Archiv | September, 2008

Auf der Suche nach dem Landschaftsbegriff in der Spaziergangswissenschaft (unter dem Eindruck der Lektüre eines Aufsatzes von Gerhard Hard)

26 Sep

In der Spaziergangswissenschaft (Promenadologie) ist die Rede von den den Landschaftsbildern im Kopf, gehäuft im Umfeld und während des Kongresses „Gut zu Fuß. Die Spaziergangswissenschaft (12. und 13.09.2008 in Frankfurt/Main), so z.B. Bertram Weisshaar: Landschaft sei ein Konstrukt im Kopf, das der Mensch zusammenbaut aus Bildern und Vorstellungen aus Literatur, Reiseprospekten, Fernsehen („Landschaftsplanung per pedes“, Presseinformation der Stadt Frankfurt vom 26.08.2008 zum Kongress „Gut zu Fuß“, von Sandra Busch → hier). Das hat er freilich schon von Lucius Burckhardt, dem Begründer der Promenadologie, gelernt (Quelle für dieses Zitat ist das Programm zur erwähnten Tagung):

Die Grundregel also lautet: ‚Die Landschaft ist ein Konstrukt’. Und mit diesem schrecklichen Wort soll nichts anderes gesagt sein, als dass die Landschaft nicht in den Erscheinungen der Umwelt zu suchen ist, sondern in den Köpfen der Betrachter.

Auch wenn ich gar nicht genau weiß, was mit der Bezeichnung ‚Landschaft‚ in der Spaziergangswissenschaft gemeint ist, nehme ich an, dass sie mit der Landschaftsplanung einen komplexen, schillernden und kaum eindeutig fassbaren und definierbaren Begriff von Landschaft teilt.

Als Geograph hat man auch eine gewisse Erfahrung mit dem Landschaftsbegriff. Diese kann aber nicht so ausgedrückt werden, als wisse man genau, um was es sich handelt, wenn von Landschaft die Rede ist. Viel eher reagiert man auf die Verwendung des Begriffes Landschaft zuerst mit einem starken Stirnrunzeln, denn die Erfahrungen mit ‚Landschaft’ sind eher gekennzeichnet durch eine intensive intellektuelle Verunsicherung. An dieser Verunsicherung haben die Veröffentlichungen des Geographen Gerhard Hard großen Anteil. Im Folgenden konzentriere ich mich auf: Hard, G. (2008): Der Spatial Turn, von der Geographie her beobachtet. In: Döring, J. & T. Thielmann (Hrsg.): Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften. transcript Verlag, Bielefeld, S. 263-315. Zu empfehlen ist aber auch: Hard, G. (2002): Landschaft und Raum. Aufsätze zur Theorie der Geographie Band 1. Universitätsverlag Rasch, Osnabrück (= Osnabrücker Studien zur Geographie 22). Ich möchte auch erwähnen, dass ich Hard’s Ausführungen nicht so leicht paraphrasieren kann und allzu häufig geneigt bin, ihn wörtlich zu zitieren. Es ist eben Hard-Ware.

Für Hard steht das Konzept Landschaft in unmittelbarem Zusammenhang mit einem klassischen Ritter’schen „altgeographischen Raum“ (siehe ebd., S. 268). Es ist eine „Zuspitzung des weitläufigen Mensch-Raum- bzw. Mensch-Natur-Paradigmas zur ‚Morphogenese der Kulturlandschaft’ (aus der Naturlandschaft heraus)„, und gleichzeitig eine „sehr viel durchgreifendere Weltkomplexitätsreduktionsidee“. Eine Idee, die vor allem im deutschen Sprachraum große „Durchschlagskraft und Zählebigkeit“ gehabt hat (S. 279). Der Hauptgrund für diese Attraktivität sind die Konnotationen des Begriffes Landschaft:

Aufgrund seiner bildungssprachlichen Konnotationen von Anschaulichkeit, Struktur, Ordnung, Synthese, Harmonie, Ganzheit und Totalität, Kultur und Geschichtlichkeit konnte Landschaft geradezu als eine prägnante Visualisierung, ja eine Ikone der klassischen Geographie gelesen werden: als die anschaulich gewordene Totalität und Synthese von Natur und Kultur, Geschichte und Gegenwart“ (S. 279).

Weiterlesen

Burg Lichtenberg (near Kusel, Rhineland-Palatinate)

24 Sep

The Castle Lichtenberg is located near Thallichtenberg in the district of Kusel in Rhineland-Palatinate.
It was built around 1200 and was owned since then by the counts of Veldenz and by the dukes of Palatinate-Zweibrücken. With a length of 425 m it is the biggest castle ruin of Germany.
The castle was never conquered or destroyed by assaults. It was strongly damaged by a large fire on 26 October 1799.

Literaturliste zur Spaziergangswissenschaft

24 Sep

Hier eine Literaturliste zur Spaziergangswissenschaft (Promenadologie), vom Kongress Gut zu Fuss. Die Spaziergangswissenschaft (12. und 13.09.2008, Frankfurt/Main)

Zuallererst sind Bücher von Lucius Burckhardt zu nennen , dem Begründer der Spaziergangswissenschaft:

Siehe auch das Gespräch zwischen Hans Ulrich Obrist und Annemarie & Lucius Burckhardt zum Thema Spaziergangswissenschaften bei kunstaspekte.de.

Im Programm der Tagung finden sich darüber hinaus folgenden Literaturhinweise: Weiterlesen

Atomium, Brüssel

23 Sep

The Atomium is a monument built for the Expo ’58 ( Brussels World’s Fair 1958). Designed by André Waterkeyn, it is 102-metres tall, with nine steel spheres connected by tubes. Tubes which connect the spheres along the 12 edges of the cube and all eight vertices to the centre enclose escalators connecting the spheres which contain exhibit halls and other public spaces. The top sphere provides a panoramic view of Brussels.

Atomium Website >>>

Stalking und die Promenadologie

22 Sep

Das englische Wort ‚to stalk‚ bedeutet ursprünglich „jagen, hetzen, steif gehen, stolzieren“ (aus dem Gälischen „stalc“ oder dem Substantiv „stalcaire“ = Jäger, Falkner). Im Englischen bedeutet to stalk: 1. heranpirschen, jagen; daraus: 2. verfolgen; 3. steif dahergehen, staken; weiterhin: 4. umgehen (Krankheiten, Geister). „Stalking“ bedeutet in der deutschen Sprache „Nachstellen, Verfolgen“. Gemeint ist das willentliche und wiederholte (beharrliche) Verfolgen oder Belästigen einer Person verstanden, deren physische oder psychische Unversehrtheit dadurch unmittelbar, mittelbar oder langfristig bedroht und geschädigt werden kann. Wie ein „guter“ Jäger sammelt ein Stalker alle Informationen über sein Opfer, um es zu jeder Zeit stellen zu können. (Quelle: Wikipedia).

Lorenzo Romito ist ein sogenannter Stalker, Gründungsmitglied und Präsident der kulturellen Verbindung „Stalker – laboratory of urban art and researches in territory“ (seit 1995). Seit 2001 ist er Koordinator des internationalen Netzwerks ON/Osservatorio Nomade und des ON-Projekts ‚Egnatia – A path of displaced memories’. Seine Forschungen sind angesiedelt zwischen Kunst, Architektur, urbanen, sozialen und Umweltstudien. Wahrnehmungsebenen und die Herstellung menschlicher Beziehungen scheinen eine große Rolle in seiner Arbeit zu spielen.
Was ist ein Stalker (aus der Sicht der Spaziergangswissenschaft)? Informationen darüber finden wir im Manifesto des Stalkerlab:

“STALKER – Is a collective subject that engages research and actions within the landscape with particular attention to the areas around the city’s margins and forgotten urban space, and abandoned areas or regions under transformation. These investigations are conducted across several levels, around notions of practicality, representations and interventions on these spaces that are referred to here as ‘Actual Territories’. Stalker is together custodian, guide and artist for these ‘Actual Territories’ […]”

[das Manifesto weiterlesen →→→]

Spaziergänge aus Sicht der Promenadologie

22 Sep

Im Frankfurter Grüngürtel werden naturkundliche, ungewöhnliche, literarische, sportliche Spaziergänge angeboten und solche mit anderen Fortbewegungsmitteln (z.B. mit Flößen auf der Nidda).

Nun, Spaziergänge durch den Frankfurter Grüngürtel sind wohl eher als klassisch zu bezeichnen.
Boris Sieverts leitet das Büro für Städtereisen in Köln. Örtlichkeiten, die auf englische Landschaftsgärten verweisen, scheint er aber nicht im Programm zu haben:

„Das Büro für Städtereisen veranstaltet ein- und mehrtägige Wanderungen und Radtouren zu den wahrhaftigen Orten unserer Ballungsgebiete; in jene Weiten zwischen den zu Corporate Identities schrumpfenden Innenstädten und den etablierten Ausflugslandschaften. Diese Reisen verknüpfen Brachflächen und Siedlungen aller Art, Parkplätze, Abrißszenarien, Baggerseen, Wälder, Wiesen, Gärten, Autobahnen, Schulen, Häfen, Asylantenheime, Gleistrassen, Manöverplätze, Gewerbegebiete, Flughäfen, Tunnel, Sackgassen, Trampelpfade, Flußauen, Deponien und vieles mehr zu wunderschönen bis krassen Raumfolgen. Sie eröffnen neue Landschaften, wo vorher Transitraum war und Welten, wo das Ende der Welt vor der eigenen Haustür beginnt. Ein gelungener Weg führt einen unmerklich aus dem eigenen Kulturkreis hinaus. Das Image der Stadt wird bis zur Unkenntlichkeit relativiert. Die alte Orientierung an Bauwerken und Verkehrswegen löst sich auf.“

Boris Sieverts versuchte in seinem Vortrag (Werkbericht: Google Earth Lecture 9) auf dem Internationalen Kongress „Gut zu Fuß. Die Spaziergangswissenschaft (in Frankfurt/Main am 12. und 13.09.2008) darzustellen, welche Methodik er der Entwicklung seiner Spaziergänge zugrunde legt. Er versuchte die Frage nach den Techniken oder Logarithmen zu beantworten. Wichtig sind zum einen die sog. Recherchewege, die als Grundlage dienen, als Vorarbeit für die endgültigen Touren. Grundlegendes Problem sei, dass das Material entlang der Wege begrenzt ist. Dennoch müssten die Schritte logisch aber auch überraschend zugleich aufeinander folgen. Ziel ist es, die Gegend zum Sprechen oder zum Klingen zu bringen. Hilfreich sind Linien, Windungen und Richtungswechsel. Spaziergänge gliedern ein Territorium in psychogeographische Einheiten; es finden also Eintritte und Austritte statt, und die Einheiten werden während des Spaziergangs miteinander verkettet.
Dass für die Recherchewege, wie auch für die Nachbereitung von Spaziergängen Luftbildern und eben auch Google Earth oder Google Maps überaus hilfreich sind, liegt auf der Hand.
Weiterlesen

GrünGürtel Frankfurt/Main und der Verlust des promenadologischen Kontextes

19 Sep

Der Spaziergangswissenschaftler Martin Schmitz erwähnt in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung („Warum spazieren wir so wenig, Herr Schmitz?„, Nr. 82, vom 07.04.2007, S. Z 6), dass es Städte gibt, die ihren „promenadologischen Kontext“ noch nicht verloren haben, z.B. Wien, Münster, Nürnberg, München. Solche Städte sind natürlich jene, wo Wohnungen in der Innenstadt noch nicht von Versicherungen, Bankentürmen und Einzelhandelsfilialen verdrängt worden sind.

Frankfurt hat also keinen promenadologischen Kontext – könnte man meinen. Frankfurt erscheint aber geradezu als Hochburg der Promenadologie. Klaus Hoppe vom Umweltamt der Stadt Frankfurt am Main ist Leiter der Projektgruppe GrünGürtel und wie Schmitz ein Schüler von Lucius Burckhardt, dem an der Universität Kassel tätigen Begründers der Spaziergangswissenschaft (Promenadologie). Die ämterübergreifende Projektgruppe gibt es seit 1997, und dort wird also mit promenadologischen Grundsätzen und Erkenntnissen gearbeitet. Weiterlesen

Die Spaziergangswissenschaft – Promenadologie (engl.: strollology)

17 Sep

Spaziergangswissenschaft? Für Außenstehende klingt das vielleicht niedlich, possierlich, anachronistisch, grotesk, bekloppt, nach szientistischem Wahnsinn, – zumindest nach einem sog. Orchideenfach. Das mag zutreffen, aber Außenwahrnehmungen sind – bei aller kritischen Distanz – immer auch durch eine Portion Ignoranz ausgezeichnet. Leider wird die Spaziergangswissenschaft oder Promenadologie (engl. „strollology“), wie sie auch genannt wird, als Fach in Deutschland akademisch nicht mehr gelehrt. Ein Abschluss der Promenadologie ist sowieso nicht möglich gewesen. In Frankfurt/Main hat am 12. und 13. September 2008 nun der internationale Kongress zur Spaziergangswissenschaft „Gut zu Fuß.“ stattgefunden. Veranstaltet wurde der Kongress vom Umweltamt der Stadt im Casinogebäude des Poelzig-Baus (weitere Informationen zum Kongress bei http://www.promenadologie.de). Es gibt also aktive Promenadologen. Und Spaziergangswissenschaftler schaffen es auch immer wieder in der Tagespresse und Magazinen wahrgenommen zu werden (z.B. auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, s.u.).

Lucius Burckhardt – Begründer der Spaziergangswissenschaft

Der Schweizer Soziologe, Urbanist und Planungstheoretiker Lucius Burckhardt (1925-2003) entwickelte in den 1980er Jahren während seiner Tätigkeit an der Gesamthochschule Kassel zusammen mit seiner Frau Annemarie Burckhardt die Spaziergangswissenschaft zu einer Planungs- und Gestaltungswissenschaft (siehe: z.B. http://www.lucius-burckhardt.org/, die Informationen des Martin Schmitz Verlages oder das Gespräch zwischen Hans Ulrich Obrist und Annemarie & Lucius Burckhardt zum Thema Spaziergangswissenschaften bei kunstaspekte.de). Weiterlesen

Internationale Tagung zur Spaziergangswissenschaft in Frankfurt

11 Sep

Gut zu Fuß – die Spaziergangswissenschaft“ – Das Umweltamt Frankfurt am Main veranstaltet diese Tagung, aber verantwortlich ist der Verleger Martin Schmitz. Schmitz lernte bei Lucius Burchkhardt, dem an der Universität Kassel tätigen Gründungsvater des deutschen Zweiges der Spaziergangswissenschaft, der Promenadologie.
Angeblich haben sich bereits mehr als 180 Teilnehmer angemeldet. Nähere Informationen in einem Artikel der taz (hier) oder bei http://www.frankfurt.de (hier).

Anlässlich des Kongresses hat der Referent Bertram Weisshaar das Weblog „Spaziergangswissenschaft“ eingerichtet (dort findet sich auch das Programm der Tagung): http://spaziergangswissenschaft.de/blog/.

Vierteilige Broschürenreihe mit Routen durch Frankfurt-Sachsenhausen

11 Sep

Eine vierteilige Broschürenreihe lässt vertiefte Einblicke in den Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen erwarten. Der erste Band stellt die Geschichte des Stadtteils dar. Im Band 2 werden städtebauliche Orte vorgestellt. Die Wanderung in Band 3 führt an die Ränder des Stadtteils. Der vierte Band führt durch den Stadtwald (für diese Route ist ein Fahrrad empfehlenswert).
Die Hefte (DIN-A5-Format) sind zum Preis von je 1,50 Euro im Technischen Rathaus erhältlich (Braubachstraße 15).

(Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Nr. 213, S. 45)

Mallorca-„Urlaub“

10 Sep

Von der Baleareninsel Mallorca habe ich mir ein Reiseandenken mitgebracht. Es sieht aus wie eine Papierserviette, würde als solche aber nicht so gut funktionieren. Ich habe es aus einem Restaurant in Can Picafort mitgenommen, in dem sie versuchten mit einem bayerischen Radiosender die Straßengeräusche zu übertönen. Die Speisekarte war mehrsprachig, im Angebot vor allem Pizza, Pasta, Fleisch- und Fischgerichte. Kaffee und Kuchen gab es auch sowie Bier vom Fass. Die mit einer Art Karte von Mallorca bedruckte Papierserviette wurde vom Deutsch sprechenden Kellner, den ich hartnäckig auf Spanisch belaberte, vor mir ausgebreitet bevor er uns das Essen servierte.

Eine "Karte" von Mallorca

Wir, mein 5-jähriger Sohn und ich, wir waren sogar öfters in diesem Restaurant. Ich nannte es „den Betrüger“, denn ich war mir so sicher, dass es viel teurer ist als andere Restaurants dieser Kategorie. Im Laufe des Urlaubs – besser gesagt der Reise, weil Geographen ja grundsätzlich keinen Urlaub machen; sie reisen ja nicht einmal, sondern veranstalten Forschungsaufenthalte – stellte sich heraus, dass man dort doch recht günstig essen konnte. Die anderen Restaurants, v.a. die an der Strandpromenade, waren noch viel teurer. Die Pizza war zudem ganz gut und der Salat wirklich nicht schlecht.

Das Reiseandenken, die Papierserviette, ist mit einer schlechten Karte von Mallorca bedruckt. Es fehlt der Maßstab, ohne Flächenschraffuren, die Berge sind nicht eingezeichnet, lediglich die Küstenlinie, die Straßen, die ein kaum differenziertes Gewirr darstellen, und Ortsnamen. Mit dieser Karte könnte man nur sehr schwer seinen Weg über die Insel finden. Warum auch? Weiterlesen

Trans Europa Express, Kraftwerk 2004

2 Sep