Rocky Balboa – im Kampf gegen die Postmoderne?

23 Feb

Man hört und liest gelegentlich, Rocky Balboa (mit dem sechzigjährigen Sylvester Stallone als Rocky, also nicht als Rocky Jr‘s. Trainer) sei ein richtig guter Film.

Rocky hat ein einfaches bodenständiges Restaurant (offensichtlich so etwas wie eine Eckkneipe oder Imbissbude), das läuft wohl ganz zufriedenstellend und ist auch irgendwie ganz nachbarschaftlich. Aber Rocky ist einsam, und als ein TV-Sender ein virtuelles Abbild der sich dem Glamour verweigernden Boxlegende gegen den amtierenden Weltmeister antreten und gewinnen lässt, geschehen hormonelle Veränderungen. Der echte, der somatische Rocky will es nun – in echt – noch einmal wissen. Die Message ist somit medientheoretisch anzugehen und richtet sich klar gegen Baudrillard: die pure Körperlichkeit des Individuums steht am Anfang aller Simulation und ist dieser grundsätzlich überlegen. Was wollt ihr mit dem ganzen elektronischen Fortschrittskram, ein brachialer Hieb in eure Server und die ganze Scheiße geht den Bach runter. In der Zeit (Nr. 6 vom 01.02.2007, S. 43) steht das so: „Aufstand des Fleisches gegen die digitale Entkörperlichung, ein naives Underdog-Märchen, das noch einmal den Boxhandschuh gegen den Zeitgeist der Special Effects erhebt, Illusion gegen Simulation“. In einer Zeit, in der in Amerika der Tellerwäscher nur noch Millionär werden kann, wenn er grandios mit den Tellern jonglieren, bauchreden, an den Essensresten die prominenten Stammgäste erkennen oder die Teller telekinetisch verformen kann, all das mit einer Webcam im Internet verbreitet oder auf Videoplattformen präsentiert und er überhaupt super telegen aussieht, ein Tellerwäscher-Weblog, -Moblog oder -Podcast pflegt, entweder homosexuell ist oder eine überraschend hübsche Freundin hat, die als Fotomodel jobbt, oder er noch keine Freundin hat und metrosexuell auftritt, und dies alles in New York stattfindet, notfalls funktioniert auch San Francisco, Los Angeles, Seattle oder Miami, dagegen scheint also Rocky Balboa den ursprünglichen Mythos des einfach nur tüchtigen Tellerwäschers zu beschwören, der verdientermaßen irgendwann die zündende Geschäftsidee hat oder einfach nur beharrlich nach oben strebt. Es gibt halt auch ziemlich viele Senioren in Amerika, aber nur wenige arbeiten als Tellerwäscher. Es gilt denen, oder besser denjenigen, die in 10 bis 15 Jahren zum alten Eisen gehören werden und noch nicht Dollar-Millionär sind, nicht die Illusionen zu rauben. „Sylvester Stallone weist den Weg in die Rentnergesellschaft.“ Es soll sich lohnen auch in hohem Alter wie ein Krieger zu leben; es lockt die gleichermaßen erhabene wie kleinkarierte Nagualität im Kreis der gleichgesinnten, einfachen Leute, die den Medienyuppies da oben immer noch ein Schnippchen schlagen können, wenn sie es denn für nötig erachten („Aufstand des Alten“).

Also, soll ich oder soll ich nicht?

Interessant sind auch filmanalytische, genretheoretische Aspekte in diesem kleinen Beitrag: Stallone, der protoypische „Körperheld des Männerunterhemdenkinos“ der 1980er Jahre – ein Subgenre des klassischen Actionfilms?

Ich sollte nicht. Ich bin auch auch nicht geneigt, so krass wie Dietmar Wohlfart bei Evolver.at über Sly herzuziehen. Dass Sly mit einem (oder waren es sogar mehrere) Pornofilm angefangen hat (Italian Stallion 1970), ist so weit bekannt. Das T-Shirt dazu sieht nicht schlecht aus.

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