Die Künstlerin Laura Almarcegui fährt mit dem Fahrrad durch Frankfurt und sucht Wastelands und Leerstand

29 Okt

Zur Zeit streunert eine spanische Künstlerin durch Frankfurt. Die 1972 in Zaragoza geborene, derzeit in Rotterdam lebende Laura Almarcegui ist mit dem Fahrrad unterwegs und sucht bestimmte Orte. Wastelands – städtische Brachflächen, zum Abriss bestimmte Gebäude, Gebäude, die leerstehen. Solche Orte gebe es meist in der Nähe von Häfen, Bahngleisen oder gerade renovierten Vierteln. Ja, der Umbau zu einer Dienstleistungsmetropole geht einher mit Prozessen der Deindustrialisierung. Aber der Zwang zur ständigen Modernisierung und Neubebauung einer bereits etablierten Dienstleistungsmetropole lässt auch bestehende Bürogebäude dem Leerstand anheimfallen, in Frankfurt z.B. in Niederrad.
Die Brachfläche am Osthafen in der Nähe der Großmarkthalle, an der Deutschherrnbrücke und der Honsellbrücke, ist ein Produkt der Deindustrialisierung und fast schon als populär zu bezeichnen. Ein beliebter Ort für kleine Spaziergänge – nicht nur für die Bewohner des neuen, benachbarten Wohnviertels in der Eckhardtstraße und der Oskar von Miller-Straße. In diesem Gebiet hatte schon der Spaziergangswissenschaftler Bertram Weisshaar einen Spaziergang (siehe hier →→) durchgeführt, mit dem letztlich gezeigt wurde, dass der Frankfurter Grüngürtel hier keine ‚Landschaftslücke“ aufweist, sondern eigentlich durch diese Brachfläche bereits geschlossen ist. Brachflächen sind halt Baulücken, aber keine „Landschaftslücken“ In der Tat liegen die die Lücken im Frankfurter Grüngürtel ganz woanders.

Laura Almarcegui ist eine Verteidigerin dieser ungenutzten, urbanen Flächen, dieser undefinierten, verwilderten, verwahrlosten Orte. Sei seien das Gegenteil des von Stadtplanern erdachten Raumes, in dem alles eine Funktion habe, sich alles so schön zusammenfüge. Das Brachland passe nirgendwo hin, deshalb ist es für sie interessant. Es sei ein Stück Freiheit. Mit dieser Einstellung beginnen ihre außergewöhnlichen Kunstprojekte. Laura Almarcegui ist Gast des „Deutsche Börse Residency Programm„; für vier Wochen wohnt sie in der Stadt. Am Mittwoch, 5. November stellt sie im Frankfurter Kunstverein einige ihrer Projekte aus anderen Städten vor.

Quelle: „Brachland der Freiheit“ von Katharina Deschka-Hoeck, In Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 251, vom 27.10.2008, S. B 3.

Weitere Informationen über Laura Almarcegui im walking exhange (The WALKING EXCHANGE is an online discussion that parallels the WALKING AS KNOWING AS MAKING symposium.)

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