„Im Raume lesen wir die Zeit“

27 Feb

Karl Schlögel, der in seinem Buch „Im Raume lesen wir die Zeit“ (erschienen im Carl Hanser Verlag, 2003) (hier ein Link zu Rezensionen) die „Einheit von Ort, Zeit und Handlung“ ernst nehmen will, behauptet, dass zu diesem Zweck „nicht so sehr das Lesen von Texten, sondern das Hinausgehen in die Welt und die Bewegung in der Welt die primäre und paradigmatische Form der Erkundung und Erschließung sind“ (S. 10). Dafür sei eine bestimmte Form der „Augenarbeit“ notwendig. Laut Schlögel (S. 13) leiden wir nicht an einem Mangel an Bildern, sondern eher an einer Flut der Bilder. Dagegen müsse sich das Auge rüsten, sich in Stellung bringen, um noch unterscheiden und lesen zu können. Die Sinne müssten demnach geschärft werden um die Welt des Wandels wahrnehmen zu können. Städte und Landschaften sind das Übungsfeld und zugleich die Dokumente, die wahrgenommen und interpretiert werden sollen.

Schlögel bittet uns um mehr Aufmerksamkeit, damit wir die Erfahrung machen, „dass eine räumlich gesehene Welt reicher, komplexer, mehrdimensionaler ist“ (S. 15). Die Methodologie könnte man als „topographische Hermeneutik“ bezeichnen (S. 39).

Der Titel „Im Raume lesen wir die Zeit“ ist übrigens ein Zitat des bekannten Geographen Friedrich Ratzel (1844-1904).

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