40 Jahre Tatort-Abende

2 Dez

Tatort wird 40 Jahre alt! Herzlichen Glückwunsch auch von uns.
– Ich habe auch Geburtstag gehabt, und meine Schwester schenkte mir ein paar aktuelle Artikel aus Magazinen und Zeitungen über die beliebteste Krimi Serie Deutschlands. Ja, ch schaue regelmäßig Tatort, fast immer, außer wenn ich mich nicht zu Hause aufhalte. Polizeiruf schaue ich auch, aber Tatort finde ich doch besser.
Ich schaue aber nur zu, passiv, und eigentlich ist es mir ziemlich egal, welcher Kommissar oder welche Kommissarin dran ist. Die Schelmenstücke der Münsteraner sind in der Tat unterhaltsam, die Ludwigshafen/Mannheim-Tatorts mit Lena Odenthal finde ich toll, und die Frankfurt-Tatorts sowieso – egal mit welchem Kommissaren-Team. Ich bin kein TV-Kriminalist, ich würde weder Tatort-Bücher lesen, noch ein Tatort-Gesellschafts-Spiel spielen; ich bin kein Mitglied einer Tatort-AG und ich diskutiere auch nicht in den Internet-Foren mit über die Kommissare, deren Fälle oder was auch immer.
Auch diese Tatort-Abende in Kneipen, die recht verbreitet angeboten werden, kommen für mich nicht in Frage. Der Fernsehgenuss findet in der Regel nur im engsten Kreis statt. Tatort ist für mich also kein gemeinschaftliches Event, sondern eher ein Stück private Mikro-Gemütlichkeit. Biedermeier? – Ja. Tatort als das zeitgenössische, in das Abendprogramm verlegte Pendant des 20. Jahrhunderts zu Carl Spitzweg’s „Der Sonntagsspaziergang“. Mehr als 8 Millionen Zuschauer im Durchschnitt können sich nicht irren. Jede Tatort-Folge ist ein ganzheitliches TV-Kunstwerk mit außerordentlichem Rezipientenbewusstsein. Allein schon die Sendezeit: Sonntagabend, 20.15 Uhr nach den Nachrichten. Nennen Sie mir eine bessere Alternative zum Ausklang des Wochenendes als Tatort und, das ist jetzt außerordentlich wichtig: mit Pizza und einem Italienischen Salat. In diesen periodischen Hier-und-Jetzt-Eineinhalb-Stunden hat der Fernsehapparat seinen eigentlichen Sinn gefunden. Das säkulare Abendmahl im Wohnzimmer, ein Sender und ein Sendeplatz. Dann darf das Fernsehen wahres Medium sein, zwischen dem Sonntagabend und dem Montagmorgen. Der Tatort ist der raum- (wohnzimmer)erfüllende Filmstoff der zwischen dem Sonntag und dem Montag vermittelt, in den wir als Wochenendindividuen eintauchen und anschließend als Werktagsindividuen zu Bett gehen. (Deshalb funktionieren die zahllosen, fast täglichen Wiederholungen in den dritten Programmen auch nicht so gut.)

Am vergangenen Sonntag gab es zum Jubiläum den Einstand von Ulrich Tukur als Kommissar aus Wiesbaden. – Soll ich das jetzt bewerten, Sternchen vergeben? Gut war’s – wie immer.

Ich bin also wirklich kein Tatort-Aficionado, aber es bietet sich ja ohnehin meistens an, also wenn es denn geht, muss es sein. Sonntagabend: Tatort mit Pizza und Salat…. „Gibt es heute Abend eigentlich Tatort?“ – „Ja, sogar aus Frankfurt.“ Allein schon diese Regionalisierung, Spiegelbild, Symbol für das politische System Deutschlands.
Wenn ich ein ausländischer Studierender wäre, z.B. der German Cultural Studies o.ä,, würde ich meine Bachelor- oder Master-Thesis über Tatort schreiben. Hans Magnus Enzensberger (zit. im Stern 46/2010, S. 164) sagte einmal „’Tatort’ ist Landeskunde, Ethnologie und Alltagsgeschichte der Republik.“

Mehr Informationen in bei tatort-fundus.de, bei Tatort-News.com (Das Weblog zu Deutschlands erfolgreichster Krimireihe) sowie Das Erste.de: Tatort.

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