Ich bin bryophil – und du? Moosbestimmung mit der Lupe!

5 Jun

Die Moose (Bryophyta) gehören zu den sog. Kryptogamen; sie bilden also keine Samen aus. Moose wachsen in der Regel an solchen Standorten, die von Höheren Pflanzen nicht besiedelt werden können: Felsen, Borken, dunkle Standorte usw. Wir kennen Moose v.a. aus den Wäldern, wo sie auf Totholz, auf Bäumen, am Waldboden und auf Felsen wachsen. Wie grau und braun wären unsere Wälder im Winter ohne die Moose? Auch die noch erhaltenen Hochmoore in unserer Landschaft werden von Moosen gebildet. Torfmoose (Arten der Gattung Sphagnum) spielen eine wesentliche Rolle für die Entstehung, den Aufbau und die Funktion dieser Ökosysteme. Schließlich wachsen Moose noch auf Felsen und auf Mauern. Moose sind sogar fähig durch die Landschaft zu reisen“ (vgl. Hutsemekers, V.; C. Dopagne & A. Vanderpoorten: How far and how fast do bryophytes travel at the landscape scale? In: Diversity and Distributions 14, 2008, S. 483-492). Okay, man nennt das Ausbreitung und es handelt sich natürlich nicht um ein fröhliches, geselliges Gametophytenwandern, sondern es werden die Sporen verbreitet. Eine große Rolle spielt auch die vegetative Vermehrung.

Wir finden Moose aber auch im Inneren von Höhlen, im Lichtschein der Glühlampen, oder an noch ausgefalleneren Standorten:

Bryotop“ – Moos in der Toilette eines Kunst-Schauraums in Wiesbaden

Moos in der Kubacher Kristallhöhle

In den Tundren spielen Moose eine große Rolle hinsichtlich Artenzahl, Bedeckung, Phytomasse und Biomasseproduktion. Moose können bei tiefen Temperaturen (sogar unter 0° C) noch effektive Photosynthese betreiben. Auch Wüsten sind nicht grundsätzlich moosfrei. Es gibt ausgesprochen xeromorphe Arten, die zudem austrocknungsresistent sind. Eigermaßen vertraut bin ich mit den xerophytischen Moosen der Kanaren, die in küstennahem Sukkulentenbusch vorkommen. Aber auch bei den mitteleuropäischen Moosarten gibt es solche austrocknungsresistenten Arten. Vor allem Fels- und Baumbewohner können aus dem Herbar heraus nach Jahren noch durch Wiederbefeuchtung „wiederbelebt“ werden.
Als ausgesprochen moosreich gelten die Tropen. Allerdings sind sie in den tropischen Tieflandsregenwäldern nur gering vertreten. Mit steigender Meereshöhe (ab ca. 1000 m) steigt dann auch die Zahl der Moose und deren Biomasse an. Faszinierend sind v.a. auch die auf Bäumen und Ästen wachsenden Moose (Epiphyten), die besonders in den Nebelwäldern die Bäume sehr dicht überziehen können. Bestimmte Lebensformen (Hängemoose) kämmen hier den Nebel aus (ähnlich wie die Bartflechten) und spielen daher eine wichtige Rolle für den ökosystemaren Wasserhaushalt. Einen den tropischen Nebelwäldern ähnlichen Eindruck vermitteln einige sehr feuchte Bestände der kanarischen Lorbeerwälder. In den Tropen gibt es sogar epiphylle Moose, also Moosarten, die auf Blättern höherer Pflanzen wachsen. Vertreter dieser Spezialisten finden sich auch in den kanarischen Lorbeerwäldern (siehe: Boecker, M.; E. Fischer & W. Lobin: Epiphylle Moose von den Kanarischen Inseln (La Gomera und Teneriffa). – Nova Hedwigia 57 (1-2): 219-230, 1993.)

Moosbestimmung ist keine so einfache Angelegenheit. Nun gibt es ein neues Bestimmungsbuch, durch das es möglich sein soll mitteleuropäische Moosarten (Laub- und Lebermoose) mit der Lupe zu bestimmen:

Düll, R. & B. Düll-Wunder (2008) Moose einfach und sicher bestimmen. Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim (463 S. 19.95 Euro).

Immerhin 500 der etwa 1100 in Mitteleuropa vorkommenden Moosarten werden beschrieben. Weltweit sind etwa 16.000 Moosarten bekannt.

Dieses neue Bestimmungsbuch gehört in die Reihe, in der auch 2007 das Pilzbestimungsbuch „Grundkurs Pilzbestimmung. Eine Praxisanleitung für Anfänger und Fortgeschrittene“ von Rita Lüder erschienen ist. Ein informatives, reich bebildertes Buch, welches ich im vergangenen Herbst häufig benutzt habe.

Weitere deutschsprachige Literatur über Moose:

  • Frahm, J.-P. (2001): Biologie der Moose. Spektrum Akademischer Verlag.
  • Frahm, J.-P. & W. Frey (2002): Moosflora. 4. Aufl. Stuttgart (UTB).

Sehr informativ ist die Homepage der British Bryological Society.

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