The Road, Film

18 Nov

Die Helden in Road-Movies haben meist ein mehr oder weniger bestimmtes Ziel vor Augen und zum Ende ihrer Suchreise, auch wenn sie in den Tod fahren, finden sie sich irgendwie selbst wieder, wenn auch anders. In The Road (Regie John Hillcoat, nach der gleichnamigen Romanvorlage von Cormac McCarthy, 2006) haben der Vater und sein ca. 8-jähriger Sohn vor allem Hunger, Schuhe, Kleidung und eine Pistole mit zwei Kugeln darin. Der Zuschauer muss nicht besonders gut sehen können, um festzustellen, dass das Grauen dieser postapokalyptischen Landschaft vollkommen ist. Diese schwarzen Bäume werden kein Laub mehr tragen; in dem grauen Ascheboden wird nichts mehr wachsen, die Städte für immer unbewohnt, voller Trümmer und Schutt. Das Wasser der Flüsse fließt wohl noch zum Meer, das Leben scheint aber völlig ausgelöscht zu sein, keine Fische, Vögel, Kleinsäuger oder Insekten. Ein kleiner brauner Käfer – ein Atavismus aus einer vergangenen Epoche, der davonfliegt, bevor man ihn verspeisen kann. In dieser Welt haben nicht Ratten oder Schaben überlebt, sondern ein Rest von Menschen. Gott? Hat sich längst abgewandt. Hoffnung? Wenn man anfängt schöne Träume zu haben, nähert sich der Tod.
Sie werden auch nicht zu sich selbst finden oder irgendwie geläutert oder belohnt da rauskommen. Der Vater versucht noch, weiterhin zu den Guten zu gehören (seinem Sohn, oder einem vielleicht noch möglichem, neuem Gott zuliebe?). Im Wesentlichen heißt das, keine anderen Menschen zu essen. Grundsätzlich sollte man aber anderen misstrauen, nicht Teilen, was man hat, denn dann hat man in der nahen Zukunft weniger, und da keine Aussicht auf Besserung besteht… Besser man würde sie töten – wenn man denn genug Munition hätte. Du solltest dich von der Straße fernhalten.
An der Küste, am Meer, dem Ziel ihrer „Reise“ ist es so grau und öde, wie anderswo, die farbige Straßenkarte, der blau gezeichnete Ozean ein verlogenes Trugbild. Nun stirbt der Vater, aber das Bedrückende daran ist nicht das Unvermeidliche, sondern, dass er sich es im letzten Moment anders überlegt hat. Mit der letzten Kugel im Revolver hätte er seinen Sohn mitnehmen können, er lässt ihn jedoch überleben. Vielleicht gibt es doch noch Inseln, kleine familienartige Verbände, die keine Menschen essen und ein Feuer im Inneren bewahren.

The Road, 2009, Regie Hohn Hillcoat, Drehbuch Joe Penhall,
mit Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee, 2929 Productions
Musik von Nick Cave und Warren Ellis
17. November 2010 im Casablanca-Kino, Ochsenfurt

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