Schottische Klischees und Topoi

13 Dez

Am Rand Europas‘, Blau-Weiß, Regen, Nebel, „Four Seasons in one Day“, Highlands, Munros (Berge höher als 3000 ft., 914 m ü.d.M.), ‘Scot’s Pine’, Lochs, Schafe, Hochlandrinder, Clans, Dudelsack, Tartan, Kilts, Disteln, Ginster, Rhododendren, Macbeth, Steinkreise, Burg- und Klosterruinen, Highland Games, „Highlander“ (Kinofilm von 1986 mit Christopher Lambert und Sean Connery), „Braveheart“ (Kinofilm von 1995 mit Mel Gibson – überwiegend in Irland gedreht!); Innere und Äußere Hebriden, Shetland Islands, Orkney Islands, William Wallace und Robert Bruce, ein gewisser Hass auf England, ‘Auld Alliance‘, Maria Stuart (die Schottenkönigin), Jakob VI. (Maria Stuarts Sohn, später Jakob I. von England), ‚Bonnie Prince Charlie‘, Schlacht von Culloden (16. April 1746), Puritanismus, Geiz, „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (Roman von Robert Louis Stevenson, 1886), James Macpherson (1736-1796, Schriftsteller „Ossianische Dichtungen“), James Boswell’s „Journal von einer Reise zu den Hebriden mit Samuel Johnson“ (1785), Sir Walter Scott (1771-1832, Schriftsteller u.a. „The Lady oft the Lake“), Balmoral Castle, Royal Yacht Britannia (im Hafen von Edinburgh), Robert Burns (1759-1796, Schriftsteller), ‚Burns Supper‘ (am 25.Januar), „Auld Lang Syne“ (eines der bekanntesten Lieder von Robert Burns), Whiskey, Haggis (gefüllter Schafsmagen), Loch Ness, „Nessie“, Mull of Kintyre (Titel eines Songs von Paul McCartney/Wings 1977), St. Andrews University, Golf, Pubs, Edinburgh, Glasgow, Glasgow Rangers vs. Celtic Glasgow, Rugby, Charles Rennie Mackintosh (einer der Begründer des Jugendstils), ‚Porridge‘, Shetland-Pony, Klonschaf Dolly, Edinburgh International Festival, „Trainspotting“ (Verfilmung des gleichnamigen Romans von Irvine Welsh 1996, Regie Danny Boyle)

Kulturalistische Botanik, Bühler & Rieger’s ‚Florilegium des Wissens’, Urban Gardening, Dominik Eulberg’s ‚Herbarium’, Pflanzensoziologie, Boas’ ‚Dynamische Botanik’, ‚Poison Ivy’, Capgras-Syndrom, sowie die häufigsten Pflanzenarten Mitteleuropas

12 Dez

Es gibt eine beträchtliche Zahl sog. ‚Kulturpflanzen’: Nahrungspflanzen, Faserpflanzen, Pflanzen, die uns Baumaterial, Medizin liefern usw. Das Leben der Pflanzen hat demnach eine kulturelle Dimension. Das ist gewissermaßen die Makroperspektive, die Pflanze als Rohstofflieferant. Eine spektakuläre Ausblühung dieser Makro-Sicht ist die bei manchen sicherlich Anstoß erregende oder ein abgebrühtes Grinsen hervorrufende sog. „’Stoned Ape’-Theorie der menschlichen Evolution“ des amerikanischen Anthropologen, Ethnopharmakologen, Schamanisten (usw.) Terence McKenna (1946-2000): der regelmäßige, auch hochdosierte, Verzehr von halluzinogenen Pilzen als Stimulans religiöser Erfahrungen, gesellschaftsfördernder Sexualpraktiken, selbstbewussten Denkvermögens und letztlich auch als Katalysator für die Evolution der Sprache (siehe McKenna, T.: Food of the Gods. The Search of the Original Tree of Knowledge – A Radical History of Plants, Drugs, and Human Evolution. Bantam Books, New York, – auf Deutsch erschienen 1996: ‚Die Speisen der Götter. Die Suche nach dem Baum der Erkenntnis’). Ich bezweifle, dass diese Theorie inzwischen in die Standard-Lehrbücher über die Evolution und Stammesgeschichte des Menschen eingegangen sind; aber das ist in diesem Zusammenhang nicht wichtig.

Aber denken wir jetzt mal an die Gärten, diese komplexen, vielschichtigen Assemblages im Schnittraum von Natur und Kultur, die kulturellen Konnotationen dieses so populären Ortes, die physiologischen und psychologischen Wirkungen der Gartenarbeit, oder der puren Möglichkeit kindlicher Freizeit- und Freiraumgestaltung in einem vorhanden-zugänglichen Garten. Reiner, unverfälschter Utopismus des Apfelbaumgärtchens?

Der Apfel erweist sich als Allegorie menschlicher Kultur. Ob verhandelt wird, wie sein Genuss den Menschen aus dem Garten Eden vertrieb, durch ihn der ‚wilde Westen’ zivilisiert und kultiviert wurde, er mit seinem Fall auf den Kopf des Mathematikers, Physikers und Astronoms Isaac Newton die klassische Mechanik begründete oder die an ihm erfundene Kulturtechnik der Pfropfung das Gleiten der Signifikanten oder die Entstehung von Bedeutungsüberschüssen beschreibt. Der Apfel ist der Kern von Erzählungen darüber, wie der Mensch zu einem Kulturwesen wurde und sich kulturelle Prozesse vollziehen“ (Bühler, B. & S. Rieger: Das Wuchern der Pflanzen. Ein Florilegium des Wissens. Frankfurt 2009, S. 30).

Oder wissen Sie welche Erwartungen an ‚Urban Gardening’ bzw. ‚Urban Agriculture’, ‚Urban Farming’ geknüpft werden (siehe z.B.: http://www.urban-gardening.eu/, http://urbanacker.net/ oder http://www.urbanfarming.org:) „Urban farming’s mission is to create an abundance of food for people in need by planting, supporting and encouraging the establishment of gardens in unused land and space while increasing diversity, raising awareness for health and wellness, inspiring and educating youth, adults and seniors to create an economically sustainable system to uplift communities around the globe“.

Informieren Sie sich doch mal zum Beispiel über die Bedeutung von Urban Farming in Detroit (eine der am stärksten schrumpfenden, desaströsen Städte der USA). >>> Ja, es wird wieder in den Apfel gebissen, ein neuer Zyklus beginnt: die Wiedererschließung, -aneignung und -gewinnung von (Lebens-)Raum, in diesem Fall städtischer Brachen, wenn Sie wollen ‚Wildnisse’.

Und die etwas partisanenhaftere Version des Urban Farming: Guerilla Gardening –  die Invasion der Grünen Krieger bewaffnet mit Samenbomben (inzwischen auch bei Amazon erhältlich für 4,99 Euro) (siehe: Richard Reynolds & Max Annas: „Guerilla Gardening. Ein botanisches Manifest“ – Orange Press, Freiburg 2010 sowie http://www.guerrillagardening.org/, http://www.guerillagaertner.com/)

Dann die Parkanlagen, der Wald usw. Pflanzen sind auch Inspirationsquelle und ein nahezu unendlicher Fundus für menschliche Artefakte, z.B. Parkplatz- und Dachbegrünungen, Vasen, Dekorationsartikel, Namen, Illustrationen etc. Welchen Antrieb hat beispielsweise der Techno-Produzent Dominik Eulberg eines seiner Releases „Herbarium“ zu nennen mit den Tracks „Kriechender Günsel (Ajuga reptans)“ und „Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi)“? Eine verborgene unter Techno-DJs verbreitete tribalistische Struktur, der Glaube an Pflanzendevas (siehe Wolf-Dieter Storl: „Pflanzendevas – Die Göttin und ihre Pflanzenengel“ AT-Verlag, Aarau, CH, 1997) oder einfach nur eine gewisse Liebe zur Natur vielleicht verbunden mit einer langjährigen Mitgliedschaft im Nabu Eulbergs Album „Heimische Gefilde“ wurde 2007 mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Die Formulierung, dass es eine Kultur der Pflanzen gibt, mag trotzdem befremdlich anmuten, denn sie sind ja, gemäß unserer dualistischen Denkweise nicht Kultur, sondern Natur. Es gibt Lehrbücher der Pflanzensoziologie (Phytozönologie), – was den Nicht-Botaniker irritieren könnte. Weiterlesen 

Metastadt – Spaziergangswettbewerb 2011/12

18 Nov

nach dem Erfolg des letzten Jahres lobt Metastadt auch dieses Jahr wieder einen Spaziergangswettbewerb aus.

Weitere Informationen: http://metastadt.wordpress.com/2011/08/12/metastadt-spaziergangswettbewerb/

Einsendeschluss: 30.11.2011

STADTERFAHRUNGEN

Die Stadt als Horizont des Denkens[1]: Der Spaziergangswettbewerb 2011 steht unter dem Motto STADTERFAHRUNGEN. Mit diesem Thema wollen wir anregen sich auf den Weg zu begeben und sich der Stadt zu öffnen. Erfahrungen mit und in der Stadt zu machen, persönliche Wege zu erschließen und den Spaziergang unter den eigenen Sohlen – getreu dem Motto „der Weg entsteht beim Gehen“ – zu finden. Der Zufall spielt hier eine große Rolle, ebenso wie die subjektive Wahrnehmung. „Je mächtiger das Begehren ist, die Stadt zu sehen und zu begreifen, desto größer ist die Intensität ihrer Zeichen.“  Diese Zeichen gilt es zu finden und zu decodieren, sie in einen Zusammenhang zu bringen und etwas persönliches daraus abzuleiten, sei es eine Erinnerung, eine Bemerkung, ein Bild oder eine Erkenntnis. Was sagt die Stadt, welche Überaschungen hält sie für uns bereit, was wird sichtbar, das bislang verborgen war? Folgt eurer Neugier und eurem Interesse und lasst uns und andere an euren Erfahrungen teilhaben.

Teilnahmebedingungen und Einreichung der Beiträge siehe http://metastadt.wordpress.com/2011/08/12/metastadt-spaziergangswettbewerb/

[1] Jeudy, Henri-Pierre: Stadterfahrungen, Merve, Berlin, 1998.

Gutleut-Verlag, Frankfurt/Main; der Künstler Michael Wagener und sein Projekt ‘neuer Atlas’

23 Sep

taschenatlas

„Der Künstler Michael Wagener (geboren 1966) arbeitet mit verschiedenen Medien – Installation, Skulptur, Fotografie und Bild – zum Thema Raum und Erscheinungsformen von Raum. Er hat sich vor allem mit der Kartografie als einer Form der Raumkonzeption auseinandergesetzt. Im diesem Zusammenhang ist er auf den Kartografen Gerhard Mercator, den ‚Erfinder‘ des Atlasses, gestoßen. Anders als heutige Ausgaben, bietet der von Mercator zusammengestellte allererste ‚Atlas’ aus dem Jahr 1595 nicht bloß eine Sammlung topografischer und politischer Karten: „Es handelt sich vielmehr um ein für die Renaissance nicht untypisches ‚Welterklärungsmodell‘, aber auch um eine Art Gesamtkunstwerk, in dem Wissenschaften, Religion und Kunst miteinander verschmelzen“ (M.W., Vorbemerkung zum ‚taschenatlas’, S. 17). – An diese Konzeption anknüpfend, hat Michael Wagener sein Atlasprojekt entwickelt und Künstler, Literaten und Wissenschaftler eingeladen, mit ihm zusammen einen neuen Atlas zu entwerfen. Wie der Atlas Mercators soll sich auch dieses Buchprojekt ‚verschiedensten künstlerischen und wissenschaftlichen Formen der Weltbeschreibung und Darstellung von Welt widmen, so dass sich auch hier Kunst und Wissenschaft dialogisch miteinander verbinden’ (ebd.).
Der vorliegende ‚taschenatlas’ kann als eine selbständige Vorstufe des geplanten größeren Projekts ‚neuer atlas’ verstanden werden. In ihm sind einige der Texte und Projekte sowie Karten, Bilder und Zeichnungen in ihren inhaltlichen und gestalterischen Ansätzen versammelt, die für den ‚neuen atlas’ erweitert, ergänzt und miteinander verwoben werden sollen. Auch für den ‚taschenatlas’ hat der Atlas Mercators das Vorbild geliefert: Das große, sperrige Original lag in einer handlicheren und übersichtlicheren Ausgabe vor, die in der Seefahrt und bei Reisenden sehr beliebt war.“

Quelle: Gutleut-Verlag, Frankfurt/M. >> http://www.gutleut-verlag.com/index.php?id=24; dort auch Hinweise zu den am ‚taschenatlas’ beteiligten Künstlerinnen und Künstler

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dauerlandschaft

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„Das Buch ‚dauerlandschaft’ bildet den zweiten Teil des Projekts ‚neuer atlas’ und knüpft an die Publikationen ‚taschenatlas’/’taschenkosmos’ an. Der Bildband zeigt neue flächenhafte, kartografische Arbeiten des Künstlers Michael Wagener, die als Tapeten und Raumentwürfe angelegt und in der Werkgruppe der ‚dauerlandschaften’ und ‚dauerräume’ zusammengefasst sind. Diese Montagen von Collagen werden im Textband mit einem einleitenden Text sowie einem speziell für das Buch entstandenen Gedichtzyklus des Lyrikers Marcus Roloff und einem Textzyklus der Autorin Kirsten Kohlhaw zum gemeinsamen Thema dauerlandschaft kombiniert.“

Quelle: Gutleut-Verlag, Frankfurt/M. http://www.gutleut-verlag.com/index.php?id=58

 

The Spirit of Frankfurt/Main

14 Sep

… by P., 09/2011

Im Zoo zu den Affengehegen

19 Aug

Wenn ich durch einen Zoo spazieren gehe, dann ist einer der Höhepunkte, einige Zeit vor den Gehegen der Menschenaffen stehen zu bleiben und diese zu beobachten. Was mich daran fasziniert, ist weniger der Anlass  zu reflektieren, ob die Mitprimaten über Kultur oder Geist verfügen, sondern nachzudenken, wie es mit unserer Kultur oder unseren Handlungssystemen steht hinsichtlich des Umgangs mit unseren nächsten Verwandten (und mit anderen Tierarten und mit der sog. Natur). Mich interessiert also nicht einmal besonders inwieweit unsere Kultur in der evolutionären Stammesgeschichte verwurzelt ist. Ich suche im Zoo bei den Menschenaffen auch nicht nach evolutionspsychologischen Erklärungen für meine Sehnsüchte, Ängste, meinen Hedonismus, Egoismus, Empathie, mein Sozialverhalten usw.
Allerdings könnte es durchaus interessant sein, welche Erklärungen aus evolutionspsychologischer Sicht es geben könnte, dass wir Menschenaffen oder allgemein wilde Tiere in Zoos hegen und pflegen? Wäre es nicht vorteilhafter diese Tierarten auszurotten, da sie Nahrungskonkurrenten darstellen, potenziell eine Bedrohung für Leib und Leben darstellen, und uns daran hindern, unseren Lebensraum auszudehnen. Oder ist in uns das Wahrnehmungsmuster verankert, dass wir potenziell jede Tierart noch als Haus- und Nutztier oder auch nur als Lieferant für Medikamente oder nützliche Gene entdecken könnten, wenn die Zeit reif ist, so dass wir im Anschluss einen gehörigen Fortschrittsschub erfahren würden.

Ich persönlich glaube, dass Mitprimaten (und nicht nur diese) über Kultur und Geist verfügen. So intensiv habe ich mich mit dieser Frage aber nicht beschäftigt, um hier jetzt Einblicke in die wissenschaftliche Diskussion zu geben, deswegen „glaube“ ich es (ja auch nur).

Im Sinne von Volker Sommer (2003, S. 116) zähle ich mit dieser Einstellung zu den (Laien-)Anthropomorphisten. Meine Position ist demnach „protagonistisch“, weil ich die Gemeinsamkeiten betone. Die andere Position wäre skeptisch bzw. ein Anthropozentrismus.

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Durch die schöne, neue Welt des Zoos

19 Aug

Können wir uns vorstellen, wie es ist ein Krokodil im Zoo zu sein?

Mein Name ist Hugo, ich bin ein Neuguinea-Krokodil (glaube ich zumindest). – Gut, sehr gut geht es mir hier. Das Gehege bietet mir alles, was ich benötige: ausreichende Luftfeuchtigkeit, ein Wasserbassin mit schmuddlig-trübem Wasser. Dessen Temperatur und die der Umgebungsluft sind äußerst angenehm. Keine meteorologischen Störungen, keine Wasserverschmutzung. Subtropische Pflanzen lassen ihre Zweige über die Wasseroberfläche hängen. Der Beton fühlt sich an wie natürliches Gestein. Ich liege dort herum, ab und zu wird Nahrung gereicht. Wenn mich irgendwelche Vögel nerven, kann ich auch mal wild werden. Monoton ist es nicht, für Abwechslung wird gesorgt. Prinzipiell genieße ich die Ruhe. Man gibt mir sogar die Möglichkeit zur Fortpflanzung, und mein Animal Welfare-Index ist im Vergleich zu meinen Verwandten in der freien Wildbahn hoch. Die Sonne vermisse ich nicht, das künstliche Licht ist ein vollkommener Ersatz. Die Sterne am Himmel kümmern mich nicht. Ich muss auch keine Feinde fürchten, ich werde nicht verfolgt, nicht angegriffen und nicht erlegt. Vielleicht bin ich ein transgenes Krokodil oder durch Inzucht degeneriert, – aber mir geht es gut. Es muss hier keiner vor mir Angst haben (außer ein paar lästige Singvögel)

Wer würde angesichts solcher Zustände an das Ende seiner Natur denken? Wer denkt an Datenbanken, Gentechnologie, DNS-Sammlungen, Gen-Patente, PID, PCR, Künstliche Befruchtung, Embryonentransfer, transgene Tiere, Stammzellen, Klone, Gen-Pharming, an das Human Genome Project, Xenotransplantationen, Keimbahnveränderungen, Fortpflanzungsprogramme usw.?

Warum ich beim Zoo daran erinnert werden, dass uns eventuelle das Ende des Menschen bzw. des Menschlichen bevorsteht, dass ich an die Fortschritte der Bio- und Gentechnologie denken muss, hat auch einen technikphilosophischen Hintergrund.

Wenn wir bei Technik primär an die Umwandlung und Umgestaltung anorganischer Ressourcen denken, erscheint uns das relativ harmlos. Wir bearbeiten Steine, betreiben Bergbau usw. Hammer, Bohrmaschine, Bagger, Lastwagen, Dampfmaschine, Fabriken, Industriegebieten – harmlose Begriffe, weitgehend unspannend. Inzwischen auch alles weitgehend sauber, kaum noch schmutziger Rauch; Fabriken, die aussehen wie große Lagerhallen. Harmlos und gleichzeitig so nützlich: Stoffwandlungstechnik (z.B. Verfahrenstechnik, Fertigungstechnik, Produktionstechnik), Stofftransporttechnik (z.B. Fördertechnik, Verkehrstechnik), Stoffspeichertechnik (z.B. Lagertechnik, z. T. Bautechnik), Energiewandlungstechnik, Energieübertragungstechnik, Energiespeichertechnik, Informationsverarbeitungstechnik (einschließlich Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik), Informationsübertragungstechnik (beispielsweise Nachrichtentechnik), Informationsspeichertechnik (einschließlich Drucktechnik, Tontechnik, Fototechnik, Filmtechnik). Schöne Technikwelt – seit jeher. Aber kein Pop (abgesehen von der Informationsspeichertechnik). Technik oder Technologie, da gibt es ja wohl einen Unterschied? Weiterlesen 

Landschaft als Weltsicht – Ausstellung im Museum Wiesbaden

19 Aug

Ausstellung im Museum Wiesbaden (15. Mai. bis 3. Oktober 2011): Landschaft als Weltsicht

weitere Informationen hier: http://www.museum-wiesbaden.de/austellung/landschaft.html

Landschaftssicht ist Weltsicht. – Wir malen und fotografieren Landschaften, und dabei bilden wir nicht ab, sondern wir registrieren, wie  wir diese Landschaften wahrnehmen. Und diese Registraturen verändern sich im Laufe der Zeit; es bilden sich unterschiedliche Blickweisen (Brillen) – auch in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Medien (neben Malerei inzwischen auch Fotografie, Film und Video)…

„Eins links, eins rechts“ – ‘Algorithmic Walking’

24 Jul

Another approach commonly adopted elsewhere was ‘algorithmic walking’ [...] The classic version directs walking according to a pattern of turns such as ‘first street right, second street left, first street left and repeat’” (Pinder, D.: Arts of urban explorations. In: cultural geographies 2005/12: 383-411 (p. 397))

socialfiction.org – »dot.walk«

.WALK

».walk« von socialfiction.org erhebt die Reglementierungen zum Kunstwerk, in dem Handlungsanweisungen für einen Spaziergang durch eine Stadt vorgegeben werden. Diese Vorgabe entspricht einem Algorithmus und lässt sich auf ein einfaches Computerprogramm zurückführen:
//Classic.walk
Repeat
[
1 st street left
2 nd street right
2 nd street left
]
Das psychchogeografische Projekt »dot.walk« liefert eine Handlungsanweisung (Software) zur Benutzung einer Stadt (Hardware). Grundsätzlich verlangt diese künstlerische Position aber nicht zwingend eine Auseinandersetzung mit programmierter Software, sondern reflektiert Regularien und ihren Einsatz ganz allgemein. Das künstlerische Interesse konzentriert sich dabei auf die Instruktion. »If the city is a database of human culture through the ages than generative psychogeography is the query best suited for weaving unconnected facts into a logical dataset…«“

Quelle: http://www.medienkunstnetz.de/werke/dot-walk/

Zoogänge und der erbauliche Spaziergang als Parodie des bürgerlichen Spaziergangs

22 Jul

Die Zoos (wie auch die Tierparks und die Botanischen Gärten) machen es ambitionierten Spaziergängern und einer Spaziergangswissenschaft (im weiteren Sinne) keineswegs leicht. Der Zoo genießt in dieser Szene ein schlechtes Image: eine kommerzielle Institution, von der man nicht viel erwarten kann. Wenn aber Einkaufszentren „erlaubt“ sind, dann sollte man ja auch in den Zoo gehen können, um dort zu flanieren.
Im folgenden erkläre ich, warum der Zoo für ambitionierte Spaziergänger ein schlechtes Image hat, um dann Chancen und Möglichkeiten zu eröffnen, den Zoo als einen geradezu paradigmatisch-postmodernen Ort für einen ambitionierten Flaneurismus zu präsentieren.

Desert im Burgers’ Zoo in Arnhem (NL)

So übel kann der Zoo doch gar nicht sein. Selbst Franz Hessel, der Flaneur in Berlin, suchte bei seinen Spaziergängen durch Berlin den Zoo auf: Ähnlich wie bei einem Park nahm er zuerst den Kontrast zur umgebenden Großstadt wahr (der Zoo als Zoologischer Garten): „Aber auch da, wo ihm die Häuser dicht auf den Leib gerückt sind und der Lärm der Hupen, das grelle Licht der Scheinwerfer und Reklamen über seine Mauern dringt – man hat kaum das Portal mit den torhütend lagernden Steinelefanten durchschritten und ist in einer andern Welt.“ In dieser Welt sind die Tiere „Hauptpersonen“. Hessel betont freilich auch den Aspekt der Naherholung, das Spaziergehen entlang des Vierwaldstättersees und die Rolle des Zoos als „herrliches Kinderreich“, in dem Babys spazieren gefahren werden und Jungen auf den Spielplätzen toben. Hessel möchte nicht über die Art und Sitte der Tiere reden, er zieht es vor auf deren „merkwürdige Behausungen“ einzugehen. „Da sie nun einmal zu unserer Lust und Belehrung Gefangenen sind, ist man darauf bedacht gewesen, ihnen ihr Gefängnis möglichst wohnlich einzurichten. Sie sollen das Gefühl haben, in ihre Erdhöhle, ihre Schlicht, ihren Hohlbaum, ihr Nest zu kriechen, wenn sie in das ummauerte Verlies müssen. [...] Und doch sind die Felsblöcke wie Kulissen, wie Versatzstücke. Und wie vor dem Puppentheater stehen die Kinder vor den Eisenstäben.

Franz Hessel kann es aber auch kaum kaschieren; – es muss halt sein, dass man auch mal in den Zoo geht. Der Zoo funktioniert in einem metaphorischen Sinne eher als beispielhaft für schlechte Formen des Spaziergangs. Der Zoo als Ort für Spaziergänge, bei denen keine tieferen Absichten zu finden sind, sondern nur der Erbaulichkeit dienen. Von der Weppen (1995, S. 124) spricht von einer „Parodierung des bürgerlichen Spaziergangs“. Solche Spaziergänge sind schales Pflichtprogramm, „bloße Konvention“, „allgemeiner Usus“. Sie führen lediglich zur Erbaulichkeit, und Erbaulichkeit sei eine Form der Empfindung, „die ursprüngliche, echte Empfindung letztlich zerstört“ (ebd., S. 124). Die Parodie besteht darin, dass man nicht spazieren geht, sondern eine Art Spaziergang durchführt, um etwas aufzusuchen, was letztlich vielleicht gar nicht mehr existiert. „Man muss in die Natur hinausspazieren, da es sich so ‚gehört’ naturnah zu sein“ (ebd., S. 124). Ähnlich beim Ausflug in den Zoo: Man geht in den Zoo, um wilde Tiere zu sehen, um ursprüngliche, echte Natur hautnah erleben zu können, und doch ist es so anders – so viel langweiliger, so passiver, so schläfriger – als in den Fernseh-Dokumentationen.
Ganz abgesehen davon, dass im Zoo allzu oft nicht über die Echtheit von Natur reflektiert wird, gerieren sich diese Spaziergänger, diese typischen Zoogänger sogar zu einem moralisierenden Spaziergänger: „Er glaubt ja, das Richtige zu tun, ja er fühlt sich sogar moralisch im Recht, und die Moral ist es ja gerade, die ihn den Blick verstellt: er liebt die Natur nicht, weil er sie liebt, sondern weil er weiß, dass es gut ist, sie zu lieben. So wird der erbauliche Spaziergänger ungewollt zum moralisierenden Spaziergänger, der – selbstgerecht – um die vermeintliche Richtigkeit seines Weges weiß“ (von der Weppen 1995, S. 124). Auch im Fernsehen wird die Natur nicht richtig dargestellt, man konzentriert sich auf die aktiven Phasen, die Action vermitteln; die Geduld, die Wachsamkeit, die Konzentration ist nicht mehr erkennbar. Die Begegnung mit Tieren im Zoo wird so auf eine höhere Stufe gehoben, allein schon deshalb weil es sich um leibhaftige Individuen handelt. Kein Wunder, dass die Kinder im Zoo schnell keine Lust mehr haben auf die wilden Tiere, auf diese echte Natur, und die Zeit stattdessen lieber auf den Spielplätzen verbringen wollen. Der Ausflug in den Zoo wird zu einer Institution, einem pseudo-pädagogischen Pflichtprogramm, dass sich anbietet, ein Sonntagsausflug, ein bildungsbürgerliches Ritual, das man den Kindern als etwas Tolles verkaufen kann, und sich selbst sinnhaft darbietet als Möglichkeit der Naturbegegnung und –bildung.
Darüber hinaus ist der Ausflug in den Zoo aber trotz der Wildheit der Tiere gezähmt und weichgespült. Echte Natur bleibt außen vor, es kommt letztlich weder zu einer Begegnung der Menschen mit Natur, noch zu einer Begegnung mit Menschen, die als störende Außenwelt betrachtet werden können. Im Gegensatz z.B. zu öffentlichen Freibädern wirkt der erheblich höhere Eintrittspreis überaus selektierend.
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The Spirit of Main-(Wein-)-Franken

19 Jul

Hausfassade in der Innenstadt Würzburgs

Wim Wenders: Palermo Shooting (2008)

16 Jul

… mit Campino (von den Toten Hosen in der Hauptrolle), der einen Fotografen spielt, der in eine Krise gerät, und Dennis Hopper als ‘Der Tod’. Drehorte: Düsseldorf und Palermo…

Rezensionen bei:
faz.net: Palermo shooting. Jedermann ist blind (von Bert Rebhandl)

Spiegel.Online: Wim Wenders’ „Palermo Shooting“. Passionsspiel mit Punkrockerfratze (von Wolfgang Höbel)

TV-Atempause am Donnerstag 14.07.2011, Arte, 20.15 Uhr

The Spirit of Frankfurt/M.

9 Jul

(Vorlage aus dem Malbuch Frankfurt am Main – Buchhandlung Kunst-Buch, Dr. Bernd Kalusche, Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main, www.formfalt.com)

TV-Atempause: Vicky Cristina Barcelona (Woody Allen, 2008)

6 Jul

Am Ende des Films fliegen sie wieder in die USA zurück; die unglaublich hübschen Cristina (Scarlett Johansson) Vicky (Rebecca Hall) und ihr Ehemann Doug. Sind sie nur erlebnishungrige Touristinnen aus den puritanischen USA in einem andern Spanien gewesen?
Die jungen Frauen verbringen einen Sommer in Barcelona. Sie lernen den Künstler Juan Antonio (Javier Baradem) kennen, der sie einlädt zu einem Wochenend-Ausflug nach Oviedo. Er will ihnen diese so romantische Stadt zeigen, und letztlich auch Sex mit ihnen. Vicky und Juan Antonio haben dort Sex in einem Park, dabei ist sie doch verlobt; sie will (den sehr amerikanischen, fließigen aber langweiligen) Doug heiraten und ein Haus bauen. Und eigentlich ist doch Cristina dem Sex mit Juan Antonio nicht abgeneigt gewesen – sie bekam aber Magen-Darm-Alarm. Vicky ist nun sehr verwirrt. Zurück in Barcelon trifft sich Juan Antonio mit Cristina, und sie haben Sex in seinem Atelierhaus. Sie zieht sogar zu ihm, alles läuft gut. Sogar Dag ist inzwischen angereist, um seine Christina in Spanien zu heiraten.
Dann taucht Juan Antonios (sehr spanische) Ex-Frau Maria Elena (Penélope Cruz) auf, die gerade einen Selbstmord-Versuch hinter sich hat. Es entwickelt sich eine Dreierbeziehung: alle beschmusen und bemusen sich gegeneitig. Cristina bekommt viel Input für ihre fotografischen Ambitionen; sie lernt sogar die Arbeit in der Dunkelkammer. Sie selbst fungiert als „fehlende Zutat“ in der ansonsten zum Scheitern verurteilten Beziehung zwischen Maria Elena und Juan Antonio.
Letztlich ist aber Spanien doch nicht so anders, Cristina verlässt die beiden und geht fort. Vicky will es aber auch noch einmal wissen und trifft sich mit Juan Antonio, obwohl sie inwzwischen mit Doug verheiratet ist. Zum Sex kommt es aber diesmal nicht, weil Maria Elena pistolefuchtelnd dazwischenfunkt.

Eine einfache Gechichte, aber sehr raffiniert und mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Ständig sind sie am Weintrinken. Tolles Wohlfühl-Kino; die Stimme aus dem Off hat uns durch die Handlung und durch Barcelona geführt. Vielen Dank.

Rezension bei Zeit.Online: „Nach Spanien! Woody Allens Komödie ‘Vicky Cristina Barcelona’ zeigt: Amerika braucht Europa, um das Unglück lieben zu lernen

ZDF, 04.07.2011, 22.15 Uhr

Im größten Schwarzkiefernforst Deutschlands (Volkenberg oberhalb Erlabrunn, Unterfranken)

25 Jun

Wo befindet sich die größte zusammenhängende Schwarzkiefern-Anpflanzung in Deutschland? Wahrscheinlich haben Sie Schwarzkiefer-Bäume schon einmal in einem Park gesehen, wo sie häufig und vielerorts angepflanzt werden. Oder Sie kennen diese submediterran-montane Kiefernart (Pinus nigra J.F. Arnold) vom Wanderurlaub in den Pyrenäen, auf Korsika oder dem Atlas-Gebirge. Vielleicht kennen Sie sogar die bekanntesten Schwarzkieferbestände, die zur Pecherei (Harzgewinnung) genutzten Bestände in Niederösterreich (mehr Infos s.u.).

Auch Anpflanzungen zu Forstzwecken, sind weit, fast weltweit, verbreitet. Im mittleren Südeuropa und auf der Balkan-Halbinsel ist die Schwarzkiefer die wichtigste Baumart für Aufforstungen. In einer „waldbaulichen Beurteilung der mitteleuropäischen Baumarten“ gehört die Schwarzkiefer zur Gruppe der „Baumarten auf Spezialstandorten verschiedener Höhenstufen“ [1]

Eine kleine Rundwanderung (ca. 2,5 h) führt von der Staustufe bei Erlabrunn (Unterfranken, Bereich Würzburg-Maindreieck) auf den Volkenberg (Beschreibung siehe Achim Muth: „Ein Wald für die Seele“, Wanderserie in der Mainpost: http://www.mainpost.de/regional/franken/Ein-Wald-fuer-die-Seele;art183497,6149262). Dort existiert die größte zusammenhängende Schwarzkiefernkultur Deutschlands. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so anmutet, ein Spaziergang durch diesen Forst hat seinen eigenen, fast exotischen Reiz. Kennt man Wälder der verbreiteten, natürlich vorkommenden Waldkiefer (Pinus sylvestris), scheint auf dem Volkenberg etwa nicht zu passen. Die Farbe der Borke, die graue Helligkeit? Natürlicherweise hat die Schwarz-Kiefer nördlich der Alpen nichts zu suchen. Die nördliche Verbreitungsgrenze des natürlichen Areals verläuft durch Österreich. Ihr eigentliches, stark zersplittertes Verbreitungsgebiet liegt im südlichen Europa, es kann als submediterran-montan gekennzeichnet werden[2]. Es erstreckt sich von Spanien und Marokko im Westen bis zur Türkei und Zypern im Osten.

Schon die graue Borke dieser Bäume fällt auf – im Vergleich zu der rötlich-braunen Borke der in Mittel- und Nordeuropa verbreiteten natürlich vorkommenden Wald-Kiefer, Pinus sylvestris). Junge Schwarzkiefer-Bäume besitzen eine bräunlich graue, schuppige Stammborke, die mit zunehmendem Alter aufreißt. Die dabei entstehenden Platten sind bei östlichen Herkünften, z.B. der Österreichischen Schwarzkiefer, die für Aufforstungen in Mitteleuropa verwendet wird, dunkler mit fast schwarzen Furchen gefärbt.[3]

Dass die Schwarzkiefer auch in Mittel- und Nordeuropa angepflanzt werden kann, liegt daran, dass sie nur geringe Ansprüche an den Standort stellt. Sie ist, wie andere Kiefernarten auch, lichtbedürftig und wächst gut bei Jahresniederschlägen von zwischen 600 und 1.020 mm. Sie verträgt Sommertrockenheit und ist kälteresistent (junge Bäume überstehen Temperaturen von bis zu −30 °C ohne Schäden). Gerade wegen ihrer Anspruchslosigkeit und ihrer Unempfindlichkeit gegenüber Luftverschmutzung wird sie fast weltweit als Forst- und Parkbaum angepflanzt. Wegen ihres kräftigen Wurzelsystems und der Unempfindlichkeit gegenüber Salzgischt wird sie auch als Windschutz an Küsten und als Erosionsschutz an Hanglagen angepflanzt.

Wesentliche Informationen über die Schwarzkiefer-Anpflanzungen in Unterfranken liefert Olaf Schmidt (o.D.): Die Schwarzkiefer in Unterfranken. In: LWF aktuell Nr. 20, hrsg. von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft:
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Gerolzhofen (Unterfranken) – Feldnotizen, 18.06.2011

20 Jun

Gerolzhofen Unterfranken (SW, 97447, 244 m ü. NN, rund 6500 Einw.), Bereich Mainfränkische Platten/Steigerwald

Schon bei der Einfahrt in die Stadt zeigt sich, was für gestandene Gerolzhofener eine Kränkung sein könnte, aber gleichzeitig (und naheliegenderweise) für das Stadtmarketing benutzt wird: GEO – (kein Hinweis auf geologische oder geographische Besonderheiten, z.B. ein Meteoritenkrater o.ä.), sondern KfZ-Kennzeichen bis 1972. Es gibt die Geomed-Klinik Krankenhaus Gerolzhofen, das Geomaris Badeparadies (Hallen- und Freibad), eine Pizzeria GEO – auf der Speisekarte findet sich der GEO Salat (Grüner Salat, Gurken, Tomaten, Tunfisch, Käse, Schinken, Ei, grüne Peperoni, Oliven, Artischocken), die Pizza GEO (Tomatensoße, Käse, Schinken, Salami, Pilze, Paprika, Artischocken, Oliven), Nudel GEO (mit Fleischsoße, Sahne und Erbsen), Lasagne GEO und Schnitzel GEO (mit Fleischsoße, Sahne und Erbsen, Pommes und Salat), die Geodrom Eventhalle, das Bistro Geo-Treff usw.

Im Zuge der kommunalen Neuordnung Bayerns wurde der Landkreis Gerolzhofen 1972 aufgelöst und die Stadt verlor den Status einer Kreisstadt. Die ehemalige Kreisstadt Gerolzhofen behielt zunächst eine Anzahl überörtlicher Behörden, die aber nach und nach verlegt wurden.

Gerolzhofen ist ein Mittelzentrum, Wirtschafts- und Schulzenrum für die umliegenden Gemeinden („Marktplatz der Region“). Und so sieht die Stadt auch aus – keine pittoreskes Frankenstädtchen, zu weit weg von Weinfranken und, obwohl es sich als „Tor zum Steigerwald“ bezeichnet, ist es auch von diesem noch zu weit entfernt.

Gerolzhofen ist auch im Programm Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ (Städtebauförderungsprogramm „Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“). Das „Soziale Stadt“-Gebiet umfasst vor allem die Altstadt bis zur äußeren Stadtmauer und dem Alleepark. Auf der Internetseite des Quartiersmanagments steht: „Die Altstadt Gerolzhofens weist im Vergleich zu den umliegenden Wohngebieten Merkmale auf, die für eine Aufnahme in das Programm Sozial Stadt sprechen: Städtebauliche und bauliche Schwächen, Mängel im Wohnumfeld und im öffentlichen Raum, vorhandene Leerstände, Tendenz zu einer einseitigen Bevölkerungsstruktur, Gefährdung der zentralörtlichen Versorgungsfunktion, Kaufkraftverlust durch großflächigen Einzelhandel außerhalb des Stadtkerns.

Aber dennoch oder gerade deshalb ist Gerolzhofen interessant, und ein paar Sehenswürdigkeiten hat es auch zu bieten.

Ferner hinterlässt auch ein kurzer Blick in die Geschichte der Stadt keinen ruhmvollen Eindruck: 1397-1400 wurde die Stadt im Fränkischen Städtekrieg verwüstet. In der Zeit der Hexenverfolgungen und –verbrennungen unter dem Würzburger Fürstbischof Philipp Adolf von Ehrenberg (1583-1631) war Gerolzhofen als Hauptgerichtsplatz ein Zentrum. Der Gegenreformator Philipp Adolf von Ehrenberg betrieb eine harte Rekatholisierungspolitik, er war zudem ein unerbittlicher Hexenverfolger. Die Hexenverfolgung, die zwischen 1626 und 1630 ihren Höhepunkt erreichte, hatte Menschen aller Stände im Visier: neben einfachen Leuten wurden auch Adlige, Ratsherren und Bürgermeister auf den Scheiterhaufen verbrannt. In Gerolzhofen wurden angeblich sogar Verbrennungsöfen, um die rund 200 Menschen pro Jahr verbrennen zu können. Viele starben bereits vor ihrer Verurteilung an den Folgen der Folter im Hexenturm und Centgefängnis. [1]
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Stadt ab 1631 wiederholt geplündert und gebrandschatzt. Hinzu kamen Pest und Hungernöte, welche die Bevölkerung der Stadt um ein Viertel dezimierten.

Stadtspaziergang:

Spitalstraße, Weiße Turm-Straße: Fachwerkhaus Teutsch (von 1566) mit Erkertürmchen und Andreaskreuz-Galerien[2], zuletzt Verlagsgebäude der Heimatzeitung „Der Steigerwald-Bote“. Daneben Teutsch am Turm Buchhandlung. Seitengasse Richtung ehemaliges Oberamtshaus rechts der Fachwerkhof Weißer Hof (Toreinfahrt mit wehrgangähnlicher Überdachung und verzierten Rautengefachen[3], idyllischer, durchgegrünt-verwachsener, schön dekorierter Innenhof. Auf der linken Seite das Echterhof Fachwerkhaus mit nachgotischem Treppengiebel und Sechseck-Hofturm von 1609.
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Marktbreit (Unterfranken) – Feldnotizen, 16.06.2011

17 Jun

Marktbreit (KT, 97340, 191 m ü. NN): Kleines Städtchen am Main (ca. 3500 Einw.), Bereich Maindreieck, zwischen Kitzingen und Ochsenfurt.

Geparkt in der Mainstraße, dort schon ein paar fotogene Häuser. Mainstraße ist nicht Teil der Altstadt, sondern Stadterweiterung aus dem 19. Jh.

Vor dem Stadttor Gasthaus „ Zum Goldenen Schiff“ (erbaut 1568, eines der ältesten Häuser Marktbreits, ehemals Gasthaus der Flößer, Schiffer und Fischer).

Brauchbare Tourist-Information, kleiner Stadtplan mit eingezeichneten Sehenswürdigkeiten.

Durch das Maintor über den Breitbach in die Innenstadt, Rathaus im Stil der Spät-Renaissance, gegenüber ein Kebap-Imbiss.

Marktplatz: Hotel Löwen, angeblich das zweitälteste Gasthaus in Bayern, Ursprung 15. Jh.; mit Zierfachwerk aus dem 18. Jh., kleiner, netter Biergarten in der Ochsenfurter Straße.

Im Löwen und im Rathaus traf sich im Frühling 1949 die Schriftstellervereinigung „Gruppe 47“ (auf Einladung von Hans Werner Richter); berichtet wird, dass sie vom Frankenwein ziemlich betrunken waren und die Stimmung aggressiv. Wegen dieses Treffens findet Marktbreit Erwähnung in dem Buch „Spaziergänge durch das Franken der Literaten und Künstler“, Thomas Kraft & Klaus Gasseleder, Arche Literatur-Verlag, Zürich, Hamburg, 2008.

Die Ochsenfurter Straße entlang zu gehen brachte mir nicht so viel, es sei denn man möchte zum Geburtshaus des Neurologen Dr. Alois Alzheimer (1864-1915). Hat mich nicht interessiert, deshalb durch die Straße Am Graben zurück Richtung Maintor. Dort der Schwarze Turm, ein Rundturm der Stadtbefestigung, baulich mit dem Rathaus verbunden. Über einen Steg den Breitbach überquert und noch einmal durch das Maintor. Das Maintor ist das einzig erhaltene Tor der Stadtbefestigung, erhalten sind noch weitere Türme der Stadtbefestigung und Teile der Stadtmauer.

Um den Marktplatz herum barocke Handelshäuser, einstiger Wohlstand im 17. und 18. Jh., der zurückgeht auf die Politik und die gewährten Rechte durch den Fürsten von Schwarzenberg. → Marktbreit als Handelsknotenpunkt.

Mittelpunkt der Altstadt: Schlossplatz mit dem Seinsheimschen Schloss (erbaut 1580, mit schöner gelber Renaissancefassade). Auf dem Platz davor die Tische des Cafes/Gaststätte Schloss Marktbreit, sehr gut besucht.

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129 Arten sich durch die Stadt zu bewegen (nach Bodo Morshäuser 1998)

17 Jun

Flaneurismus und die Übernachfrage von Einrichtungen

24 Mrz

Willkommen bei einer neuen Lehreinheit des Moduls ‚Zeitgemäßer Flaneurismus für Fortgeschrittene’ (31-FLAN-F-1-2). Heute wollen wir uns mit einer Erklärung eines Teilaspektes der hedonistischen Dimension des Flaneurs beschäftigen. Der klassische Flaneur spaziert gerne durch Einkaufspassagen, Innenstädte, Museen usw. – allerdings nur, wenn diese nicht zu voll sind, wenn die Passantendichte sich auf einem einigermaßen erträglichen Niveau befindet. Solche Situationen sind uns vielfach bekannt. Der Flaneur wird durch allzu dichte Menschenmengen in seiner Beobachtungsfähigkeit und –lust eingeschränkt. Das durchschnittliche Schritttempo der Menschenmasse entspricht nicht seiner gängigen Gehtechnik; zudem wird er in seinem Bewegungsspielraum durch die breite Amplitude der Gehgeschwindigkeit zwischen den Individuen der Menschenmasse behindert. Ferner sind die Tische vor und in den Cafés alle voll besetzt. Schließlich werden die Möglichkeiten des Fotografierens eingeschränkt. Der Hedonismus des Flaneurs besteht darin, dass er es sich leisten kann, diese Stoßzeiten für seine Spaziergänge zu meiden.

Wir versuchen nun aber eine verkehrsökonomische Erklärung. Es hilft uns die folgende Literaturquelle: J. Michael Thomson (1978): Grundlagen der Verkehrspolitik – Verlag Paul Haupt, Bern & Stuttgart, S. 40 ff.
Im Mittelpunkt des Problems steht das Phänomen der Überfüllung. Zur Überfüllung kommt es, weil das Fassungsvermögen von Einrichtungen (wie Strände, Ausflugsziele, Innenstädte usw.) begrenzt ist. Zur Überfüllung kommt es, wenn Übernachfrage herrscht. Übernachfrage heißt, dass die betreffende Einrichtung von mehr als der optimalen Zahl von Personen genutzt wird. Bei einer bestimmten Auslastung des Fassungsvermögens kommt ein Punkt, von dem ab das Überfüllungsmoment den durchschnittlichen Nutzen der Einrichtung für die Besucher sinken lässt. Jenseits dieses Punktes können zusätzliche Besucher durchaus noch Nutzen aus der Einrichtung ziehen, weil sie ja auf eine gewissen Weise noch die Möglichkeit haben die Einrichtung zu nutzen. Der Preis dafür ist aber eine Minderung des Nutzens bei den bereits Anwesenden, also eine Minderung des durchschnittlichen Nettonutzen je Besucher. Eine weitere Grenze ist erreicht, wenn der Nutzenzuwachs zusätzlicher Besucher geringer als die damit verbundene Nutzenminderung bereits Anwesender ist.
Betrachten wir dazu die folgende Abbildung:


Abb. 1: Übernachfrage nach Einrichtungen (aus: Thomson 1978, S. 41).

Kurve a = der durch jeden zusätzlichen Besucher hinzukommende Nettonutzen (Grenznutzen)
Kurve b = der durchschnittliche Nettonutzen je Besucher

Bei einer bestimmten Nutzerzahl M ist der durchschnittliche Nettonutzen pro Besucher maximiert. Von Punkt O bis Punkt M erhöht sogar jeder Hinzukommende den durchschnittlichen Nutzen der Anwesenden. Wird aber der Punkt M überschritten, dann vermindern weitere Besucher den Nutzen der andern. Von wirklicher Überfüllung kann man aber erst ab dem Punkt P sprechen. Ab dort wiegt der persönliche Nutzenzuwachs weiterer hinzukommender Besucher nicht mehr den Nutzenschwund bei den bereits Anwesenden auf.

Der Hedonismus des Flaneurs besteht nun darin, dass er es sich leisten kann, sich nach dem Nettonutzen zu orientieren, der für einen zusätzlichen Benutzer einer Einrichtung gilt. Der Bereich der optimalen Nachfrage einer Einrichtung, bei der ein Flaneur den Besuch dieser bevorzugt, liegt demnach noch vor dem Punkt M (siehe die folgende Abbildung, bei dem der für den Flaneur optimale Bereich grün eingefärbt ist):

Abb. 2: Übernachfrage nach Einrichtungen und der Nachfragebereich eines Flaneurs (Grafik aus Thomson 1978, S. 41, verändert).

Kurve a = der durch jeden zusätzlichen Besucher hinzukommende Nettonutzen (Grenznutzen)
Kurve b = der durchschnittliche Nettonutzen je Besucher
grüner Bereich = für den Flaneur optimaler Nutzenbereich

Dreikneipeneck in Hamburg: gloria, plus und glanz

15 Mrz

Kennen Sie das Gefühl? Man geht in ein äußerst gut sortiertes Geschäft, z.B. eine Buchhandlung. So gute Auswahl, dass man ganz viel kaufen könnte – aber am Ende geht man raus und hat nichts gekauft. Im Schanzenviertel in Hamburg St. Pauli oder auf der Reeperbahn gibt es so viele gute Kneipen und Clubs; man stolpert von einer in die nächste, bis der Astra-l-Körper nach Hause muss. Und man hat sich über keine einzige Kneipe Notizen gemacht, noch nicht einmal deren Namen behalten.

In Hamburg-Eimsbüttel gibt es nicht so viele Kneipen (glaube ich zumindest) – außer ein paar klassische Eckkneipen. Es gibt dort aber an der Ecke Bellealliancestraße, Lindenallee eine Ecke mit drei Kneipen – ein Dreikneipeneck. Das „Gloria-Imperium“ (>>> http://www.gloriabar.de): gloria (mit der roten Chesterfield-Wand), plus (mit original alten Villeroy & Boch Kacheln aus der Gründerzeit) und glanz (Experimentierraum und Überlaufbecken).

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