Im Zoo

27 Mrz

Nach Baratay & Hardouin-Fugier (2002: 13) hilft ein „Gang entlang der Tierkäfige eines Zoos, die Gesellschaft zu verstehen, die diese errichtet hat“ [1].

Dieses Bonmot ist zweifellos auch für den Flaneur interessant. Der berühmte Berliner Flaneur Franz Hessel ging in den Zoo. Er tat es weniger um die Tiere zu studieren, als sich über deren eigeneartige Behausungen zu wundern. Der berühmte Fotograf, Garry Winogrand (1928-1984), ein Meister der Street-Photography machte eine Serie von Aufnahmen aus dem Zoo („Animals“). Die Vielleicht kennen Sie weiter die Fotografien von Candida Höfer oder die von Britta Jaschinski, die uns über die ontologische Frage nach den Zootieren zu kritischen Gedanken über unser Verhältnis zu Tieren provozieren.
Ich gehe auch gerne in Zoos. Ich kann dort bevorzugt über die Frage nachdenken, was Zootiere sind (einfach nur eingesperrte Wildtiere, oder Kulturfiguren, Cyborg-Wesen?) und mir Gedanken machen über unser Verhältnis zu Tieren und allgemein zur Natur.

Baratay & & Hardouin-Fugier (2002: 13) zeigen, dass die Geschichte des „Mikrokosmos“ Zoo „parallel verbunden ist mit der Geschichte des Kolonialismus, des Eurozentrismus, des Exotismus und mit Phänomenen von Gewalt einerseits und Moral andererseits, mit Prozessen der Zivilisierung des Menschen, der Entstehung von Kultur- und Gedenkstätten (z.B. Museen) sowie mit der Entwicklung der Freizeitaktivitäten“ (ebd., S. 13).
Zoologische (wie auch Botanische Gärten) bieten demnach ideale Voraussetzungen, verschiedene Aspekte des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur in seiner Komplexität, mit seinen Wechselwirkungen, Widersprüchen und Entwicklungen zu erforschen. Die Ambivalenz zwischen Ausbeutung der Natur und deren Schutz bzw. Erhaltung durch menschliche Gesellschaften kommt gerade auch in den Zoologischen Gärten zum Ausdruck.

In dem Online-Magazin einseitig.info erscheint zur Zeit in mehreren Teilen ein Interview mit mir zum Thema Zoo-Praxen: Teil 1 hier >>, Teil 2 hier >> und Teil 3 kommt in Kürze. Die Ausführungen darin gehen letztlich auf ein Forschungsprojekt zurück, welches ich vor einigen Jahren zur Förderung beantragt hatte, was aber abgelehnt wurde. Das Thema hat mich dennoch nicht mehr losgelassen.

[1] Baratay, E. & E. Hardouin-Fugier (2000): Zoo. Von der Menagerie zum Tierpark. – Wagenbach Verlag, Berlin. Die in England bei Reaktion Books erschienene Ausgabe ist deutlich besser und schöner bebildert: Zoo. A History of Zoological Gardens in the West, London 2002.

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