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frankfurtpostkarte
Postkarte (Collage von Fred Schölling), Michel & Co. FfM.

Es steht inzwischen außer Frage, dass “auch die vertraute Stadt in der Wahrnehmung Ergebnis der Lektüre von strategisch produzieren Städtebildern ist“. Die Soziologin Martin Löw hat sich mit der Vielzahl der zum Verlauf stehenden Postkarten beschäftigt und es zeigt sich deutlich “die Inszenierung von Differenzierung zwischen Städten“. Für Frankfurt kann gelten: “Es dominiert die Skyline, an Tradition rückgebunden durch den Römer oder die Alte Oper, so als verbinde sich alt und neu in der Stadt aufs Harmonischste“.
Zu ergänzen ist noch der Frankfurter Topos eines nationalen und Internationalen Verkehrsknotenpunktes, verortet im Airport, dem Frankfurter Flughafen, und im Frankfurter Hauptbahnhof. Das Image der Stadt als dynamische, weltweit vernetzte Transitregion.

Löw, M. (2008): Wenn Sex zu Image wird. Über die Leistungsfähigkeit vergeschlechtlichter Großstadtbilder, S. 193-206. In: Schott, d. & M. Toyka-Sid (Hrsg.): Die europäische Stadt und Ihre Umwelt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, S. 195 f.

lokauf2beinen

… oder bei bonsound.de; den Song z.B. bei YouTube (Peter Fox: Lok auf 2 Beinen). Viele Grüße nach Berlin.

Mittelrheintal?

Lurchis Abenteuer im Mittelrheintal

Hallo Eva und Mirko, das sieht doch aus wie bei Euch im Mittelrheintal…. Wenn man den Weg von Kaub hoch läuft Richtung Dörscheid, oder? Liebe Grüße MaW

…nterwegs

unterwegs1

Nachdem eshochhut und mirko w. bereits, wohl nicht flächendeckend, aber massiv und ohne Rücksicht auf die eigene körperliche Verfassung, durch Barcelona spaziert sind, begebe ich mich jetzt für eine Woche nach Nordspanien (Ankunft in Santiago de Compostela, Abflug von Santander).

spainisdifferent

Quelle: http://www.theefrit.com/blog/2006/11/26/spain-is-different/

offenbacherkickers

Wenn der Berg ruft, …..”, z.B. am 07.03.2209: Offenbacher Kickers gegen Eintracht Braunschweig – 2:0

SERVICEORIENTIERUNG wird in diesem Beitrag groß geschrieben. Über die Suchstichwörter „my zeil“, „my zeil frankfurt“, “my zeil geschäfte“, „geschäfte in my zeil“, „marken in my zeil“ usw. sind sehr viele Besucher in den letzten Tagen auf den Beitrag “My Zeil und das Sexiness von Shopping” in diesem Weblog gekommen. Dort finden die Besucher aber nicht die Informationen (Geschäfte im neuen Shopping Center MyZeil?), die sie suchen. Es ist nicht besonders überraschend, dass die Beiträge in diesem Weblog, die sich mit überregional bedeutsamen Einkaufszentren beschäftigen mit Abstand die häufigsten Besuche aufweisen. „Meine Hobbys: Freunde treffen, Shoppen, Abhängen” ist nur ein symbolisches Beispiel, welches die lebensweltliche Bedeutung des Einkaufens im Kontext der Daseinsgrundfunktionen verdeutlicht. “Shopping makes the world go round.“

Aber hier nun einige Fakten, nützliche Informationen für die MyZeil-Shopper:

Das Shopping-Center MyZeil, in zentraler Lage auf der Zeil (zwischen Freßgass und Frankfurter Zoo gelegen) weist 80.000 Quadratmeter Fläche auf, Platz genug für einen großen Teil der zur angesagten, in den Fußgängerzonen Deutschlands mehr oder weniger weit verbreiteten Filialen. Es gibt acht Etagen (Untergeschoss, Erdgeschoss und weitere sechs darüber). Die Besucher können mit einer Rolltreppe vom Erdgeschoss direkt ins oberste Geschoss fahren und dann gemütlich nach unten bummeln. Dabei wird es aber keine Zwangsführung, wie in der Zeil-Galerie geben (dort geht die Rolltreppe auch nicht direkt in die oberste Ebene). Täglich werden in MyZeil fünfzig- bis siebzigtausend Einkaufsbummler erwartet (einige notorische Konsumkritiker, von denen es in Frankfurt immer noch einige gibt, argwöhnen dass täglich nur 5.000 Besucher angelockt werden). Eröffnet wird am 26. Februar 2009. Einkaufsbummeln kann man dort von 8.00 Uhr morgens bis 24.00 Uhr, die Gastronomie ist bis 22.00 geöffnet, die Geschäfte angeblich von 10.00 Uhr bis (nur) 20.00 Uhr. Rund 100 Geschäfte werden ihre Waren und ihren Lebensgefühl darbieten. Ankermieter sind Saturn und Anson’s.

Die Geschäfte im Erdgeschoss werden thematisch zusammengefasst zu einem „Walk of Young Fashion“, im ersten Geschoss zu einem „International Place“ und im zweiten Geschoss gibt es „Sports und Leisure“. Es wird, laut Quellen, folgende Läden geben: The North Face (Flagshipstore, Outdoorkleidung), Sidestep, Peak Performance, Tatuum, Replay, Lloyd (Flagshipstore) Basic Hair Shop, Run2, The Phone House, Quicksilver, Cipango, Princess Tam Tam, Samsonite, Biba, Bose, Chiemsee, Coa, Comma, Ecco, Gabor, Gant, Glenfield, Hilfiger Denim, Mustang Jeans, Pandora, Passionata, Pepe Jeans London, S. Oliver (mit 1.800 qm) und viele mehr. 90 Prozent der gesamten Ladenfläche sollen schon vermietet sein. Wegen der Premiumlage mitten auf der Zeil werden bis zu 485 Euro pro Quadratmeter Miete bezahlt. Mehr Marken bzw. Geschäfte habe ich auch nicht rausbekommen. Wer es ganz genau und vollständig wissen will, kann ja beim Projektentwickler anrufen und freundlich nach einer Liste „Marken in MyZeil“ fragen (Bouwfonds MAB Development GmbH, lassen Sie sich durchstellen zum Director Retail und Marketing, Steffen Höhn, Tel.: 069-5060053-0; – und sagen Sie, Sie sind von PASSAGEN, der World Association of City Flaneurs and Urban Strollers – vielleicht hilft das).

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Arbeitsnomaden im ICE

Wochentags transportiert der ICE die Arbeitsnomaden. Streckenweise fährt er zu diesem Zweck sogar recht schnell. Das geschieht bevorzugt auf den spezifischen ICE-Trassen mit den vielen Tunnels und Brücken. Wenn nicht, diskreditieren die Nomaden diesen modernen Zug schnell als Bummelbahn. Das Innere des ICE ähnelt auf eine gewisse Weise einem Flugzeug. Man hat den Eindruck, den Passagieren geht es meist nur um Distanzüberwindung. Was sonst? Um das Unterwegs-sein an sich? Vielleicht ist nicht einmal die Überwindung der Distanz das bestimmende Moment einer Fahrt im ICE. Die Fahrt wird häufig schon als Arbeitszeit benutzt, die Laptops stehen aufgeklappt auf den ausklappbaren Tischen, Internet-Zugang und damit Zugriff auf die E-Mails inklusive. Das Draußen, die Umgebung außerhalb der durchnummerierten Wagen, die Szenerie, die wir Durchreisende so gerne als Landschaft bezeichnen, scheint keine Rolle zu spielen. Sie funktioniert sogar kaum als Kulisse für die Fahrt. Da draußen scheint gar nicht mehr Welt zu sein, höchstens noch ein cartesischer Raum. Wenn die Umwelt ständig nur vorbeifliegt, dann lässt sie sich ja auch keines Blickes würdigen oder bewerten. Die Kulisse der Fahrt ist eher eine akustische, die Durchsagen des Service-Personals, die Handy-Gespräche anderer Passagiere. Weiterlesen »

The Spirit of Hanau

1000 DM, Vorderseite

1000 DM, Vorderseite

Die Brüder Jacob & Wilhelm Grimm auf dem 1000 D-Mark-Schein. Hanau bezeichnet sich als die Brüder-Grimm-Stadt (siehe: http://www.hanau.de)

Brüder-Grimm-Stadt, Hanau

Brüder-Grimm-Stadt, Hanau

Atempause

Frankfurt-Postkarte

Postkarte, Illustration von Klaus Holitzka

Kraftwerk – Autobahn

So viel Verkehr.

Thomson (1978, S. 17) behauptete, dass sich dem Ökonomen der Verkehr als ein „großartiges Chaosdarstellt. Die Großartigkeit bestehe zum Teil in den technischen Errungenschaften des Verkehrs (z.B. Überschallflugzeuge, Großbrücken, U-Bahnen, Luftkissenfahrzeuge, Passagierschiffe). Freilich fasziniert den Ökonomen auch die „gewaltige wirtschaftliche Bedeutung dieses Sektors“, mit „Ausgaben von einer Größenordnung, die in den meisten anderen Wirtschaftszweigen praktisch unbekannt ist.“

Als Chaos empfindet der Ökonom den Verkehrssektor auf der Ebene der Wirtschaftlichkeit (z.B. angesichts der Verkehrsstaus in den meisten Städten der Welt, „des erschreckenden Blutzolls an Unfalltoten und -verletzten auf den Straßen“ und beim Anblick der Bedingungen im öffentlichen Verkehr. Der Ökonom ist fasziniert von dem Vorkommen von Phänomenen wie Monopole, Gesetze und Verordnungen, dem Mangel an Versuchen, den Marktmechanismus vorteilhaft zu nutzen, und selbstverständlich von Nachfrageschwankungen, Gesamtkosten, lang- und kurzfristigen Kosten, externen Kosten und Effekten, Größenvorteilen, Überkapazitäten und Unterkapazitäten, preispolitischer Maßnahmen.

Auch Geographen fühlen sich vom Verkehr angezogen. Die Geographie erregt es, dass die Erde schrumpft als Effekt technologischer Innovationen im Transportwesen (siehe Nuhn & Hesse 2006, Abb. 1.1.3, S. 12), dass Verkehr einen raumdifferenzierenden Faktor darstellt, dass der Verkehr eine grundlegende Bedeutung spielt, um die Grunddaseinsfunktionen (Arbeiten, Einkaufen, Sich Erholen, Freunde Besuchen usw.) miteinander zu verbinden, und schließlich, dass die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Verkehr eine transdisziplinäre Ausrichtung erfordert und stark anwendungsorientiert ist. Weiterlesen »

Frohes Fest

Frohes Fest

SpaceFlaneur wünscht allen Freunden, Bekannten und Besuchern schöne Feiertage.

Blau ist gar keine kalte Farbe.

Wir haben es uns angewöhnt, Blau als kalt zu empfinden. Das kalte Blau ist eine kulturelle Konstruktion, ein moderner Habitus. Im Winter sind die Tage am kältesten, in denen ein blauer Himmel herrscht, das sind die Tage der Kältehochs über Skandinavien und Russland. Wir haben unzählige Fotos von den Polargebieten gesehen, in denen die blaue Farbe vorherrscht. Die Gletscher-Eis Bonbons stecken in einer blauen Verpackung, und im Sommer suchen wir Abkühlung in Schwimmbecken, deren Becken in blauer Farbe gestrichen sind.

Die Grundfarbe Blau steht in einem engen Verhältnis zu den anderen Grundfarben Rot und Gelb. Selbst wenn Blau eine kalte Farbe sein sollte, ist sie das nur, weil Rot als heiße Farbe empfunden wird. Wegen der Komplementarität zu Gelb erhielte dann aber Blau über Orange und Gelb selbst eine warme Nuance. Diese Form der Argumentation ist hier aber bedeutungslos, wegen der grundsätzlichen Behauptung, Blau ist gar keine kalte Farbe. Und wenn sie keine kalte Farbe ist, muss sie eben warm sein – oder zumindest nicht kalt. Der Kalt-Warm-Kontrast von Farben beruht sowieso nur auf dem menschlichen Empfinden. Eigentlich ist es in Bezug auf die Farbtemperaturen sogar umgekehrt. Die Farbtemperatur ist ein Maß für den Farbeindruck einer Lichtquelle. Sie wird definiert als die Temperatur, auf die man einen Schwarzen Körper (Planck’schen Strahler) aufheizen müsste, damit er Licht einer Farbe abgibt, das (bei gleicher Helligkeit und unter festgelegten Beobachtungsbedingungen) der zu beschreibenden Farbe am ähnlichsten ist. Das Licht einer gemeinhin als warm empfundenen Kerze hat eine Farbtemperatur von 1500 K, die Morgen- bzw. Abendsonne 5000 K, das Licht des bedeckten Himmels 6500-7500 K, aber das Licht eines klaren, blauen Himmels hat eine Farbtemperatur von 15.000 bis 27.000 K. Anders ausgedrückt: Von einer kühlen Oberfläche wird hauptsächlich langwellige Strahlung ausgesandt; die Strahlung einer heißen Oberfläche besteht dagegen hauptsächlich aus kurzen Wellenlängen (sichtbares Licht und Ultraviolett). Es stimmt, dass das im Spektrum der elektromagnetischen Strahlung auf das Rot folgende langwelligere Infarot als Wärmestrahlung gefühlt werden kann, und dass wir mit den noch langwelligeren Mikrowellen Speisen erhitzen können. Aber die dem Blau und Violett benachbarte kurzwelligere Ultraviolette Strahlung verursacht heftigen Sonnenbrand. Wenn die ultraviolette Strahlung also solch eine Power hat, dann können wir behaupten, dass Blau eine kraftvollere, mächtige Farbe als Rot darstellt. Blau ist heißer.

Blau ist die Farbe einer existenziellen Sehnsucht.

„Verloren ins weite Blau blicke ich oft
hinauf in den Äther und hinein ins
heilige Meer, und mir ist, als öffnet
ein verwandter Geist mir die Arme,
als löste der Schmerz der Einsamkeit
sich auf ins Leben der Gottheit“

Friedrich Hölderlin, Hyperion

Der Blaue Himmel zeigt uns die Sonne. Er ist das Produkt des weißen Sonnenlichtes und der Luftmoleküle der Erdatmosphäre. Die kurzen Wellenlängen, also die blauen Anteile des stärker gestreut als die anderen Anteile, weshalb der wolkenlose Himmel Blau erscheint. Der klare nachtblaue Himmel eröffnet uns das sternenerfüllte Weltall. Wir lieben es, wenn das Wasser der Meere, der Flüsse oder von Seen blau erscheint. Dann denken wir, es tummeln sich zahllose farbige und silbrige Lebewesen darin.

Überhaupt, wie gut passt Silber- und Goldglanz zu Blau. Das ist so edel, dass kein roter Blutstropfen das zerstören dürfte. Von Adligen wurde gesagt, sie hätten blaues Blut. Dieser Ausspruch soll daher kommen, weil sie so blass waren, dass die blauen Venen durch die Haut schimmerten. Das Verhältnis von Blau zu der Nicht-Farbe Weiß ist eben von subtiler Kontrasthaftigkeit und Schönheit. Noch immer schreiben wir bevorzugt mit blauer Farbe auf weißem Papier. Wir lieben den Kontrast weißgetünchter Häuser, z.B. auf Ibiza, vor dem tiefen Blau des Mittelmeeres und einem wolkenlosen blauen Himmel. Wir lieben die sog. Schäfchenwolken, so sehr dass wir uns flach hinlegen und aus unserer Phantasie ein ganzes Bestiarium hervorstottern.

Aber im Kontrast zu der Nicht-Farbe Schwarz offenbart sich die ganze Kraft des Blau. Wundersam erscheint dort Blau als ein Produkt, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Umhüllt man einen blauen Kreis mir Schwarz, könnte man meinen, dass das Blau langsam verschluckt werden könnte. Aber wie durch eine innere Kraft leuchtet das Blau immer weiter. Dabei ergänzt es die Nicht-Farbe Schwarz so wunderbar und kontrastiert mit ihr nicht schamlos.

Blauer Kreis

In einem Schaufenster eines Geschäftes in der Berger Straße, Frankfurt/Main

Das Foto vom Bild der Erde aus dem Weltraum – ‚The Blue Marble’, “die blaue Murmel”. Eine Ikone der Lebendigkeit und Vitalität, und gleichzeitig eine Mahnung an die Menschheit. Müsste man eine Anthropologie auf der Grundlage von Farben schreiben, dann wäre das Ergebnis eine Philosophie der Beziehungen von Blau zu Weiß bzw. Schwarz.

Dieses Blau, das vom Schwarz umhüllt wird, ist auch die Farbe der Urbanität. Andere Farbtemperaturen sind lediglich Kulissen für das eigentliche Blau. Das städtische Blau ist eine herrliche Farbe des Übergangs, der Phantasie, der Sehnsucht, der Neugier, des Wissen- und Ausprobierenwollens, und gleichzeitig auch der Nichterfüllung, der Unerreichbarkeit, der Ferne. Das ‚Electric Blue’ von Leuchtstoffröhren und anderer Leuchtmittel ist die metropolitane Farbe schlechthin. Es gibt auch eine Flickr-Gruppe mit diesem Titel und entsprechendem Inhalt. Dieses Blau repräsentiert so klar die nächtliche Seite der Urbanität, die Verführungen und Gefahren. Und die spärlich beleuchtete Nacht hat eine besondere Bedeutung für die Urbanität, wie z.B. Mike Davis feststellt (Die Nacht ist lang“, in Die Zeit Nr. 52 vom 18.12.2202, S. 51 f.):

In der urbanen Nacht liegt der eigentliche Ursprung der Moderne. Der Mensch am Beginn des 20. Jahrhunderts lebte im Rhythmus der dunkeln Stadt: Dichter, Revolutionäre, Maler, Kriminelle, Prostituierte, Taxifahrer, Musiker und Journalisten. Diese Somnambulen bewohnten eine Dunkelheit, die mehr war als die Abwesenheit von Sonnenlicht.

Oft suche ich bei nächtlichen Spaziergängen Orte, an denen dieses Blau leuchtet. Flanieren ist für mich eine Tätigkeit, die mit der Farbe Blau korrespondiert, sowohl mit ihrer Farbtemperatur, als auch mit ihrer Symbolik. Ich gehe also ins Blaue. Hätte der Flaneur eine Uniform, dann wäre sie blau.

Blau steht für Harmonie, Gerechtigkeit, Wohlstand ohne Übermaß, Fortschritt ohne Zerstörung, Wissen, Weisheit, Sympathie, Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit. Blau ist ein Versprechen, aber weil Blau nur eine Farbe ist, die zudem auch für Ferne und Sehnsucht steht, kann dieses Versprechen niemals gehalten werden.

Im jahrhundertealten Untergrund der kleinen Stadt Oppenheim am Rhein mit seinen verwinkelten Kellern und Gängen gibt es einen dick ausbetonierten Raum, einen Luftschutzkeller aus dem II. Weltkrieg. Dieser Raum ist mit einem elektrischen Blau ausgeleuchtet. Auch das ist ehrlich; es hätte mich nicht gewundert, wenn sie dort eine Marienstatue aufgestellt hätten.

Luftschutzkeller

Luftschutzkeller im Untergrund der Stadt Oppenheim/Rhein

Wer noch immer nicht glaubt, dass Blau von den Grundfarben die beste ist, sollte sich einmal fragen, ob es rote oder gelbe Jeans gibt. Selbst die Produkte von Lego und Playmobil, die Kindern soviel Freude machen, stecken in einer blauen Verpackung.

Wer sagt denn, dass eine Landschaft so schön sein muss wie in den Nationalparks der USA oder auf den Seychellen?

landschaft-bei-gemunden500

Landschaft ist ja schließlich Kulturlandschaft und als solche ein Produkt, ein Ergebnis des Transformierens, des Entwickelns, des Bearbeitens, des Zerschneidens und des Überschichtens.
Landschaften sind das Ergebnis von landschaft-en, wobei das Sichtbarmachen zur Arbeit dazugehört..

Dieses Bild entstand von der Ruine der Scherenburg oberhalb der Stadt Gemünden am Main. Wir zählten an diesem Standort nicht weniger als sechs Brücken.

Fürther Rathaus

… ein Wahrzeichen der Stadt Fürth (Bayern). Fertig gestellt wurde das italienisch anmutende Rathaus im Jahre 1850. Der Architekt Friedrich Bürklein nahm für den Turm denjenigen des Palazzo Vecchio in Florenz zum Vorbild.

rathausfurth

Nach Einbruch der Dunkelheit wird das Rathaus von Lichterketten illuminiert – eine geradezu prototypisch-einfache Form der Gebäudeillumination, die sich deutlich von den modernen Stadtilluminationen unterscheidet, wie sie z.B. auf der luminale in Frankfurt zu bestaunen sind. Als das Rathaus im Jahr 1989 renoviert wurde, sollte die Beleuchtung entfernt werden, aber die Mehrzahl der Fürther Bürger wehrte sich dagegen. So strahlt das Rathaus noch heute, und der Effekt ist beachtlich, wenn man die Schwabacher Straße (Fußgängerzone) entlang läuft und plötzlich nach einer Biegung das illuminierte Rathaus sichtbar wird. Derselbe Effekt stellt sich ein, wenn man von der Rudolfstraße in die Schwabacher Straße einbiegt.

Fürther Freiheit

Die Fürther Freiheit ist ein rechteckiger, großer Platz in Fürth (Bayern). In seiner Form geht er auf die Nazis zurück, die 1938 einen Aufmarschplatz haben wollten. Das ist nicht weiter überraschend, war doch das der Stadt Fürth direkt benachbarte viel größere Nürnberg eine Lieblingsstadt Adolf Hitlers. Nürnberg war die Stadt der Reichsparteitage, und dort wurden die Nürnberger Gesetze verabschiedet. In Nürnberg wirkte einer der schlimmsten Nazi-Teufel, der Frankenführer Julius Streicher, ein persönlicher Freund Hitlers.

Noch früher endete auf der Fürther Freiheit die Bayerische Ludwigsbahn. Diese erste deutsche Eisenbahn fuhr seit 1835 unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit vom Plärrer in Nürnberg entlang der Fürther Straße über die heutige Hornschuchpromenade und Königswarterstraße in Fürth bis zum damaligen Bahnhof. Dieser wurde 1938 von den Nazis abgerissen, wodurch der Platz entstand, der heute Fürther Freiheit heißt. Er ist einer der lebendigsten Plätze der Stadt. In den umliegenden Gebäuden sind Kaufhäuser, andere Geschäfte sowie Gastronomie untergebracht.

An diese frühe Epoche der Eisenbahn erinnert kaum noch etwas. Ein Viertel des Platzes ist heute, an einem Freitag im Dezember, von einem Weihnachtsmarkt eingenommen. Die Buden sind so angeordnet, dass der Weg in einer Schlangenlinie zwischen ihnen hindurchführt. Hinter jeder Biegung folgt ein weiterer Bratwurst-Imbiss (die Auswahl ist verführerisch groß), ein weiterer Glühweinstand (die Auswahl ist berauschend) und Stände mit Geschenk- und Dekorationsartikeln, sowie Losbuden. Plötzlich ein Stall mit echten Schafen, und dann die Best-Western-Bahn für die Kinder, die damit ein paar Runden durch eine farbig beleuchtete Weihnachtsdekorations-Kunstlandschaft fahren. Ich muss an die Ludwigsbahn denken mit der Dampflokomotive Adler, die sie gezogen hat.

Dann fällt mir auf, dass für einen Freitagabend ja eigentlich gar nicht so viel los ist auf diesem Weihnachtsmarkt. In Nürnberg findet der weltberühmte Christkindlmarkt statt. Angesichts der Tatsache, dass dort jedes Jahr über zwei Millionen Besucher gezählt werden, bin ich froh hier in Fürth zu sein, geradezu erleichtert und hole mir noch einen Glühwein. Auf einer kleinen Bühne singt der Seemannschor Nürnberg. Ich weiß nicht, was ich als ungereimter bezeichnen soll: ein Seemannschor aus Nürnberg, oder die Tatsache, dass ein Nürnberger Seemannschor auf dem Weihnachtsmarkt auf der Großen – Entschuldigung – Fürther Freiheit in Fürth auftritt.

seemannschornurnberg

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Urban Exploration könnte man einfach mit Stadterkundung übersetzen. Aber inzwischen meint man damit die gezielte Erkundung von bestimmten Einrichtungen des städtischen Raumes, die eigentlich weniger zugänglich sind und gemeinhin nicht die Sehnsuchtsorte eines gewöhnlichen Spaziergängers oder Exkursionisten darstellen.

Im Mousonturm

Im Mousonturm in Frankfurt, Mitte der 1980er Jahre (drei weitere Fotos vom Mousonturm am Ende dieses Beitrags).

Urban Explorer erkunden alte Industrieruinen, verlassene Häuser, Kanalisationen, Tunnel, Katakomben, Schächte, Dächer usw.! Warum machen die so etwas, das ist doch in der Regel sogar illegal? Ja, das ist es wohl, und man sollte nicht erwarten, dass man leicht Sondergenehmigungen bekommt, um solche Orte aufsuchen zu dürfen. Urban Explorers ignorieren die Verbotsschilder, suchen einen Eingang oder Durchgang. Wenn es nötig ist, schaffen sie sich Zugang.

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…die (nicht immer, aber immer öfter) wöchentlich erscheinende Rhein-Main-Kolumne:

Eine Stadt ist so sexy, wie ihre Einkaufszentren, oder? In Frankfurt auf der Zeil können bald, wenn die lüsternen, shopping-geilen Massen aus der B-Ebene der Hauptwache das Etablissement betreten, zur prallsten, erotischsten Drüse der Einkaufscity strömen. Das vom Star-Architekten Massimiliano Fuksas entworfene neue Shopping-Center hat eine Fläche von 80.000 Quadratmeter. Es soll am 26. Februar eröffnet werden. Das wird ein Paradigmenwechsel, eine Zeitenwende. Eine neue Dimension innerstädtischer Shopping-Erotik kündigt sich an, die quasi-sexuelle Befreiung des Konsums.
Die Zeil, jeder kennt sie – und auf eine mysteriöse Weise (vielleicht aus infrastrukturellen Gründen), ist sie unvermeidlich. Weiterlesen »

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