Fürther Freiheit

7 Dez

Die Fürther Freiheit ist ein rechteckiger, großer Platz in Fürth (Bayern). In seiner Form geht er auf die Nazis zurück, die 1938 einen Aufmarschplatz haben wollten. Das ist nicht weiter überraschend, war doch das der Stadt Fürth direkt benachbarte viel größere Nürnberg eine Lieblingsstadt Adolf Hitlers. Nürnberg war die Stadt der Reichsparteitage, und dort wurden die Nürnberger Gesetze verabschiedet. In Nürnberg wirkte einer der schlimmsten Nazi-Teufel, der Frankenführer Julius Streicher, ein persönlicher Freund Hitlers.

Noch früher endete auf der Fürther Freiheit die Bayerische Ludwigsbahn. Diese erste deutsche Eisenbahn fuhr seit 1835 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit vom Plärrer in Nürnberg entlang der Fürther Straße über die heutige Hornschuchpromenade und Königswarterstraße in Fürth bis zum damaligen Bahnhof. Dieser wurde 1938 von den Nazis abgerissen, wodurch der Platz entstand, der heute Fürther Freiheit heißt. Er ist einer der lebendigsten Plätze der Stadt. In den umliegenden Gebäuden sind Kaufhäuser, andere Geschäfte sowie Gastronomie untergebracht.

An diese frühe Epoche der Eisenbahn erinnert kaum noch etwas. Ein Viertel des Platzes ist heute, an einem Freitag im Dezember, von einem Weihnachtsmarkt eingenommen. Die Buden sind so angeordnet, dass der Weg in einer Schlangenlinie zwischen ihnen hindurchführt. Hinter jeder Biegung folgt ein weiterer Bratwurst-Imbiss (die Auswahl ist verführerisch groß), ein weiterer Glühweinstand (die Auswahl ist berauschend) und Stände mit Geschenk- und Dekorationsartikeln, sowie Losbuden. Plötzlich ein Stall mit echten Schafen, und dann die Best-Western-Bahn für die Kinder, die damit ein paar Runden durch eine farbig beleuchtete Weihnachtsdekorations-Kunstlandschaft fahren. Ich muss an die Ludwigsbahn denken mit der Dampflokomotive Adler, die sie gezogen hat.

Dann fällt mir auf, dass für einen Freitagabend ja eigentlich gar nicht so viel los ist auf diesem Weihnachtsmarkt. In Nürnberg findet der weltberühmte Christkindlmarkt statt. Angesichts der Tatsache, dass dort jedes Jahr über zwei Millionen Besucher gezählt werden, bin ich froh hier in Fürth zu sein, geradezu erleichtert und hole mir noch einen Glühwein. Auf einer kleinen Bühne singt der Seemannschor Nürnberg. Ich weiß nicht, was ich als ungereimter bezeichnen soll: ein Seemannschor aus Nürnberg, oder die Tatsache, dass ein Nürnberger Seemannschor auf dem Weihnachtsmarkt auf der Großen – Entschuldigung – Fürther Freiheit in Fürth auftritt.

seemannschornurnberg

Die Fürther Freiheit ist zweifellos das Gateway der Stadt: er liegt in der unmittelbaren Nähe des Hauptbahnhofs. Von ihm geht man die die Fußgängerzone (Rudolfstraße, Schwabacher Straße) und in die Altstadt. Vorn dort kommend streife ich den Platz, um über Friedrichstraße und Schwabacher Straße unter den Gleisanlagen hindurch in die Südstadt zu gelangen. Über die Nürnberg Straße komme ich wieder zur Fürther Freiheit zurück. Auch im Bereich der Nürnberger Straße, an der Hornschuchpromenade und Königswarter Straße erinnert nur noch die Breite der Straße und die repräsentative Ausgestaltung der Häuserfassaden an die einstige Ludwigsbahn. Unterirdisch verläuft hier heute die U-Bahn – Fürth ist über die Linie U1 an das Nürnberger U-Bahn-Netz angeschlossen.

In der Nähe der Fürther Freiheit, in der Nürnberger Straße 3, befindet sich ein sehr gutes Programmkino, das Babylon, mit einer sehr gemütlichen und beliebten Cafébar. Ein Mann versicherte mir, dass das Babylon einer der besten Kneipen der Stadt ist.

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