Gerolzhofen Unterfranken (SW, 97447, 244 m ü. NN, rund 6500 Einw.), Bereich Mainfränkische Platten/Steigerwald
Schon bei der Einfahrt in die Stadt zeigt sich, was für gestandene Gerolzhofener eine Kränkung sein könnte, aber gleichzeitig (und naheliegenderweise) für das Stadtmarketing benutzt wird: GEO – (kein Hinweis auf geologische oder geographische Besonderheiten, z.B. ein Meteoritenkrater o.ä.), sondern KfZ-Kennzeichen bis 1972. Es gibt die Geomed-Klinik Krankenhaus Gerolzhofen, das Geomaris Badeparadies (Hallen- und Freibad), eine Pizzeria GEO – auf der Speisekarte findet sich der GEO Salat (Grüner Salat, Gurken, Tomaten, Tunfisch, Käse, Schinken, Ei, grüne Peperoni, Oliven, Artischocken), die Pizza GEO (Tomatensoße, Käse, Schinken, Salami, Pilze, Paprika, Artischocken, Oliven), Nudel GEO (mit Fleischsoße, Sahne und Erbsen), Lasagne GEO und Schnitzel GEO (mit Fleischsoße, Sahne und Erbsen, Pommes und Salat), die Geodrom Eventhalle, das Bistro Geo-Treff usw.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung Bayerns wurde der Landkreis Gerolzhofen 1972 aufgelöst und die Stadt verlor den Status einer Kreisstadt. Die ehemalige Kreisstadt Gerolzhofen behielt zunächst eine Anzahl überörtlicher Behörden, die aber nach und nach verlegt wurden.
Gerolzhofen ist ein Mittelzentrum, Wirtschafts- und Schulzenrum für die umliegenden Gemeinden („Marktplatz der Region“). Und so sieht die Stadt auch aus – keine pittoreskes Frankenstädtchen, zu weit weg von Weinfranken und, obwohl es sich als „Tor zum Steigerwald“ bezeichnet, ist es auch von diesem noch zu weit entfernt.
Gerolzhofen ist auch im Programm Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ (Städtebauförderungsprogramm „Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“). Das „Soziale Stadt”-Gebiet umfasst vor allem die Altstadt bis zur äußeren Stadtmauer und dem Alleepark. Auf der Internetseite des Quartiersmanagments steht: „Die Altstadt Gerolzhofens weist im Vergleich zu den umliegenden Wohngebieten Merkmale auf, die für eine Aufnahme in das Programm Sozial Stadt sprechen: Städtebauliche und bauliche Schwächen, Mängel im Wohnumfeld und im öffentlichen Raum, vorhandene Leerstände, Tendenz zu einer einseitigen Bevölkerungsstruktur, Gefährdung der zentralörtlichen Versorgungsfunktion, Kaufkraftverlust durch großflächigen Einzelhandel außerhalb des Stadtkerns.“
Aber dennoch oder gerade deshalb ist Gerolzhofen interessant, und ein paar Sehenswürdigkeiten hat es auch zu bieten.
Ferner hinterlässt auch ein kurzer Blick in die Geschichte der Stadt keinen ruhmvollen Eindruck: 1397-1400 wurde die Stadt im Fränkischen Städtekrieg verwüstet. In der Zeit der Hexenverfolgungen und –verbrennungen unter dem Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (1583-1631) war Gerolzhofen als Hauptgerichtsplatz ein Zentrum. Der Gegenreformator Philipp Adolf von Ehrenberg betrieb eine harte Rekatholisierungspolitik, er war zudem ein unerbittlicher Hexenverfolger. Die Hexenverfolgung, die zwischen 1626 und 1630 ihren Höhepunkt erreichte, hatte Menschen aller Stände im Visier: neben einfachen Leuten wurden auch Adlige, Ratsherren und Bürgermeister auf den Scheiterhaufen verbrannt. In Gerolzhofen wurden angeblich sogar Verbrennungsöfen, um die rund 200 Menschen pro Jahr verbrennen zu können. Viele starben bereits vor ihrer Verurteilung an den Folgen der Folter im Hexenturm und Centgefängnis. [1]
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Stadt ab 1631 wiederholt geplündert und gebrandschatzt. Hinzu kamen Pest und Hungernöte, welche die Bevölkerung der Stadt um ein Viertel dezimierten.
Stadtspaziergang:
Spitalstraße, Weiße Turm-Straße: Fachwerkhaus Teutsch (von 1566) mit Erkertürmchen und Andreaskreuz-Galerien[2], zuletzt Verlagsgebäude der Heimatzeitung „Der Steigerwald-Bote“. Daneben Teutsch am Turm Buchhandlung. Seitengasse Richtung ehemaliges Oberamtshaus rechts der Fachwerkhof Weißer Hof (Toreinfahrt mit wehrgangähnlicher Überdachung und verzierten Rautengefachen[3], idyllischer, durchgegrünt-verwachsener, schön dekorierter Innenhof. Auf der linken Seite das Echterhof Fachwerkhaus mit nachgotischem Treppengiebel und Sechseck-Hofturm von 1609.
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