Autoerotik in der Vorhölle – am Strand.

8 Okt

Sol y Playa’ – das ist und bleibt das herrschende Paradigma des Massentourismus. Wenn wir eine autoerotische Dimension des Sonnenbadens bedenken, dann wird schnell klar, warum das Mitanpacken bei der Olivenernte niemals die Attraktivität des ausgedehnten Sonnenbadens am Strand verdrängen kann. Zunächst einmal die Sonne, die pure Sonne und der regungslose Körper (nicht die Sonne über der Ölbaumplantage, die auf die Landarbeiter hinabscheint) auf einem Handtuch an einem Sandstrand (mit dem Meer in unmittelbarer Nähe). Diese Sonne am Strand repräsentiert die erste, die elementare Qual. Aus dem Schutz der Gebärmutter wird der Neugeborene in das gleißende Licht verstoßen. Es beginnt die Lust und die Qual des Daseins. Sich einen ganzen Tag lang und mehrere Tage hintereinander passiv an einem Strand in der Sonne aufzuhalten ist eigentlich eine Quälerei, die von denen, die es immer wieder praktizieren, als eine wohltuende Lust empfunden wird, die masochistische Elemente hat. Die Autoerotik des Sonnenbadens hat aber auch eine seduktiv-sadistische Dimension: „Wenn ich bzw. wir das machen, den ganzen Tag einfach so in der prallen Sonne liegen, dann kannst du das auch. Komm zieh dich aus und leg dich hin; versuch nicht an die Hitze und die UV-Strahlung zu denken; am Abend wirst du dich gut fühlen – und nach dem Urlaub wird jeder deine braungebrannte Haut bewundern.“ SonnenbaderInnen freuen sich auch daran, oder fühlen sich zumindest in ihrem Tun bestätigt, wenn andere in der Sonne offensichtlich mehr leiden, als man selbst, oder gar einen kräftigen Sonnenbrand abbekommen haben. „Der macht was falsch, aber ich mach alles richtig.“ Eine exhibitionistische Komponente spielt, genauso wenig wie in der Sauna, keine Rolle (vielleicht an FKK-Stränden). Wenn es so wäre, müssten sich die meisten Sonnenanbeter schämen – wegen ihrer Figur, ihrer Statur, ihrer Fettleibigkeit, wegen ihrer schlechten Tätowierungen usw.. Man stellt sich aber nicht im Kollektiv zur Schau, sondern man teilt in der Masse seine autoerotischen Lustgefühle im quälenden Sonnenbad. Der Unterschied zur Sauna ist, dass niemand eine zwei Wochen langen Sauna-Pauschalurlaub buchen würde, ja nicht einmal einen ganzen Tag für Saunagänge veranschlagen würde.
Damit sind wir wieder bei der Sonne, die auf den Strand hinabbrennt – Helios, das Zentralgestirn unseres Sonnensystems, eine Oberflächentemperatur von 5.778 K (Spektralklasse G2, Leuchtkraftklasse V), von ihm stammen fast 100% des gesamten Energiebeitrags zum Erdklima. Ein Gelber Zwerg, der eigentlich nur aus Wasserstoff und Helium beseht, aber eine Korona hat, sog. Sonnenwinde entweichen lässt, Protuberanzen bilden kann, rotiert und sogar pulsiert. Schauen sie sich das astronomische Zeichen der Sonne an, und Sie werden verstehen können:

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