursprung 15. Jh.; mit Zierfachwerk aus dem 18. Jh., kleiner, netter Biergarten in der Ochsenfurter Straße.

Im Löwen und im Rathaus traf sich im Frühling 1949 die Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ (auf Einladung von Hans Werner Richter); berichtet wird, dass sie vom Frankenwein ziemlich betrunken waren und die Stimmung aggressiv. Wegen dieses Treffens findet Marktbreit Erwähnung in dem Buch „Spaziergänge durch das Franken der Literaten und Künstler“, Thomas Kraft & Klaus Gasseleder, Arche Literatur-Verlag, Zürich, Hamburg, 2008.

Die Ochsenfurter Straße entlang zu gehen brachte mir nicht so viel, es sei denn man möchte zum Geburtshaus des Neurologen Dr. Alois Alzheimer (1864-1915). Hat mich nicht interessiert, deshalb durch die Straße Am Graben zurück Richtung Maintor. Dort der Schwarze Turm, ein Rundturm der Stadtbefestigung, baulich mit dem Rathaus verbunden. Über einen Steg den Breitbach überquert und noch einmal durch das Maintor. Das Maintor ist das einzig erhaltene Tor der Stadtbefestigung, erhalten sind noch weitere Türme der Stadtbefestigung und Teile der Stadtmauer.

Um den Marktplatz herum barocke Handelshäuser, einstiger Wohlstand im 17. und 18. Jh., der zurückgeht auf die Politik und die gewährten Rechte durch den Fürsten von Schwarzenberg. → Marktbreit als Handelsknotenpunkt.

Mittelpunkt der Altstadt: Schlossplatz mit dem Seinsheimschen Schloss (erbaut 1580, mit schöner gelber Renaissancefassade). Auf dem Platz davor die Tische des Cafes/Gaststätte Schloss Marktbreit, sehr gut besucht.

Wende mich nach links in die Pfarrgasse zur evangelischen St. Nikolai-Kirche. Kleiner Kirchenführer mit den Sehenswürdigkeiten: Im Chorraum ein Sakramentshäuschen aus Sandstein um 1400, ein achteckiger Taufstein von 1569 und die sog. fünf Seinsheimer Epitaphien aus dem 16. Jh.; im Langhaus die Tafelmalereien aus dem Alten und Neuen Testament (Armenbibel) an den Emporen. Das Kircheninnere wirkt alt und vergilbt, dazu trägt die Decke bei, die aussieht als bestünde sie aus einer Deckenverkleidung der 1950er Jahre. Hat sich gelohnt (in Franken gibt es sonderbare Kirchen).

Die Bahnhofstraße hoch zum Friedhof (außerhalb der Stadtmauer): ebenfalls eine Sehenswürdigkeit, u.a. wegen einer Arkadenanlage mit alten Epitaphien.

Anschließend geschlendert durch die stellenweise engen, krummen Gassen entlang der Stadtmauer. In der Fleischmannstraße 9 Wohnhaus von Leo Weismantel, ein Reformpädagoge dessen 1928 in Marktbreit gegründeter Kreis („Schule der Volkschaft“) 1936 von den Nazis verboten wurde.

Marktbreit ist recht hübsch und interessant, es gibt alte Häuser und neue Häuser mit den typischen Außenbalkonen, keinesfalls durchsaniert. Das Stadelmann-Haus (erbaut 1603, befundgetreu restauriert 1984) mit dem Fachwerk-Obergeschoss sieht aber aus wie lackiert. Ob die Farben damals so einen Sättigungsgrad und Glanz gehabt haben? Denkmalpreis der Hypo Kulturstiftung 1988.

Abseits der Achse Marktplatz Marktstraße, Schlossplatz, Bahnhofstraße einige Einzelhandels-Leerstände (aber wenig fotogen). Einzelhandel macht sowieso einen etwas verarmten Eindruck; nebenbei aufgefallen sind mir nur ein paar Galerien, zwei Bäckereien und zwei Kebap-Imbissstuben

In der Schustergasse die Gaststätte zur Hölle (mit einem schönen Schild); zurück zum Marktplatz, Maintor und dann nach rechts in die Bachgasse.

Dort Malerwinkel, dafür ist Marktbreit bekannt: Blick auf das Maintor und auf das Fachwerkhäuser-Ensemble über dem Breitbach (Foto) . Pittoresk.

Direkt gegenüber ein Leerstand, das ehemalige Cafè Malerwinkel (Foto):

 

Museum Malerwinkelhaus nicht besucht – könnte aber was sein: zwei Dauerausstellungen Römerkabinett (in Marktbreit gab es auf dem Kapellenberg es zur Zeit des Kaisers Augustus ein Römerlager) und „Frauen-Zimmer – Lebensstationen in einer fränkischen Kleinstadt“ sowie ein begehbarer Kinderkaufladen aus den 1920er Jahren.

An der Kapellensteige noch das Brauhaus Marktbreit (sieht etwas verwahrlost aus).

Auf der anderen Seite der Mainstraße und der B47 am Mainufer steht noch ein alter Tretradkran (Technikdenkmal, erbaut 1784 durch Fürst Johann I. zu Schwarzenberg und das Lagerhaus (erbaut 1745 als „Schwarzenberger Lagerhaus“, 1945 zerstört, wiederaufgebaut, heute als Stadthalle genutzt). Blick auf die neue Brücke nach Segnitz

Marktbreit kann vorgeführt werden, rockt, ein Besuch lohnt sich; 26 Fotos gemacht.

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