Archiv | 11:05 am

Daumen hoch – Frankfurt Main Finance, eine starke Marke

27 Aug

…die (nicht immer, aber immer öfter) wöchentlich erscheinende Rhein-Main-Kolumne:

Ein neuer Stern am Marken-Firmament: Frankfurt Main Finance e.V. – freilich mit einem eigenem neuen Logo (siehe http://www.finanzplatz-frankfurt.de). Es gibt sie nun die Marketinginitiative, die den Finanzplatz Frankfurt im In- und Ausland präsentieren wird. Die internationale Bekanntheit und Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes Frankfurt soll gesteigert werden. Denn es herrscht ja Konkurrenz zwischen den Regionen im Zeitalter der Globalisierung. Die stärksten Finanzplatz-Konkurrenten Frankfurts sind Paris und London – und die „Initiative Finanzstandort Deutschland“ (IFD). Ein für allemal muss klar sein, wo das nationale Herz der Finanzströme liegt. Finanzplatzmarketing muss dort stattfinden, von wo die größte Strahlkraft ausgeht, also dort, wo die Leuchttürme stehen. Mein Vorschlag ist, der neue Verein soll einen Stand auf der Besucherterrasse des Main-Towers errichten und Buttons, Aufkleber und Fähnchen verteilen. Damit bin ich bei den sog. Werten des Vereins bzw. der Marke, nämlich Ganzheitlichkeit (und zu einem ganzheitlichen Marketing-Konzept gehören eben Buttons und Aufkleber, aber zugegeben Ganzheitlichkeit klingt auch ohne lückenlos ausgearbeitetes Konzept immer gut). Weitere Werte der neuen Marke sind: Geradlinigkeit („Logisch und nachvollziehbar, der Bezug auf die Hochhäuser und die typisch hessische Arbeitseinstellung“) und Globalität. Aber, warum eigentlich nicht Globalisierung? Ich denke, das hat schon New York und Tokyo für ihr Marketing-Konzept reserviert. Die Botschaft ist somit klar: Frankfurt und die Frankfurt/Rhein-Mainer werden nicht globalisiert, sondern von selbst immer globaler. – Und das ist ein Riesenunterschied. Am treffendsten wäre meines Erachtens Glokalität. In diesem Begriff würde sich auch die Freude von Roland Koch wiederspiegeln, dass mit Frankfurt Main Finance e.V. die Banken nun endlich das gewünschte Bekenntnis zum Standort Frankfurt abgeliefert haben. Mit Koch müssen wir nun keine Angst mehr haben, dass die großen Banken ihre Hochhäuser verwaist zurücklassen und Frankfurt zu einem romantischen Museums- und Apfelweindorf mit Flughafen (dann aber ohne neuen Terminal III und Landebahn Nordwest) verfällt. Jetzt ist es offiziell, den Banken gefällt es in ihrem Bankenviertel, sie fühlen sich hier wohl und heimisch – ein kreatives Milieu eben, alles so schon face-to-face. Wo hätten sie denn auch hingehen können? Zur Finanzplatz-Konkurrenz nach London? Nach Dubai, Shanghai, Miami? Weiter als Eschborn hat es doch bisher kaum jemand geschafft.

Und weil ferner die Mitgliedsbeiträge für den neuen Verein relativ niedrig sind (75.000 Euro im Jahr), dann könnten Hessen und Frankfurt, die ja auch Mitglieder sind, die standortholden Geldhäuser in Ruhe arbeiten lassen. Stattdessen könnten sich die Politiker nun z.B. um die städtische Biodiversität kümmern. Die hat wohl bereits eine Marke und ein Logo (siehe hier), aber Fauna und Flora der Metropolregion haben noch kein endgültiges Bekenntnis zum Standort abgeliefert.

Die Welt als Zoo

27 Aug

Vielleicht sollten wir die Handlungstheorie wesentlich strukturalistischer fassen? – Individuen leben in einem Möglichkeitsfeld, in dem die Intentionen von Handlungen nur eine Dimension darstellen. Ansonsten wirken Einschränkungen, Beschränkungen und Hindernisse die dieses Feld möglicher Handlungen aufspannen. Diese Einschränkungen sind auch nicht nur kulturell, sozial, subjektiv oder materiell bedingt, sondern sie sind v.a. handfest ökonomisch und politisch. In der Möglichkeit von Handlungen schwingt also die Unmöglichkeit von Handlungen mit. Es mag sein, dass es eine Gestaltungsoption des Möglichkeitsfeldes gibt, dass es auf eine gewisse Weise selbstbestimmt, selbstgewählt und selbstgestaltet sein kann. Vielleicht sollten wir durch die Hintertür auf irgendeine Weise Determinismen in die Theorie zurückholen. Wegen der potenziellen Unmöglichkeit von Unmöglichkeiten und Möglichkeit von Möglichem sollten wir Systeme von Handlungen zumindest deutlich strategischer und kriegerischer auffassen als bisher. Dies gilt sowohl für die Individuen innerhalb ihrer Möglichkeitsfelder, als auch die Akteure, die beteiligt sind an Bedingungen, Notwendigkeiten, Diskursen usw. ‚Intentionen’ klingt so sinnhaft, subjektzentriert, aufgeklärt und unökonomisch.

Die Faszination des Reisens schließlich gründet auf dem ephemeren Ausdruck einer geometrisch-territorialen Ausweitung des Möglichkeitsfeldes (durchaus im Sinne von Jagdgründen). Reisen verführt durch die Illusion von Freiheit. Die Faszination des Urlaubs basiert auf der räumlichen Entrückung vom heimisch-alltäglichen (Un-)Möglichkeitsfeld. Man erholt sich durch zeitweise Abstraktion bestimmter Beschränkungen und Hindernisse.

Im übrigen erinnert mich das ganze an einen Zoo – und das ist überaus faszinierend. Wir leben also länger, weil wir nicht so frei sein können, wie wir es uns vielleicht wünschen.