Frankfurter (Abriss-)Birnenmost

13 Mrz

Der Architekturkritiker Dieter Bartetzko führt dem Leser der FAZ (Nr. 61, vom 13.03.2007, S. 36) vor, dass in der Bankenmetropole Frankfurt historischen Bauten „der Garaus“ gemacht wird. Und das zu einer Zeit, während große Teile der Bevölkerung und lokalen Politik sich begeistern oder zumindest außerordentlich interessieren für die Idee, einen Teil der ehemaligen Altstadt zu rekonstruieren – wenn die Betonblastula des Technischen Rathauses einmal abgerissen sein wird.

Bartetzko listet auf: In der Nähe der Friedberger Warte wurde eine „wunderhübsche spätklassizistische Hotelvilla“ abgerissen. „Wie ein Triumphmal achselzuckender Dickfelligkeit steht seit kurzem eine nagelneue metallisch glänzende Tankstelle am einstigen Standort des Altbaus, dekorativ überschattet von einer einzigen geschonten Kastanie.
Am Platz der Republik wird ein „monumentales historisches Ensemble“ abgerissen, die Gebäude, die zuletzt von Justizbehörden und der Deutschen Bahn genutzt wurden, „ein spannungsreiches Beieinander, in dem ein ganzes Jahrhundert lokaler und deutscher Geschichte seine Spuren hinterlassen hat.

Die 1905 erbaute, 1951 wiederaufgebaute Matthäuskirche, „ein Denkmal der spröden frühen Nachkriegszeit“ wartet auf die Abrissbagger.

Das ehemalige Polizeipräsidium (jüngst etwas bekannt geworden als Schauplatz des Frankfurt-Tatorts „Leerstand“) von 1905, das mit Ausnahme des denkmalgeschützten Mitteltrakts, ebenfalls abgerissen wird.

Laut Bartetzko unterliegt Frankfurt einem „manischen Drang sich architektonisch fortwährend neu zu erfinden“. Dabei schrecke sie nicht davor zurück, Denkmäler, sofern sie nicht weithin berühmte Wahrzeichen sind abzureißen. Außerdem sei Frankfurt „Meister im Tranchieren von Altbauten“. Damit ist gemeint, dass Baudenkmäler radikal zerlegt werden, bis nur noch attraktive Fragmente übrig bleiben, die man den Neubauten vorblendet, eingliedert, oder einpasst.

Bartetzko äußert auch Kritik an der Rekonstruktion des Thurn-und-Taxis-Palais, in der Nähe der Hauptwache. Er trauert dem dafür abgerissenen Fernmeldeturm nach, der 1955 als „amerikanisches Bauwunder im Herzen Europas“ gefeiert worden war, und dem zur selben Zeit „auf den Fundamenten des Palais errichteten dreiflügeligen Paketpostamt, ein unverwechselbares Schloss der Fünfziger-Jahre-Moderne“, und schließlich das Redaktionshaus der Frankfurter Rundschau, „eine 1952 entstandene imposante Nachkriegsversion von Erich Mendelsohns berühmtem Berliner Mossehaus aus dem Jahr 1920.
Der Zusammenhang zur Begeisterung für die Rekonstruktion einiger Altstadthäuser ist für Bartetzko klar: Die Begeisterung für diese historisch anmutenden Kopien – (man könnte sie auch Simulationen nennen) – entstammt der „Erfahrung permanenter Verluste historischer Bauten“, zugunsten von Tankstellen, Hochhäuser, Hotelneubauten und Shopping Malls.

Über den Wiederaufbau der Altstadt Frankfurts gibt es Informationen bei der Frankfurter Rundschau (Link: http://www.fr-online.de/stadtzukunft/) und bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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