Rustie geht auch gerne in den Zoo

11 Jan

Rustie ist ein schottischer Produzent moderner elektronischer Tanzmusik – Dubstep im weitesten Sinne, Clubmusik aber durchzogen vom Prog-Rock der 1970er (Yes, Genesis usw.), Hip-Hop, Trance, Electronica, Jazz…. Seine Tracks schlingern ohne zu torkeln, stolpern manchmal ohne hinzufallen, sind zackig aber nicht allzu hektisch. Er mag es etwas zerstückelt aber auch flächig, stellenweise fast schon bombastisch, aber ohne überzuborden. Zu Interviews trifft er sich offensichtlich gerne in Zoologischen Gärten (so für die Groove Nr.133, 2011). Zu den Pinguinen gehe er immer als erstes, dann zu den Affen und gerne auch in ein Regenwaldhaus. Mit Jungle hat seine Musik aber so gut wie nichts zu tun. Wie viele Zoobesucher erheitern ihn die Erdmännchen. Die Gesangssamples klingen stellenweise wie die Chipmuncks. Die gediegene Komplexität, die einen auch mal zum Lächeln bringen kann, könnte durchaus von den Zootierbeobachtungen stammen. In London in der Bassszene als Nightwave zu Hause, ist dort aber der Zoo sein Lieblingsort.

Sein Debütalbum heißt ‚Glass Swords‘ und ist im Oktober 2011 bei Warp Records erschienen. Rusties neues Album heißt ‚Green Language‘ (Warp, 2014). Auf dem Cover sind zwei ineinander verschlungene Flamingos abgebildet. Grazil, wie naturalistisch ausgeführte Plastiken, stehen sie vor einem fast monochromen Hintergrund, der aber doch eine glatten, wie vereist wirkenden Boden und eine Horizontlinie aufweist. Es sieht aus wie in einem sehr gut ausgemalten Zoogehege. Dieses Album ist Platte des Monats in der SPEX No. 355 vom September 2014 (S. 100). Ob Rustie immer noch gerne in den Zoo geht, erfährt man in der Besprechung nicht. Rustie bleibt aber seinem Fusion-Sound treu. Es hat etwas enzyklopädisches. Wäre Rustie ein Biologe, wäre er wahrscheinlich Systematischer Zoologe. Rustie negiere radikal das Weniger-ist-Mehr-Prinzip, Seine Musik sei ein Manifest gegen Geschmacksghettos. Sie kenne keine Grenzen, weder von Underground und Mainstream, von Seriösem und Anrüchigem, von Coolem und Peinlichen. Damit ist Rustie ein Vertreter des Maximalismus. – Und Evolution – das kann man an den bescheidenen Ausschnitten im Zoo beobachten – mag effizient sein, aber minimalistisch ist sie keineswegs.

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„Lazyboy“ und seine „plötzlichen Ortswechsel, Translokationen usw. (u.a. nach Würzburg) – Romane von plötzlichen, merkwürdigen, ganz anderen Orten

17 Jan

Lazyboy“ (Roman von Michael Weins, mairisch verlag, 2011) ist freier Journalist (er schreibt für Szenemagazine in Hamburg), und heißt eigentlich Heiner Boie. Seit langem muss er mal wieder zum Arzt, denn ihm widerfahren merkwürdige „Blackouts“. Dabei handelt es sich um plötzliche Ortswechsel (im folgenden pOw) – in einem leibhaftigen Sinne, und ohne Einfluss von Rauschmitteln. Die pOw ähneln auf eine gewisse Weise dem Beamen, bedürfen aber keinerlei Strahlenmedium und technologischen Schnickschnacks. Man könnte auch von Translokation, Teleportation, Transmission, Transmigration usw. sprechen Der erste pOw führte, oder besser katapultierte, Heiner nach dem Aufstehen, mit dem bereiteten Frühstück in der Hand direkt in ein Möbelhaus. Sein zweiter pOw war fast schon hilfreich: vom Eingang des Supermarktes mit der Einkaufstüte direkt nach Hause. Die pOw passieren meist, wenn er im Begriff ist den Raum zu wechseln; sie schienen immer mit dem Durchschreiten einer Tür verbunden zu sein. Lazyboy tritt durch eine Tür, allerdings kommt er nicht wie gewünscht im Nebenraum an, sondern anderswo. Durch einen pOw kann er durchaus eine gewisse Distanz überbrücken (und das nur in Sekundenbruchteilen). Einmal, beim Verlassen des Gebäudes, in dem sich die Arztpraxis befindet, landet er in Würzburg:

„Jetzt aber stehe ich am Ufer eines Flusses, ein großer Fluss, graugrünes Wasser. Genauer gesagt stehe ich am Fuß einer reich verzierten Fußgängerbrücke, Barock, grauer, alter Stein, Statuetten auf den Balustraden. Am gegenüberliegenden Ufer hoch droben thront eine stattliche Burg auf einem Hügel. Auf der Flanke des Hügels stehen Weinstöcke Spalier. Es sieht irgendwie süddeutsch aus. Ich drehe mich um und stelle fest, dass sich zwei Schritte hinter mir die Tür eines Andenkenladens befindet, wie praktisch. […] – Am anderen Ende der Brücke ist ein Restaurant mit einer schönen Holzterrasse oberhalb eines alten Wehrs. Ich suche mir einen Platz in der Sonne. Ich werden von einer mittelalterlichen Frau mit weißer Schürze und einem faltigen, grauen Rock über äußerst stramm aussehenden, abgekämpften, harten Waden und Birkenstocks an den tennisbesockten Füßen bedient. […] „Entschuldigen Sie“, sage ich. „Wo sind wir?“ „Wie meinen Sie das?“, fragt sie ohne Gesichtsausdruck. „Die Stadt“, sage ich, „in der wir uns befinden, wie heißt das alles hier?“ Sie guckt mich an, nichts regt sich in ihrem Gesicht. „Würzburg“, sagt sie. Ein Lächeln geht auf meinem Gesicht auf wie Urlaubssonne, ich kann es warm und deutlich spüren. Ich meine mich zu erinnern, dass Würzburg an einer ICE-Strecke liegt. Ich kann mir also ordentlich Zeit lassen, alles anzugucken. „Toll“, sage ich. „War ich noch nie, in Würzburg. Was isst man denn hier so? Gibt es eine Spezialität?“ „Blaue Zipfel“, sagt die abgezehrte Frau ohne Begeisterung. „Toll“, sage ich, „nehme ich. Wenn ich schon mal da bin.“ Beiläufig muss ich an Schlumpfhausen denken. […] – Etwas später stellt sie die Blauen Zipfel in einem Teller Brühe vor mich hin. Diese stellen sich als in Essig gekochte Würste heraus. Na ja. – Trotzdem sitze ich mit dem zufriedensten Lächeln der Welt auf der Terrasse oberhalb des Flusses, der jetzt im Sonnenlicht tiefbraun und goldbesprenkelt vor sich hin funkelt. Ich äuge zur Burg hoch. Das Sonnenlicht gleißt auf den alten Schindeln. Still für mich formuliere ich einen erhabenen Gedanken. Innerlich fülle ich mit dem goldenen Licht der Zufriedenheit, als ich meinen schönen, gehaltvollen Gedanken denke. Ich denke: Es intensiviert den Aufenthalt an einem Ort, wenn man sich klarmacht, in jedem Augenblick auch woanders sein zu können, durch irgendeine Tür jäh aus dieser Gegenwart in die nächste gerissen zu werden, dass jegliche Anwesenheit schlagartig beendet sein kann. – Für zwei gekochte Blaue Zipfel muss ich 14 Euro bezahlen, das dämpft mein Gefühl von Erhabenheit empfindlich. – Als ich später den Prachtbau der Würzburger Residenz aus dem 18. Jahrhundert  betrete, ein weltbekanntes Fresko von Tintoretto oder so befindet sich darin, halte ich vor der ersten Tür bewusst inne, halte mich am Türrahmen fest und schaue mich noch einmal um…

Freilich bekommt Lazyboy wegen seiner nachlassenden Zuverlässigkeit, bedingt durch die häufigen, nicht planbaren pOw Schwierigkeiten mit seinen Auftraggebern und seiner Freundin Monika. Als „Raumspringer“ oder notorischer „Ortswechsler“, „Translokant“ usw. ist er, was Termine angeht, sozusagen etwas zu sprunghaft für ein geregeltes Arbeits- und Beziehungsleben.
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Landschaftland

3 Mai

landschaftland-de

Ein Projekt von Studenten der hfg Offenbach in Kooperation mit der Gemeinde Duchroth.

landschaft – kunst in, um & mit duchroth

Duchroth ist für diesem mutigen Schritt wie geschaffen!

Ortsgemeinde Durchroth / Naheweinstraße /55585
(Bingen – Bad Kreuznach – Bad Müpnster am Stein-Ebernburg und noch ein Stückchen weiter)

Der urbane Blick >>> Kunstforum International Band 218 (Okt.-Dez. 2012)

12 Okt

Thema des aktuellen Bandes 218 Kunstforum International (Oktober -Dezember 2012):

Der Urbane Blick.

Impulse für eine neue documental Urbana

Ausschnitt aus dem Inhaltsverzeichnis:

  • > Bianchi, Paolo: Der urbane Blick auf das „Lebenskunstwerk Stadt“ (S. 32-47)
  • > Selle, Klaus & Aerni, Georg (Fotos): Sondierungen zur Urbanität. Zu den Bedeutungsfacetten eines viel gebrauchten Wortes (S. 50-69)
  • > Liessmann, Konrad Paul: Urbanität oder Die Stadt als kulturelles Phänomen (S. 70-83)
  • > Rauterberg, Hanno: Die Psychologie des Urbanen (S. 92-103)
  • >>> Paetzold, Heinz &Aerni, Georg (Fotos): Phänomenologie der Kultur des Fanierens (S. 104-115)
  • >> Hasse, Jürgen: Atmosphären der Stadt – Stadt als Gefühlsraum (s. 132-147)

Weitere Details >>>http://www.kunstforum.de/inhaltsverzeichnis3.asp?band=218&session=

Dunav

4 Okt

Entlang der Donau – Exkursion von Eva H. und Mi. W.

Lost? >>> !

2 Feb

Perhaps, being lost, one should get loster.

Saul Bellow quoted in  Peter Turchi (2004): Maps of the Imagination. The Writer as Cartographer – Trinity University Press, San Antonio, Texas, p. 99.

Schottische Klischees und Topoi

13 Dez

Am Rand Europas‘, Blau-Weiß, Regen, Nebel, „Four Seasons in one Day“, Highlands, Munros (Berge höher als 3000 ft., 914 m ü.d.M.), ‚Scot’s Pine‘, Lochs, Schafe, Hochlandrinder, Clans, Dudelsack, Tartan, Kilts, Disteln, Ginster, Rhododendren, Macbeth, Steinkreise, Burg- und Klosterruinen, Highland Games, „Highlander“ (Kinofilm von 1986 mit Christopher Lambert und Sean Connery), „Braveheart“ (Kinofilm von 1995 mit Mel Gibson – überwiegend in Irland gedreht!); Innere und Äußere Hebriden, Shetland Islands, Orkney Islands, William Wallace und Robert Bruce, ein gewisser Hass auf England, ‚Auld Alliance‚, Maria Stuart (die Schottenkönigin), Jakob VI. (Maria Stuarts Sohn, später Jakob I. von England), ‚Bonnie Prince Charlie‘, Schlacht von Culloden (16. April 1746), Puritanismus, Geiz, „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (Roman von Robert Louis Stevenson, 1886), James Macpherson (1736-1796, Schriftsteller „Ossianische Dichtungen“), James Boswell’s „Journal von einer Reise zu den Hebriden mit Samuel Johnson“ (1785), Sir Walter Scott (1771-1832, Schriftsteller u.a. „The Lady oft the Lake“), Balmoral Castle, Royal Yacht Britannia (im Hafen von Edinburgh), Robert Burns (1759-1796, Schriftsteller), ‚Burns Supper‘ (am 25.Januar), „Auld Lang Syne“ (eines der bekanntesten Lieder von Robert Burns), Whiskey, Haggis (gefüllter Schafsmagen), Loch Ness, „Nessie“, Mull of Kintyre (Titel eines Songs von Paul McCartney/Wings 1977), St. Andrews University, Golf, Pubs, Edinburgh, Glasgow, Glasgow Rangers vs. Celtic Glasgow, Rugby, Charles Rennie Mackintosh (einer der Begründer des Jugendstils), ‚Porridge‘, Shetland-Pony, Klonschaf Dolly, Edinburgh International Festival, „Trainspotting“ (Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irvine Welsh 1996, Regie Danny Boyle)

Kulturalistische Botanik, Bühler & Rieger’s ‚Florilegium des Wissens’, Urban Gardening, Dominik Eulberg’s ‚Herbarium’, Pflanzensoziologie, Boas’ ‚Dynamische Botanik’, ‚Poison Ivy’, Capgras-Syndrom, sowie die häufigsten Pflanzenarten Mitteleuropas

12 Dez

Es gibt eine beträchtliche Zahl sog. ‚Kulturpflanzen’: Nahrungspflanzen, Faserpflanzen, Pflanzen, die uns Baumaterial, Medizin liefern usw. Das Leben der Pflanzen hat somit eine kulturelle Dimension. Das ist gewissermaßen die Makroperspektive: die Pflanze als Rohstofflieferant. Eine spektakuläre Ausblühung dieser Makro-Sicht ist die bei manchen sicherlich Anstoß erregende oder ein abgebrühtes Grinsen hervorrufende sog. „’Stoned Ape’-Theorie der menschlichen Evolution“ des amerikanischen Anthropologen, Ethnopharmakologen, Schamanisten (usw.) Terence McKenna (1946-2000): der regelmäßige, auch hochdosierte, Verzehr von halluzinogenen Pilzen als Stimulans religiöser Erfahrungen, gesellschaftsfördernder Sexualpraktiken, selbstbewussten Denkvermögens und letztlich auch als Katalysator für die Evolution der Sprache (siehe McKenna, T.: Food of the Gods. The Search of the Original Tree of Knowledge – A Radical History of Plants, Drugs, and Human Evolution. Bantam Books, New York, – auf Deutsch erschienen 1996: ‚Die Speisen der Götter. Die Suche nach dem Baum der Erkenntnis’). Ich bezweifle, dass diese Theorie inzwischen in die Standard-Lehrbücher über die Evolution und Stammesgeschichte des Menschen eingegangen sind. Das ist in diesem Zusammenhang jetzt auch nicht wichtig.

Aber denken wir jetzt mal an die Gärten: diese komplexen, vielschichtigen Assemblages im Schnittraum von Natur und Kultur, die kulturellen Konnotationen dieses so populären Ortes, die physiologischen und psychologischen Wirkungen der Gartenarbeit oder der puren Möglichkeit kindlicher Freizeit- und Freiraumgestaltung in einem vorhanden-zugänglichen Garten. Reiner, unverfälschter Utopismus des Apfelbaumgärtchens?

Der Apfel erweist sich als Allegorie menschlicher Kultur. Ob verhandelt wird, wie sein Genuss den Menschen aus dem Garten Eden vertrieb, durch ihn der ‚wilde Westen’ zivilisiert und kultiviert wurde, er mit seinem Fall auf den Kopf des Mathematikers, Physikers und Astronoms Isaac Newton die klassische Mechanik begründete oder die an ihm erfundene Kulturtechnik der Pfropfung das Gleiten der Signifikanten oder die Entstehung von Bedeutungsüberschüssen beschreibt. Der Apfel ist der Kern von Erzählungen darüber, wie der Mensch zu einem Kulturwesen wurde und sich kulturelle Prozesse vollziehen“ (Bühler, B. & S. Rieger: Das Wuchern der Pflanzen. Ein Florilegium des Wissens. Frankfurt 2009, S. 30).

Oder wissen Sie, welche Erwartungen an ‚Urban Gardening’ bzw. ‚Urban Agriculture’, ‚Urban Farming’ geknüpft werden (siehe z.B.: http://www.urban-gardening.eu/, http://urbanacker.net/ oder http://www.urbanfarming.org): „Urban farming’s mission is to create an abundance of food for people in need by planting, supporting and encouraging the establishment of gardens in unused land and space while increasing diversity, raising awareness for health and wellness, inspiring and educating youth, adults and seniors to create an economically sustainable system to uplift communities around the globe“.

Informieren Sie sich doch mal zum Beispiel über die Bedeutung von Urban Farming in Detroit (eine der am stärksten schrumpfenden, desaströsen Städte der USA). >>> Ja, es wird wieder in den Apfel gebissen, ein neuer Zyklus beginnt: die Wiedererschließung, -aneignung und -gewinnung von (Lebens-)Raum, in diesem Fall städtischer Brachen, wenn Sie wollen ‚Wildnisse’.

Und die etwas partisanenhaftere Version des Urban Farming: Guerilla Gardening –  die Invasion der Grünen Krieger bewaffnet mit Samenbomben (inzwischen auch bei Amazon erhältlich für 4,99 Euro) (siehe: Richard Reynolds & Max Annas: „Guerilla Gardening. Ein botanisches Manifest“ – Orange Press, Freiburg 2010 sowie http://www.guerrillagardening.org/, http://www.guerillagaertner.com/)

Dann die Parkanlagen, der Wald usw.  – Pflanzen sind auch Inspirationsquelle und ein nahezu unendlicher Fundus für menschliche Artefakte, z.B. Parkplatz- und Dachbegrünungen, Vasen, Dekorationsartikel, Namen, Illustrationen etc. Welchen Antrieb hat beispielsweise der Techno-Produzent Dominik Eulberg eines seiner Releases „Herbarium“ zu nennen mit den Tracks „Kriechender Günsel (Ajuga reptans)“ und „Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi)“? Eine verborgene unter Techno-DJs verbreitete tribalistische Struktur, der Glaube an Pflanzendevas (siehe Wolf-Dieter Storl: „Pflanzendevas – Die Göttin und ihre Pflanzenengel“ AT-Verlag, Aarau, CH, 1997) oder einfach nur eine gewisse Liebe zur Natur vielleicht verbunden mit einer langjährigen Mitgliedschaft im Nabu? Eulbergs Album „Heimische Gefilde“ wurde 2007 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Die Formulierung, dass es eine Kultur der Pflanzen gibt, mag trotzdem befremdlich anmuten, denn sie sind ja, gemäß unserer dualistischen Denkweise nicht Kultur, sondern Natur. Es gibt Lehrbücher der Pflanzensoziologie (Phytozönologie), – was den Nicht-Botaniker irritieren könnte. Weiterlesen

Metastadt – Spaziergangswettbewerb 2011/12

18 Nov

nach dem Erfolg des letzten Jahres lobt Metastadt auch dieses Jahr wieder einen Spaziergangswettbewerb aus.

Weitere Informationen: http://metastadt.wordpress.com/2011/08/12/metastadt-spaziergangswettbewerb/

Einsendeschluss: 30.11.2011

STADTERFAHRUNGEN

Die Stadt als Horizont des Denkens[1]: Der Spaziergangswettbewerb 2011 steht unter dem Motto STADTERFAHRUNGEN. Mit diesem Thema wollen wir anregen sich auf den Weg zu begeben und sich der Stadt zu öffnen. Erfahrungen mit und in der Stadt zu machen, persönliche Wege zu erschließen und den Spaziergang unter den eigenen Sohlen – getreu dem Motto „der Weg entsteht beim Gehen“ – zu finden. Der Zufall spielt hier eine große Rolle, ebenso wie die subjektive Wahrnehmung. „Je mächtiger das Begehren ist, die Stadt zu sehen und zu begreifen, desto größer ist die Intensität ihrer Zeichen.“  Diese Zeichen gilt es zu finden und zu decodieren, sie in einen Zusammenhang zu bringen und etwas persönliches daraus abzuleiten, sei es eine Erinnerung, eine Bemerkung, ein Bild oder eine Erkenntnis. Was sagt die Stadt, welche Überaschungen hält sie für uns bereit, was wird sichtbar, das bislang verborgen war? Folgt eurer Neugier und eurem Interesse und lasst uns und andere an euren Erfahrungen teilhaben.

Teilnahmebedingungen und Einreichung der Beiträge siehe http://metastadt.wordpress.com/2011/08/12/metastadt-spaziergangswettbewerb/

[1] Jeudy, Henri-Pierre: Stadterfahrungen, Merve, Berlin, 1998.

Gutleut-Verlag, Frankfurt/Main; der Künstler Michael Wagener und sein Projekt ’neuer Atlas‘

23 Sep

taschenatlas

„Der Künstler Michael Wagener (geboren 1966) arbeitet mit verschiedenen Medien – Installation, Skulptur, Fotografie und Bild – zum Thema Raum und Erscheinungsformen von Raum. Er hat sich vor allem mit der Kartografie als einer Form der Raumkonzeption auseinandergesetzt. Im diesem Zusammenhang ist er auf den Kartografen Gerhard Mercator, den ‚Erfinder‘ des Atlasses, gestoßen. Anders als heutige Ausgaben, bietet der von Mercator zusammengestellte allererste ‚Atlas’ aus dem Jahr 1595 nicht bloß eine Sammlung topografischer und politischer Karten: „Es handelt sich vielmehr um ein für die Renaissance nicht untypisches ‚Welterklärungsmodell‘, aber auch um eine Art Gesamtkunstwerk, in dem Wissenschaften, Religion und Kunst miteinander verschmelzen“ (M.W., Vorbemerkung zum ‚taschenatlas’, S. 17). – An diese Konzeption anknüpfend, hat Michael Wagener sein Atlasprojekt entwickelt und Künstler, Literaten und Wissenschaftler eingeladen, mit ihm zusammen einen neuen Atlas zu entwerfen. Wie der Atlas Mercators soll sich auch dieses Buchprojekt ‚verschiedensten künstlerischen und wissenschaftlichen Formen der Weltbeschreibung und Darstellung von Welt widmen, so dass sich auch hier Kunst und Wissenschaft dialogisch miteinander verbinden’ (ebd.).
Der vorliegende ‚taschenatlas’ kann als eine selbständige Vorstufe des geplanten größeren Projekts ‚neuer atlas’ verstanden werden. In ihm sind einige der Texte und Projekte sowie Karten, Bilder und Zeichnungen in ihren inhaltlichen und gestalterischen Ansätzen versammelt, die für den ‚neuen atlas’ erweitert, ergänzt und miteinander verwoben werden sollen. Auch für den ‚taschenatlas’ hat der Atlas Mercators das Vorbild geliefert: Das große, sperrige Original lag in einer handlicheren und übersichtlicheren Ausgabe vor, die in der Seefahrt und bei Reisenden sehr beliebt war.“

Quelle: Gutleut-Verlag, Frankfurt/M. >> http://www.gutleut-verlag.com/index.php?id=24; dort auch Hinweise zu den am ‚taschenatlas’ beteiligten Künstlerinnen und Künstler

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dauerlandschaft

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„Das Buch ‚dauerlandschaft’ bildet den zweiten Teil des Projekts ‚neuer atlas’ und knüpft an die Publikationen ‚taschenatlas’/’taschenkosmos’ an. Der Bildband zeigt neue flächenhafte, kartografische Arbeiten des Künstlers Michael Wagener, die als Tapeten und Raumentwürfe angelegt und in der Werkgruppe der ‚dauerlandschaften’ und ‚dauerräume’ zusammengefasst sind. Diese Montagen von Collagen werden im Textband mit einem einleitenden Text sowie einem speziell für das Buch entstandenen Gedichtzyklus des Lyrikers Marcus Roloff und einem Textzyklus der Autorin Kirsten Kohlhaw zum gemeinsamen Thema dauerlandschaft kombiniert.“

Quelle: Gutleut-Verlag, Frankfurt/M. http://www.gutleut-verlag.com/index.php?id=58

 

The Spirit of Frankfurt/Main

14 Sep

… by P., 09/2011

Im Zoo zu den Affengehegen

19 Aug

Wenn ich durch einen Zoo spazieren gehe, dann ist einer der Höhepunkte, einige Zeit vor den Gehegen der Menschenaffen stehen zu bleiben und diese zu beobachten. Was mich daran fasziniert, ist weniger der Anlass  zu reflektieren, ob die Mitprimaten über Kultur oder Geist verfügen, sondern nachzudenken, wie es mit unserer Kultur oder unseren Handlungssystemen steht hinsichtlich des Umgangs mit unseren nächsten Verwandten (und mit anderen Tierarten und mit der sog. Natur). Mich interessiert also nicht einmal besonders inwieweit unsere Kultur in der evolutionären Stammesgeschichte verwurzelt ist. Ich suche im Zoo bei den Menschenaffen auch nicht nach evolutionspsychologischen Erklärungen für meine Sehnsüchte, Ängste, meinen Hedonismus, Egoismus, Empathie, mein Sozialverhalten usw.
Allerdings könnte es durchaus interessant sein, welche Erklärungen aus evolutionspsychologischer Sicht es geben könnte, dass wir Menschenaffen oder allgemein wilde Tiere in Zoos hegen und pflegen? Wäre es nicht vorteilhafter diese Tierarten auszurotten, da sie Nahrungskonkurrenten darstellen, potenziell eine Bedrohung für Leib und Leben darstellen, und uns daran hindern, unseren Lebensraum auszudehnen. Oder ist in uns das Wahrnehmungsmuster verankert, dass wir potenziell jede Tierart noch als Haus- und Nutztier oder auch nur als Lieferant für Medikamente oder nützliche Gene entdecken könnten, wenn die Zeit reif ist, so dass wir im Anschluss einen gehörigen Fortschrittsschub erfahren würden.

Ich persönlich glaube, dass Mitprimaten (und nicht nur diese) über Kultur und Geist verfügen. So intensiv habe ich mich mit dieser Frage aber nicht beschäftigt, um hier jetzt Einblicke in die wissenschaftliche Diskussion zu geben, deswegen „glaube“ ich es (ja auch nur).

Im Sinne von Volker Sommer (2003, S. 116) zähle ich mit dieser Einstellung zu den (Laien-)Anthropomorphisten. Meine Position ist demnach „protagonistisch“, weil ich die Gemeinsamkeiten betone. Die andere Position wäre skeptisch bzw. ein Anthropozentrismus.

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Durch die schöne, neue Welt des Zoos

19 Aug

Können wir uns vorstellen, wie es ist ein Krokodil im Zoo zu sein?

Mein Name ist Hugo, ich bin ein Neuguinea-Krokodil (glaube ich zumindest). – Gut, sehr gut geht es mir hier. Das Gehege bietet mir alles, was ich benötige: ausreichende Luftfeuchtigkeit, ein Wasserbassin mit schmuddlig-trübem Wasser. Dessen Temperatur und die der Umgebungsluft sind äußerst angenehm. Keine meteorologischen Störungen, keine Wasserverschmutzung. Subtropische Pflanzen lassen ihre Zweige über die Wasseroberfläche hängen. Der Beton fühlt sich an wie natürliches Gestein. Ich liege dort herum, ab und zu wird Nahrung gereicht. Wenn mich irgendwelche Vögel nerven, kann ich auch mal wild werden. Monoton ist es nicht, für Abwechslung wird gesorgt. Prinzipiell genieße ich die Ruhe. Man gibt mir sogar die Möglichkeit zur Fortpflanzung, und mein Animal Welfare-Index ist im Vergleich zu meinen Verwandten in der freien Wildbahn hoch. Die Sonne vermisse ich nicht, das künstliche Licht ist ein vollkommener Ersatz. Die Sterne am Himmel kümmern mich nicht. Ich muss auch keine Feinde fürchten, ich werde nicht verfolgt, nicht angegriffen und nicht erlegt. Vielleicht bin ich ein transgenes Krokodil oder durch Inzucht degeneriert, – aber mir geht es gut. Es muss hier keiner vor mir Angst haben (außer ein paar lästige Singvögel)

Wer würde angesichts solcher Zustände an das Ende seiner Natur denken? Wer denkt an Datenbanken, Gentechnologie, DNS-Sammlungen, Gen-Patente, PID, PCR, Künstliche Befruchtung, Embryonentransfer, transgene Tiere, Stammzellen, Klone, Gen-Pharming, an das Human Genome Project, Xenotransplantationen, Keimbahnveränderungen, Fortpflanzungsprogramme usw.?

Warum ich beim Zoo daran erinnert werden, dass uns eventuelle das Ende des Menschen bzw. des Menschlichen bevorsteht, dass ich an die Fortschritte der Bio- und Gentechnologie denken muss, hat auch einen technikphilosophischen Hintergrund.

Wenn wir bei Technik primär an die Umwandlung und Umgestaltung anorganischer Ressourcen denken, erscheint uns das relativ harmlos. Wir bearbeiten Steine, betreiben Bergbau usw. Hammer, Bohrmaschine, Bagger, Lastwagen, Dampfmaschine, Fabriken, Industriegebieten – harmlose Begriffe, weitgehend unspannend. Inzwischen auch alles weitgehend sauber, kaum noch schmutziger Rauch; Fabriken, die aussehen wie große Lagerhallen. Harmlos und gleichzeitig so nützlich: Stoffwandlungstechnik (z.B. Verfahrenstechnik, Fertigungstechnik, Produktionstechnik), Stofftransporttechnik (z.B. Fördertechnik, Verkehrstechnik), Stoffspeichertechnik (z.B. Lagertechnik, z. T. Bautechnik), Energiewandlungstechnik, Energieübertragungstechnik, Energiespeichertechnik, Informationsverarbeitungstechnik (einschließlich Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik), Informationsübertragungstechnik (beispielsweise Nachrichtentechnik), Informationsspeichertechnik (einschließlich Drucktechnik, Tontechnik, Fototechnik, Filmtechnik). Schöne Technikwelt – seit jeher. Aber kein Pop (abgesehen von der Informationsspeichertechnik). Technik oder Technologie, da gibt es ja wohl einen Unterschied? Weiterlesen

Landschaft als Weltsicht – Ausstellung im Museum Wiesbaden

19 Aug

Ausstellung im Museum Wiesbaden (15. Mai. bis 3. Oktober 2011): Landschaft als Weltsicht

weitere Informationen hier: http://www.museum-wiesbaden.de/austellung/landschaft.html

Landschaftssicht ist Weltsicht. – Wir malen und fotografieren Landschaften, und dabei bilden wir nicht ab, sondern wir registrieren, wie  wir diese Landschaften wahrnehmen. Und diese Registraturen verändern sich im Laufe der Zeit; es bilden sich unterschiedliche Blickweisen (Brillen) – auch in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Medien (neben Malerei inzwischen auch Fotografie, Film und Video)…

„Eins links, eins rechts“ – ‚Algorithmic Walking‘

24 Jul

Another approach commonly adopted elsewhere was ‘algorithmic walking’ […] The classic version directs walking according to a pattern of turns such as ‘first street right, second street left, first street left and repeat’” (Pinder, D.: Arts of urban explorations. In: cultural geographies 2005/12: 383-411 (p. 397))

socialfiction.org – »dot.walk«

.WALK

».walk« von socialfiction.org erhebt die Reglementierungen zum Kunstwerk, in dem Handlungsanweisungen für einen Spaziergang durch eine Stadt vorgegeben werden. Diese Vorgabe entspricht einem Algorithmus und lässt sich auf ein einfaches Computerprogramm zurückführen:
//Classic.walk
Repeat
[
1 st street left
2 nd street right
2 nd street left
]
Das psychogeografische Projekt »dot.walk« liefert eine Handlungsanweisung (Software) zur Benutzung einer Stadt (Hardware). Grundsätzlich verlangt diese künstlerische Position aber nicht zwingend eine Auseinandersetzung mit programmierter Software, sondern reflektiert Regularien und ihren Einsatz ganz allgemein. Das künstlerische Interesse konzentriert sich dabei auf die Instruktion. »If the city is a database of human culture through the ages than generative psychogeography is the query best suited for weaving unconnected facts into a logical dataset…«“

Quelle: http://www.medienkunstnetz.de/werke/dot-walk/

Zoogänge und der erbauliche Spaziergang als Parodie des bürgerlichen Spaziergangs

22 Jul

Die Zoos (wie auch die Tierparks und die Botanischen Gärten) machen es ambitionierten Spaziergängern und einer Spaziergangswissenschaft (im weiteren Sinne) keineswegs leicht. Der Zoo genießt in dieser Szene ein schlechtes Image: eine kommerzielle Institution, von der man nicht viel erwarten kann. Wenn aber Einkaufszentren „erlaubt“ sind, dann sollte man ja auch in den Zoo gehen können, um dort zu flanieren.
Im folgenden erkläre ich, warum der Zoo für ambitionierte Spaziergänger ein schlechtes Image hat, um dann Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen, den Zoo als einen geradezu paradigmatisch-postmodernen Ort für einen ambitionierten Flaneurismus zu präsentieren.

Desert im Burgers‘ Zoo in Arnhem (NL)

So übel kann der Zoo doch gar nicht sein. Selbst Franz Hessel, der Flaneur in Berlin, suchte bei seinen Spaziergängen durch Berlin den Zoo auf: Ähnlich wie bei einem Park nahm er zuerst den Kontrast zur umgebenden Großstadt wahr (der Zoo als Zoologischer Garten): „Aber auch da, wo ihm die Häuser dicht auf den Leib gerückt sind und der Lärm der Hupen, das grelle Licht der Scheinwerfer und Reklamen über seine Mauern dringt – man hat kaum das Portal mit den torhütend lagernden Steinelefanten durchschritten und ist in einer andern Welt.“ In dieser Welt sind die Tiere „Hauptpersonen“. Hessel betont freilich auch den Aspekt der Naherholung, das Spaziergehen entlang des Vierwaldstättersees und die Rolle des Zoos als „herrliches Kinderreich“, in dem Babys spazieren gefahren werden und Jungen auf den Spielplätzen toben. Hessel möchte nicht über die Art und Sitte der Tiere reden, er zieht es vor auf deren „merkwürdige Behausungen“ einzugehen. „Da sie nun einmal zu unserer Lust und Belehrung Gefangenen sind, ist man darauf bedacht gewesen, ihnen ihr Gefängnis möglichst wohnlich einzurichten. Sie sollen das Gefühl haben, in ihre Erdhöhle, ihre Schlicht, ihren Hohlbaum, ihr Nest zu kriechen, wenn sie in das ummauerte Verlies müssen. […] Und doch sind die Felsblöcke wie Kulissen, wie Versatzstücke. Und wie vor dem Puppentheater stehen die Kinder vor den Eisenstäben.

Franz Hessel kann es aber auch kaum kaschieren; – es muss halt sein, dass man auch mal in den Zoo geht. Der Zoo funktioniert in einem metaphorischen Sinne eher als beispielhaft für schlechte Formen des Spaziergangs. Der Zoo als Ort für Spaziergänge, bei denen keine tieferen Absichten zu finden sind, sondern nur der Erbaulichkeit dienen. Von der Weppen (1995, S. 124) spricht von einer „Parodierung des bürgerlichen Spaziergangs“. Solche Spaziergänge sind schales Pflichtprogramm, „bloße Konvention“, „allgemeiner Usus“. Sie führen lediglich zur Erbaulichkeit, und Erbaulichkeit sei eine Form der Empfindung, „die ursprüngliche, echte Empfindung letztlich zerstört“ (ebd., S. 124). Die Parodie besteht darin, dass man nicht spazieren geht, sondern eine Art Spaziergang durchführt, um etwas aufzusuchen, was letztlich vielleicht gar nicht mehr existiert. „Man muss in die Natur hinausspazieren, da es sich so ‚gehört’ naturnah zu sein“ (ebd., S. 124). Ähnlich beim Ausflug in den Zoo: Man geht in den Zoo, um wilde Tiere zu sehen, um ursprüngliche, echte Natur hautnah erleben zu können, und doch ist es so anders – so viel langweiliger, so passiver, so schläfriger – als in den Fernseh-Dokumentationen.
Ganz abgesehen davon, dass im Zoo allzu oft nicht über die Echtheit von Natur reflektiert wird, gerieren sich diese Spaziergänger, diese typischen Zoogänger sogar zu einem moralisierenden Spaziergänger: „Er glaubt ja, das Richtige zu tun, ja er fühlt sich sogar moralisch im Recht, und die Moral ist es ja gerade, die ihn den Blick verstellt: er liebt die Natur nicht, weil er sie liebt, sondern weil er weiß, dass es gut ist, sie zu lieben. So wird der erbauliche Spaziergänger ungewollt zum moralisierenden Spaziergänger, der – selbstgerecht – um die vermeintliche Richtigkeit seines Weges weiß“ (von der Weppen 1995, S. 124). Auch im Fernsehen wird die Natur nicht richtig dargestellt, man konzentriert sich auf die aktiven Phasen, die Action vermitteln; die Geduld, die Wachsamkeit, die Konzentration ist nicht mehr erkennbar. Die Begegnung mit Tieren im Zoo wird so auf eine höhere Stufe gehoben, allein schon deshalb weil es sich um leibhaftige Individuen handelt. Kein Wunder, dass die Kinder im Zoo schnell keine Lust mehr haben auf die wilden Tiere, auf diese echte Natur, und die Zeit stattdessen lieber auf den Spielplätzen verbringen wollen. Der Ausflug in den Zoo wird zu einer Institution, einem pseudo-pädagogischen Pflichtprogramm, dass sich anbietet, ein Sonntagsausflug, ein bildungsbürgerliches Ritual, das man den Kindern als etwas Tolles verkaufen kann, und sich selbst sinnhaft darbietet als Möglichkeit der Naturbegegnung und –bildung.
Darüber hinaus ist der Ausflug in den Zoo aber trotz der Wildheit der Tiere gezähmt und weichgespült. Echte Natur bleibt außen vor, es kommt letztlich weder zu einer Begegnung der Menschen mit Natur, noch zu einer Begegnung mit Menschen, die als störende Außenwelt betrachtet werden können. Im Gegensatz z.B. zu öffentlichen Freibädern wirkt der erheblich höhere Eintrittspreis überaus selektierend.
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The Spirit of Main-(Wein-)-Franken

19 Jul

Hausfassade in der Innenstadt Würzburgs

Wim Wenders: Palermo Shooting (2008)

16 Jul

… mit Campino (von den Toten Hosen in der Hauptrolle), der einen Fotografen spielt, der in eine Krise gerät, und Dennis Hopper als ‚Der Tod‘. Drehorte: Düsseldorf und Palermo…

Rezensionen bei:
faz.net: Palermo shooting. Jedermann ist blind (von Bert Rebhandl)

Spiegel.Online: Wim Wenders‘ „Palermo Shooting“. Passionsspiel mit Punkrockerfratze (von Wolfgang Höbel)

TV-Atempause am Donnerstag 14.07.2011, Arte, 20.15 Uhr

The Spirit of Frankfurt/M.

9 Jul

(Vorlage aus dem Malbuch Frankfurt am Main – Buchhandlung Kunst-Buch, Dr. Bernd Kalusche, Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main, http://www.formfalt.com)

TV-Atempause: Vicky Cristina Barcelona (Woody Allen, 2008)

6 Jul

Am Ende des Films fliegen sie wieder in die USA zurück; die unglaublich hübschen Cristina (Scarlett Johansson) Vicky (Rebecca Hall) und ihr Ehemann Doug. Sind sie nur erlebnishungrige Touristinnen aus den puritanischen USA in einem andern Spanien gewesen?
Die jungen Frauen verbringen einen Sommer in Barcelona. Sie lernen den Künstler Juan Antonio (Javier Baradem) kennen, der sie einlädt zu einem Wochenend-Ausflug nach Oviedo. Er will ihnen diese so romantische Stadt zeigen, und letztlich auch Sex mit ihnen. Vicky und Juan Antonio haben dort Sex in einem Park, dabei ist sie doch verlobt; sie will (den sehr amerikanischen, fließigen aber langweiligen) Doug heiraten und ein Haus bauen. Und eigentlich ist doch Cristina dem Sex mit Juan Antonio nicht abgeneigt gewesen – sie bekam aber Magen-Darm-Alarm. Vicky ist nun sehr verwirrt. Zurück in Barcelon trifft sich Juan Antonio mit Cristina, und sie haben Sex in seinem Atelierhaus. Sie zieht sogar zu ihm, alles läuft gut. Sogar Dag ist inzwischen angereist, um seine Christina in Spanien zu heiraten.
Dann taucht Juan Antonios (sehr spanische) Ex-Frau Maria Elena (Penélope Cruz) auf, die gerade einen Selbstmord-Versuch hinter sich hat. Es entwickelt sich eine Dreierbeziehung: alle beschmusen und bemusen sich gegeneitig. Cristina bekommt viel Input für ihre fotografischen Ambitionen; sie lernt sogar die Arbeit in der Dunkelkammer. Sie selbst fungiert als „fehlende Zutat“ in der ansonsten zum Scheitern verurteilten Beziehung zwischen Maria Elena und Juan Antonio.
Letztlich ist aber Spanien doch nicht so anders, Cristina verlässt die beiden und geht fort. Vicky will es aber auch noch einmal wissen und trifft sich mit Juan Antonio, obwohl sie inwzwischen mit Doug verheiratet ist. Zum Sex kommt es aber diesmal nicht, weil Maria Elena pistolefuchtelnd dazwischenfunkt.

Eine einfache Gechichte, aber sehr raffiniert und mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Ständig sind sie am Weintrinken. Tolles Wohlfühl-Kino; die Stimme aus dem Off hat uns durch die Handlung und durch Barcelona geführt. Vielen Dank.

Rezension bei Zeit.Online: „Nach Spanien! Woody Allens Komödie ‚Vicky Cristina Barcelona‘ zeigt: Amerika braucht Europa, um das Unglück lieben zu lernen

ZDF, 04.07.2011, 22.15 Uhr